Oberstdorf ist weithin bekannt für seine hervorragenden Skigebiete Nebelhorn und Fellhorn, doch wie keine andere Aufstiegshilfe für Wintersportler betrachten viele Oberstdorfer den Höllwies-Lift als „ihren“ Lift. Hier haben viele Einheimische das Skifahren so richtig gelernt, hier wurden unzählige Vereinsmeisterschaften, Schulrennen und sonstige Wettbewerbe auf Skiern durchgeführt und bis heute gilt der längste Schlepplift Deutschlands als Geheimtipp, wenn Nebel- oder Fellhorn an Wochenenden überfüllt sind oder schlechtes Wetter das Skifahren in höheren Regionen erschwert.
Meine Erinnerungen an den Höllwies-Lift reichen in die späten 60er-Jahre zurück, als unser Sportunterricht häufig an die „Höllen“ verlegt wurde. Für uns auswärtige Schüler war es nicht gerade einfach, mitsamt der Schulausrüstung den Weg von der Rubingerstraße bis zur Ziegelbachhütte hin und zurück zu bewältigen. Trotzdem bin ich seit dieser Zeit ein treuer und immer wieder begeisterter Besucher dieser Anlage, auch oder gerade weil der Höllwies-Lift, so wie er sich heute präsentiert, ein lifttechnischer Anachronismus ist. Ein langer Schlepplift, zwei Abfahrten ohne Beschneiung und eine Zufahrt, die eher an einen vernachlässigten Feldweg erinnert. Der Höllwies-Lift scheint aus der Zeit gefallen zu sein. Aber das war nicht immer so!
Alles begann Anfang der 60er-Jahre, als zwei unternehmungsfreudige Oberstdorfer den Plan schmiedeten, in den „Höllen“ einen Lift zu errichten. Max Maile und Franz Jäger hatten erkannt, dass ein Lift mit Talstation an der Ziegelbachhütte und dem Endpunkt 520 Meter weiter oben am Berg als Ergänzung zur Familien-Piste am Söllereck und als Übungsgelände für die geübten und anspruchsvollen Skifahrer eine lohnende Investition sein könnte. Die Euphorie der beiden Initiatoren war groß, die Umsetzung in die Praxis nicht immer einfach. Viele (ca. 30) Grundeigentümer entlang der geplanten Lifttrasse und der Pisten mussten von der Sinnhaftigkeit des Unternehmens überzeugt werden. Franz Jäger bewies bei diesen Verhandlungen wohl großes Geschick und so konnte mit dem Bau des Liftes begonnen werden.
Was die Lifttechnik anbelangt, fiel die Wahl auf eine Beförderungsanlage des Typs „Stangenschlepplift“ der französischen Firma Pomagalski. Diese Firma wurde in Deutschland durch die Oberstdorfer Firma ABIG vertreten, die in Deutschland einige dieser kuppelbaren Stangenlifte baute. Eigentlich stellte die Firma ABIG Öl- und Gasbrenner-Systeme her, aber der Besitzer der Firma, Carry Gross, hatte sich schon früh mit dem Seilbahnbau beschäftigt. So bauten 1949/50 die Gebrüder Schedler unter Leitung von Ingenieur Carry Gross den ersten Skischlepplift von Oberstdorf am Karatsbichl, welcher nach dem zweiten Bauabschnitt bis zur Höhe Bergkristall führte.











