von Klaus Noichl (Mitglied der Kirchenverwaltung und planender Architekt)
Wieder einmal nach fast 40 Jahren steht eine Generalsanierung unserer Pfarrkirche an. Die letzte große Sanierung fand 1980 unter Pfarrer Karl Rottach statt. Damals wurde das Dach saniert, die Innenschale erneuert und die Ausstattung neu geordnet.
Wie damals 1980 bringt jede Sanierung der Kirche kleinere oder größere Änderungen in der Gestalt des Kirchenraums. Hier möchte ich ansetzen und die wesentlichen prägenden Ereignisse in der Geschichte des Baus erläutern.
Die Kirche geht in ihren ältesten Bauteilen bis in das Mittelalter zurück. Nach der Überlieferung soll mit dem Turmbau schon im Jahre 991 begonnen worden sein. Die heute vollständig erhaltene Substanz des mächtigen Turms verweist in seinen unteren Teilen in das hohe Mittelalter, also das 13. – 14. Jahrhundert.
Eine Verwandtschaft mit dem ins 14. Jahrhundert datierten Turm von Mittelberg im kleinen Walsertal ist nicht zu verleugnen. Ob es da schon um einen Wettstreit zwischen den frisch eingewanderten freien Walsern und dem - damals bedeuten- den Handelszentrum - „Obersten“ Dorf ging, bleibt noch der Forschung vorbehalten….Das amtliche Marktrecht bekam der Ort erst rund 100 Jahre später von Kaiser Maximilian.
Die Türme von Oberstdorf und Mittelberg sind mit rund 66m heute noch weit im Umkreis die höchsten Kirchtürme im oberen Allgäu bis zu den ehem. Reichsstädten Kempten und Memmingen.
Das erste zuverlässige Datum in der Kirchengeschichte ist der 24. Juni 1419, hier wurde ein Kirchenneubau geweiht. Dieser spätgotische Bau muss wohl im wesentlichen Bestand gehabt haben bis zum großen Brand von 1865. Barocke Umbauten haben hier allerdings zum ersten Mal das Gesicht des Innenraums grundlegend verändert.
Der große Brand hinterließ eine Brandruine mit völlig abgebrannten Dachstühlen von Kirche und Turm und einem wahrscheinlich stark beschädigtem Chorgewölbe. Die Wände aus Bruchstein und jedoch blieben erhalten. Es war ein Glücksfall, dass der nun notwendige Neubau in eine Zeit fiel, in dem im damaligen Königreich Bayern, das letztendlich ein Produkt der Säkularisation und Neuordnung Europas nach Napoleon darstellte - ein staatlich organisiertes Aufbauprogramm für Kirchenneubauten betrieben wurde.














