Oberstdorf vor 100 Jahren

am 01.12.2020
Januar 1919

Das Standesamt Oberstdorf verzeichnete im letzten Jahre 14 Eheschliessungen, 35 Geburten und 87 Sterbefälle, darunter 17 Gefallene.

In Oberstdorf wurde eine Ortsgruppe des Reichbundes gebildet, welche bereits 22 Mitglieder zählt. Das Ziel des Reichsbundes ist der Schutz der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen.

Erstmals wird bei der Reichstagswahl in Deutschland nach dem Verhältniswahlrecht gewählt und Frauen haben ein Stimmrecht.

Dem Ansuchen der derzeitigen Inhaberin der Lehrerstelle in Kornau, Fräulein Merk, um Einrichtung der elektr. Beleuchtung im Schulhaus in Kornau, wird entsprochen. Drei Lampen werden genehmigt.

Der Kostenvoranschlag von Zimmermeister Fridolin Steiner für einen neuen Breitachsteg am Fußweg Tiefenbach-Reute beläuft sich auf 7.317,20 Mark.

Der Markt Oberstdorf fühlt sich beim Verkauf des Elektrizitätswerkes von der Fam. Besler an Herrn Wirschitz in München übergangen und will von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch machen.

Die Gemeinde Oberstdorf ehrt die aus dem Felde zurück gekehrten Soldaten mit einem Heimkehrerfest.
Wegen der Unruhen in Berlin beschließ die Reichsregierung die Nationalversammlung in Weimar zu eröffnen.

Februar 1919

Bei günstigem Wetter kann der Skiclub Oberstdorf am So. 9 Februar seine Clubläufe unter großer Beteiligung (14 Teilnehmer bei Juniorenlauf, 5 bei Damenlauf, 38 beim Jugendlauf bis 12 Jahre und 22 beim Jugendlauf 13-17 Jahre) auf dem Schrattenwanger Bergrücken veranstalten.

Mit neuen Zahlen ersetzt der Markt die alte Ordnung über die Vergütung der Hand- und Spanndienste: Klasse I sehr gute Arbeitskräfte 5 Mark pro Arbeitstag; Klasse II gute Arbeitskräfte 4 Mark; Klasse III 3 Mark. Fuhrwerksdienste Klasse I 16 Mark per Tag; Klasse II 14 Mark und Klasse III 12 Mark pro Tag. (Ob es bei
der Einteilung Streit gab?)

Bei den Unruhen in München wird der bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner bei der Fahrt zum Parlament erschossen.

Laufend gehen bei der Gemeinde Anträge von Badener, Württemberger, Hessen usw. auf Erteilung der bayerischen Staatsangehörigkeit ein, die befürwortend an das Bezirksamt weitergeleitet werden.

März 1919

Das Hotel Stempfle auf dem Marktplatz geht durch
Kauf an den bisherigen Pächter Friedrich Pickel über.

Auf Vorschlag des Arbeiter- und Bauernrates sowie im
Rat geistiger Arbeiter wird zur Vertretung des hiesigen
Kommunals im Kommunalverband Sonthofen Markt-
sekretär Georg Bisle bestimmt.

Arbeitslosigkeit und allgemeine Verarmung treiben
immer mehr stellenlose Handwerksgesellen auf die
Wanderschaft. Der kath. Gesellenverein hilft in vielen
Fällen den hier Gestrandeten über die ärgste Not mit
Nahrung und Unterkunft.

Gewerbetreibende verfassen eine Beschwerdeschrift
gegen die Aufstellung eines Konsumvereines. Die Ge-
meinde leitet den Vorgang kommentarlos an das Be-
zirksamt weiter. Letztlich stimmt die Gemeinde der
Aufstellung zu.

Auf Antrag des Arbeiter- und Bauernrates wird wegen der drückenden Wohnungsnot im Oberstdorfer Gemeinderat eine Wohnungskommission gebildet (In den Folgejahren erschrickt jedes Ratsmitglied, das in diese undankbare Aufgabe berufen wird).

In Paris beraten die Siegermächte des Weltkrieges bei der Erstellung eines Friedensvertrages über Deutschlands Zukunft.

Nachdem fast alle „Feldzügler“ aus englischer, französischer und italienischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt sind veranstaltet die Gemeinde ein großes Heimkehrerfest.

April 1919

Die Dienstzeit bei der Gemeindebehörde wird wie folgt angelegt: Montag mit Freitag 7 ½ Stunden, vormittags 8 bis 12 Uhr und nachmittags von 2 bis 5 ½ Uhr. An Samstagen und Tagen vor einem gesetzlichen Feiertag dauert die Dienstzeit von 8 – 11 Uhr. An den Sonntagen ist die Rathauskanzlei nur in dringenden Fällen und hauptsächlich für die Talbewohner geöffnet und zwar in der Zeit von 10½ bis 11 ½ vormittags.

Genf wird Sitz des neugegründeten Völkerbundes.

Das statistische Reichsamt veröffentlicht die Entwicklung der deutschen Bevölkerung seit 1913. Während die Bevölkerung 1913 um 834.000 und 1914 um 546.000 zunahm, ging die Zahl 1915 um 58.000, 1916 um 309.000, 1917 um 611.000 und 1918 um 885.000 zurück.

Das Bezirksamt Sonthofen drängt den Markt Oberstdorf zur Anlage eines entsprechenden Friedhofes und zum Bau eines Leichenhauses.

Eine Ortsgruppe „Gewerkschaft für Kleinhandel, Handwerk und Gewerbe“ wird bei einer stark besuchten Versammlung im Gashof Hirsch gegründet und es werden zahlreiche Beitritte verzeichnet.

Mai 1919

Laut dem statistischen Reichsamtes hat Deutschland im ersten Weltkrieg 1.676.696 Tote, 373.770 Vermißte und 4.207.028 Verwundete zu beklagen.

Auf Ersuchen werden den schulpflichtigen Kindern eines Taglöhners die erforderlichen Lehrbüchern für die Volksschule dahier aus Mitteln der Schulkasse beschafft (ein Sohn aus dieser Familie wurde ein bedeutender Oberstdorfer).

Die Allgemeine Ortskrankenkasse erhöht den Verpflegungsaufwand für einen Patienten im Oberstdorfer Krankenhaus von 2,80 auf 3,20 Mark.

Unter Bezug auf die Vollzugsbekanntmachung zum Wahlgesetz und der Wahlordnung wird für Oberstdorf die Zahl der zu wählenden Gemeinderäte auf 14 festgesetzt.

Juni 1919

Bürgermeister Ludwig Hochfeichter begrüßt den neugewählten Gemeinderat und regt alle Seiten zu einer friedlichen und ersprießlichen Arbeit an. Für die einzelnen Referate werden, so weit als möglich, Fachleute bestellt.

Der neue Gemeinderat: Ludwig Hochfeichter 1.Bürgermeister, Magnus Haas 2. Bürgermeister, _Georg Mayer, Andreas Hofmann, Josef Renn, Max Burger, Joa-
chim Jäger. Joseph Eberle, Wilhelm Leising, Ludwig Brutscher, Johann Haggenmüller, Joseph Anton Schugg, Karl Tauscher, Heinrich Brand, Albert Dünßer, Thomas Huber._

Die in Versailles diktierten Friedensbedingungen mit Landverlusten von 70.000 Quadratkilometern, Verlust von 5,5 Millionen Einwohnern und irrsinnigen Bezahlungen lösen im Reich einen Sturm der Entrüstung aus und bilden den Nährboden für politisch radikale Gruppierungen.

Die in der Bucht von Scapa Flow liegende internierte deutsche Hochseeflotte, unter dem Befehl von Admiral Ludwig Reuter, versenkt sich vor der Übernahme durch die Briten selbst.

Für die Theatervorstellungen des Tegernseers Bauerntheater im Saale des Hotel Trettach während der heurigen Sommerfremdensaison wird als Lustbarkeitsabgabe die Pauschalsumme von 200,- Mark festgesetzt.

Der Verkehrs- und Kurverein veräussert den sogenannten „Eisweiher“ (ein grösseres Grundstück am Weg zur Waldesruh) zum Preis von 10.600 Mark an Dr.
Saathoff (Stillachhaus)

Die Gewerkschaft für Kleinhandel, Handwerk
und Gewerbe gründet einen eigenen Rabattsparverein mit ca. 30 beteiligten Geschäften aus allen Branchen. Die Mitglieder geben bei Barzahlung Rabattmarken an Kunden aus. Zum Vorsitzendem wurde Bäckermeister Kai-
ser bestimmt. Ausserdem wurde auch eine Einkaufsgenossenschaft gegründet an der sich die Mitglieder beteiligen können.

Im „Kur-Theater Hotel Trettach“ gastiert wieder das Tegernseer Bauerntheater mit 20 Darstellern unter der Direktion Späth-Baudrexler. Die Eintrittskarten zum Preis zwischen 1-3 Mark können im Obst- und Gemüsegeschäft
Krick am Marktplatz erworben werden.

Das „Schuhwaren- und Manufakturgeschäft“ von Friedrich Wilhelm Reich eröffnet an der Ecke Neubau-(Nebelhornstraße) und Metzgerstraße.

Juli 1919

Durch ein plötzliches Schneewetter müssen auf der Linkersalp und am Einödsberg eingeschneite Schafe geborgen werden. Durch niedergehende Lawinen kommen viele Schafe und Jungvieh um.

Dem Ansuchen der Alpenvereinssektionen Kempen- und Immenstadt Allgäu um 70%ige Erhöhung der Bergführertarife wird im Gemeinderat entsprochen (Die Inflation schreitet voran).

Der Brauereibesitzer Karl Richter hat bei Kriegsausbruch dem als Lazarett eingerichteten Krankenhaus eine Anzahl von Betten und Bettwäsche überlassen. Da Herr Richter diese Gegenstände wieder benötigt, sind sie unter Dankeserstattung demselben wieder zurückzugeben.

Die deutsche Nationalversammlung wählt die Farben »Schwarz-Rot-Gold« als künftige Flagge des Deutschen Reiches.

Die neue Verfassung des Deutschen Reiches tritt in Kraft.

Gegen die Errichtung eines Kinobetriebes hat der Gemeinderat im Prinzip nichts einzuwenden.

Als Obmann der hiesigen Rettungsstelle für alpine Unglücksfälle wird der Drogerieinhaber Wilhelm Friederich den Alpenvereinssektionen Immenstadt und Kempten benannt.

Vor dem Ankauf des Elektrizitätswerkes durch die Gemeinde soll in einer Bürgerversammlung der Wille der Bevölkerung erkundet werden.

Regisseur Ludwig Beck beginnt in Oberstdorf mit den Dreharbeiten für den Film „Gewitter im Mai“ nach einem Roman von Ludwig Ganghofer.

August 1919

Der Pachtvertrag zwischen dem ehem. Bayer. Königshaus und dem Markt Oberstdorf über die Gemeindejagd läuft aus. Der Markt drängt das zuständige Forstamt Burgberg um Auskunft über das weitere Verfahren.

Um die Summe von 288.200,- Mark werden der Markt Oberstdorf und der Münchner Unternehmer Wirschitzt sich beim Kauf des Elektrizitätswerkes einig.

Das Anwesen des Leo Schratt in der Fischerstraße HsNr. 120 wird ein Raub der Flammen. Die Feuerwehr kann die Nachbarschaft schützen. Der Hausherr war beim Ausbruch des Feuers mit der Bergwacht wegen der Bergung eines abgestürzten Bergsteigers unterwegs. Die vom Gemeinderat und Kurverein zu seinem Gunsten organisierte Sammlung und zwei spontane Wohltätigkeitskonzerte von Kurgästen bringen rund 7000 Mark ein.

Zur Sicherung der Brotversorgung für die einheimische Bevölkerung verfügt der Kommunalverband Sonthofen, daß die Geschäfte keine Waren auf Reisebrotmarken mehr abgegeben dürfen. Der Direktor des hiesigen Verkehrs- und Kur-
verein wird beim Ministerium in München vorstellig und erreicht, daß Oberstdorf drei Waggon amerikanisches Gerstenmehl zugesagt bekommt.

Der deutsche Ex-Kaiser Wilhelm II. nimmt im Haus „Doorn“ in Holland seinen künftigen Aufenthalt.

Das seit 30 Jahren bestehende „Atelier Höfats“ im Haus Höfats in der Prinzen und Lorettostraße eröffnet nach einem Umbau neu. Angeboten werden Atelier-und Frelichtaufnahmen, Vergrösserungen, Ausführung von Amateur-Arbeiten
sowie ein reichhaltiges Lager mit photographischen Bedarfsartikeln.

September 1919

Der ehemalige Hotelier Anton Merz hat am Lindenacker ein Grundstück erworben und beabsichtigt dort ein Lichtspieltheater zu errichten. Besonders schwierig ist die Beschaffung der notwendigen Baumaterialien.

In Oberstdorf werden von Unbekannten mehrere Plakate mit antisemitischen Parolen aufgeklebt. Der Wortlaut „Kurgäste, die ihr Juden seid oder so ausseht, ihr seid in Gefahr. Ein Pogrom wird gegen Euch geplant! Das tückische Bergvolk will es euch zu Liebe gehen. Rettet Euch! Macht euch auf die Plattfüße; kehrt zurück, woher ihr kamt, nach Berlin, nach Frankfurt, am besten ins gelobte Land! Eile ist geboten!“ veranlasste in den darauffolgenden Tagen eine grössere Zahl von Kurgästen zur Abreise.

Der Orient-Expreß nimmt wieder den regelmäßigen Linienverkehr zwischen Paris und Istanbul auf.

Das Gesuch der Gemeinde Mittelberg um Genehmigung zum Befahren der Walserstraße mit Lastautos zum Zwecke der Lebensmittelversorgung wird genehmigt unter der Bedingung, daß jede Haftung bei etwaigen Unfällen seitens der Gemeinde Oberstdorf abgelehnt werden muß und der Tag der Autofahrten dem Gemeinderat jeweils bekanntgegeben wird.

Auf Antrag der Gräfin Castell soll in der Kleinkinderbewahranstalt im Schulhaus ein Holzfußboden verlegt verlegt werden.

Auf dem Grundstück des Krankenhauses läßt die Gemeinde eine „Isolierbaracke“ zur Absonderung von Patienten mit ansteckenden Krankheiten erstellen.

Auf Grund der in Tiefenbach ausgebrochenen Maul- und Klauenseuche entfallen in Oberstdorf die Vieh- und Krämermärkte an Michaeli- und Gallustag.

Eine Versammlung von Einwohnern unter der Leitung von Bürgermeister Hochfeichter beschließt im „Hirschen“ die Aufstellung einer bewaffneten „Ortswehr“, um die Sicherheitskräfte bei der Verhütung von Raub und Plünderungen zu unterstützen.

Beim Viehscheid kommen etwa 650 Stück Jungvieh herunter. Eine bekranztes Rind ist leider nicht darunter. Auf den meisten Alpen war im Sommer die Ruhr ausgebrochen und forderte ihr Opfer. Auch das laute „drum herum“ eines Volksfests fehlte wie auch in den vergangenen Kriegsjahren. Die Preise für die Rinder schwankten zwischen 1800 und 3300 Mark (gegenüber 300-400 Mark in Friedenszeiten)

Der ehemalige Wirt des Oytalhauses und Besitzer der Villa Maxheim, Max Kappeler stirbt mit 69 Jahren nach einer Lungenentzündung.

Oktober 1919

Oberstdorf hat eine eigene Zeitung! Am 1. Oktober erscheint erstmalig das „Oberstdorfer Gemeinde und Fremdenblatt“, in dem auch alle amtlichen Bekanntmachungen veröffentlicht werden; damit entfällt künftig das „Ausschellen“
durch den Gemeindediener.

Die Ortswehr wirbt mit Zeitungsinserat: „Männer der Gemeinde Oberstdorf! Zum Schutze von Ruhe und Ordnung…Weib und Kind…Haus, Hof und Herd meldet Euch zur Ortswehr! Einzeichnung in die Liste: Sonntag 5.Oktober Vormittag (nach dem Gottesdienst) auf d. Marktplatz. Der Ausschuß“

Die hiesige Einwohnerschaft ist neuerdings auf § 1 der Verordnung des Gesamtministeriums aufmerksam zu machen, wonach Wohnungen und Wohnräume nur mit behördlicher Zustimmung vermietet werden dürfen.

Den Kunstmalern Edwin Henel und Maximilian Schels wird zu einer gemeinschaftlichen Ausstellung von Gemälden, Zeichnungen und Grafiken während der Ferien 1920 ein Schulsaal zur Verfügung zugesichert.

Werke von Edwin Henel (links) und Maximilian Schels (rechts)

Der zwecks Verheiratung aus dem Gemeindedienst ausgetretenen Frl. Klara Goldbach wird in Anerkennung ihrer geleisteten Dienste für die Gemeinde, ein Hochzeitsgeschenk von 200,- Mark aus der Landgemeindekasse bewilligt.

Der Gemeinderat hat eine neue ortspolizeiliche Verordnung erlassen, die dem willkürlichen Abladen von Bauschutt einen Riegel vorschiebt. Ab sofort dürfen hierfür nur die von der Gemeinde dafür ausgewiesene Plätze verwendet werden.

Ebenso verbietet die neue Verordnung das „wilde“ Plakatieren. Das Anbringen von Ankündigungen bedarf fortan einer polizeilichen Genehmigung.

Der Verkehrs- und Kurverein berichtet bei seiner Herbstversammlung: Von Mai bis Oktober 1919 wurde Oberstdorf von 13.498 Kurgästen mit 165.000 Übernachtungen besucht. Es wurden 20.600 Mark mit Kurtaxe, 1320 Mark mit Fisch-
karten, 6160 Mark mit Bädern und 3521 Mark mit Kahnkarten eingenommen. Demgegenüber standen 13.500 Mark für Löhne, 3500 Mark Handwerksrechnungen, 1400 Mark Fuhrlöhne, 2000 Mark für Reklame, 3000 Mark für Straßenrei-
nigung usw. Es wurde beschlossen, die Kurtaxe zu „strecken“ d.h. den bisher geltenden Satz von 20 Pfennig pro Tag und Kopf der bis zu einem Höchstbetrag von 4 Mark erhoben wurde (also bis 20 Tage) künftig für bis zu 3 Monate zu
erheben.

Dem Ansuchen des Stenographenvereins Oberstdorf um unentgeltliche Überlassung von zwei Schullokalen zur Abhaltung von Stenographenkursen wird stattgegeben. Die Kurse beginnen mit 11 fortgeschrittenen und 36 anfangenden Teilnehmern. Gelehrt wurde noch die Gabelsberger Kurzschrift.

November 1919

Der Friseur Gustav Hirte bietet in einem Inserat in der Oberstdorfer Zeitung an: „Allgäuer Puppen=Klinik Größeres Puppenlager! Sämtliche Puppen=Ersatzteile. Puppenausstattungen, =Schneidereien, =Schuhe, =Strümpfe und =Perücken. Reparaturen werden schnell und billig ausgeführt. Eigene Werkstätte.

Nach den Plänen von Baumeister Wilhelm Huber soll im gemeindlichen Anwesen Oststraße HsNr. 82 (heute Museum) der landwirtschaftliche Teil zu Notwohnungen ausgebaut werden.

Der Gemeinderat läßt den von dem Oberstdorfer Bildhauer Franz Xaver Schmädel im Jahre 1729 geschaffenen Palmesel, der in der Seelenkapelle steht, restaurieren.

Gefängnis bis zu einem Jahr oder Geldstrafen bis zu 100.000,- Mark drohen dem, der ohne Erlaubnis des Kommunalverbandes Rindvieh, Schafe oder Schweine schlachtet, lautet die Verordnung zur Sicherung der Bevölkerung mit Lebensmitteln.

Beim TSV Oberstdorf tritt erstmals eine Turner-Damenriege in Erscheinung.

Der Gemeinderat beschließt die Einführung einer Wohnsteuer für vorübergehenden Aufenthalt in Oberstdorf in Höhe von 10% des täglichen Zimmer- und Wohnungspreises. Für die Steuer haftet der Vermieter. Als Steuerhebestelle wird die Geschäftsstelle des Kur- und Verkehrsvereins bestimmt.

Die an die Ortswehr ausgegeben Schießwaffen werden „seitens unreifer Bengelfür allerlei Unfug missbraucht“, ferner scheinen die Waffen mit Vorliebe für

Hochzeitsfeiern gebraucht zu werden. Der Bürgermeister und der Führer der Ortswehr erinnern daher in einer Bekanntmachung an die Gefährlichkeit des bis zu 3.000m tragenden Militärgewehrs sowie auf straf- und zivilrechtliche Folgen.

Der Skiclub Oberstdorf zählt 350 aktive Mitglieder und gibt für die Saison 1919/20 sein neues Winterprogramm mit Skikursen, Touren, Ausflügen, einem Sprungkurs, Lichtbildvorführungen und der 4. Oberstdorfer Tourenwoche.

In einer Volksbefragung entscheiden sich die Bewohner Coburgs, das zum ehemaligen Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha gehörte, zum Anschluß an den Freistaat Bayern.

Dezember 1919

Durch die „Martin und Johanna Geißler’sche Stiftung mit einem Grundstock von 5.000,- Mark soll künftig der Kauf von Schulbüchern und Heften für arme Kinder unterstützt werden.

Das bisher an die hiesigen Volksschullehrer abgegebene Dienstholz kommt ab 1. Jan. 1920 in Wegfall. Der Lehrerin von Kornau wird jedoch als Entschädigung für reinigen und heizen der Schulräumlichkeiten in Kornau das nötige Brennholz zugewiesen.

Die österreichische Nationalversammlung beschließt die Einführung des achtstündigen Arbeitstages.

Bekanntmachung! Betreff Regelung des Fremdenverkehrs gemäß ministerieller Genehmigung […] für die Zeit vom 15.Dezember bis einschließlich 2. Januar 1920 die Aufenthaltsdauer für Fremde zur Kur oder Erholung auf 14 Tage und
die Beherbergungsziffer auf 50 Prozent festgesetzt. Für die übrige Zeit hat es bei der Einschränkung von 3 Tagen und 10 Prozent bis auf weiteres zu verbleiben. Bezirksamt Müller.

Der Blechmusikgesellschaft wird zur Beschaffung von Musikalien ein Zuschuß aus der Landgemeindekasse bewilligt.

Der kath. Gesellenverein bringt zum Jahresabschluß im Trettachhotel das Volksstück „Die Wiege“ und das Weihnachtsstück „Der Liebe Sieg“ zur Aufführung.

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Verwendete Quellen:

Marktarchiv Oberstdorf
versch. Vereinschroniken
private Aufzeichnungen
Oberstdorfer Gemeinde und Fremdenblatt (ab Oktober)
Archiv der Allgäuer Anzeigeblattes Jg. 1919

Kontakt

Verschönerungsverein Oberstdorf e.V.
1. Vorsitzender
Peter Titzler
Brunnackerweg 5
87561 Oberstdorf
DEUTSCHLAND
Tel. +49 8322 6759

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