Erlebnisse bei der Gassenkuh-Haltung im Oberstdorf der ersten Hälfte der 1960er Jahre

am 15.07.2021

Am 27. Oktober 1951 wurde der Teilungs- und Ablösungsvertrag zwischen der Marktgemeinde Oberstdorf und dem Rechtlerverband Oberstdorf e.V. abgeschlossen. Das Bayrische Staatsministerium des Inneren verlieh am 6. März
1953 dem „Verein der ehemaligen Rechtler der Ortsgemeinde Oberstdorf“ die Rechtsfähigkeit. (siehe »Unser Oberstdorf«, Heft 10, Dezember 1986 Seite 112, »von der Allmende bis zum heutigen„Verein der ehemaligen Rechtler der Ortsgemeinde Oberstdorf“«)

Mit dem Teilungsvertrag ging auch der Grundbesitz der um den Ort liegenden Gassenkuhweiden an den Verein der ehemaligen Rechtler der Ortsgemeinde Oberstdorf über. Die Rechtler führten somit auch die Bewirtschaftung dieser
Kuhweiden weiter. Die Besitzanteile der Rechtler sind nach den alten Hausnummern die vor der Einführung der jetzigen Straßennamen in Oberstdorf gültig waren zugeordnet. Die Rechtler konnten mit dem Besitz eines Rechtleranteiles
jeweils eine Kuh in die Gasse treiben. Die meisten der ausübenden Landwirte unter den Rechtlern nutzten ihr Austreibungsrecht selbst. Um darüber hinaus weitere Kühe in die Gasse treiben zu können, wurden Austreibungsrechte von anderen Rechtlern dazu gepachtet. Einige der Oberstdorfer Landwirte waren zwar nicht im Besitz eines Rechtleranteiles, doch hatten auch sie die Möglichkeit, die von Rechtlermitgliedern nicht genutzte Gassenkuh–Austreibungsrechte anzupachten. So konnten auch „Nicht–Rechtler“, eine oder mehre Milchkühe im Sommer auf die Rechtler-Gassenkuhweide auslassen.

Die Weitergabe der Gassenkuh-Weidenutzungen wurde im Regelfall mündlich und in Abstimmung mit dem Weidmeister der Rechtler vereinbart. Wenn überhaupt eine Pacht für die Weidenutzung verlangt wurde, dann konnten das z.B. 40 Liter Milch für einen Sommer sein.

Die Kühe des unteren und des oberen Marktes wurden und werden auch heute noch auf jeweils eigene Weideflächen getrieben. In den 1960er Jahren nutzten die „Untermärktler“ die Weideflächen in der Meyersoy/Struenoy, im Ried, in der Zimmeroy und früher auch am Burgstall — während die „Obermärktler“ ihre Gassenkühe in die Rubingeroy, auf die Vorderen und Hinteren Halden sowie auf den Kühberg mit dem Ochsenhof ausließen.

Das Vieh wurde während des ganzen Sommers, im Unteren wie im Oberen Markt, jeweils von einem erwachsenen Meisterhirten zusammen mit einem Schüler als Kleinhirten ausgetrieben und gehalten.

Gassenkühe 2

Aufnahme Otto Bader / Archiv Rudolf Schnellbach

Im Sommer der Jahre 1962 und 1963 war ich im Alter von 12 und 13 Jahren beim Verein der ehemaligen Rechtler als Kleinhirte für die Gassenkuh-Haltung im unteren Markt angestellt. Meine Tätigkeit als Hirtenjunge wurde damals von meinem Arbeitgeber, dem Rechtlerverein, auch bei der Rentenversicherung und dem Finanzamt Immenstadt angemeldet. Die aus heutiger Sicht ganz interessanten Lohnsteuer- und Rentenversicherungs-Unterlagen sind vollständig vorhanden.

Der Gassenkuh-Sommer dauerte gute 15 Wochen - von Anfang Juni bis zum MatthäusTag am 21. September. Je nachdem, wie der Sommer war, wurde in den ersten und letzten zwei/drei Wochen des Gassenkuh-Sommers nach dem morgendlichen Melken um 7 Uhr über den Tag ausgetrieben. Um ca. 17 Uhr waren wir mit dem Vieh wieder zurück im Stall. Die längste Zeit jedoch wurden die Kühe nach dem abendlichen Melken um 18 Uhr ausgetrieben.

Nach der nächtlichen Beweidung war das Vieh am nächsten Morgen um ca. 7:30 Uhr wieder daheim im Stall. So waren die Tiere weniger der sommerlichen Tageshitze auf der Weide ausgesetzt. Mit der Schule war vereinbart, daß ich zu dem um 8:00 Uhr beginnenden Unterricht ca. 30 Minuten später kommen konnte.

Warten auf den bevorstehenden Austrieb vor dem Haus von Medardese Max (Max Rohrmoser) in der Weststraße 30 im Sommer 1962

Warten auf den bevorstehenden Austrieb vor dem Haus von Medardese Max (Max Rohrmoser) in der Weststraße 30 im Sommer 1962

Für die außerhalb der Ferienzeit verbleibenden Wochen der Tagbeweidung wurde ich einfacher Weise vom Schulunterricht freigestellt. Mein erwachsener Hirtenkollege im Sommer 1962, Geagls Adolf (Adolf Jäger, der vom Christlessee stammte und inzwischen seinen Wohnsitz in seinem landwirtschaftlichen Anwesen am Karatsbichelweg hatte) meinte dazu: „Wenn de weage deam hocke bliebe dädscht , na dädschde sies öu hocke bliebe.“ (Wenn du wegen dem sitzen bleiben würdest, dann würdest du sonst auch sitzen bleiben.) Die ersten Tage während
der Tagweide nutzte ich auch, um auf der Schalmei das „Khie länd üs“-Spielen zu üben.

Ungefähr 5 bis 10 Minuten vor dem Austreiben habe ich täglich, meist an zwei bis drei Brunnen am Dorfbach: in der Blumengasse, der Küfergasse, der Windgasse oder der Schraudolphstraße - das „Khie länd üs“ auf der Schalmei geblasen. Diese einfache Melodie besteht aus drei Tönen, die einmal lang, danach dreimal kurz und abschließend wieder einmal lang gespielt werden. So wurde auch der letzte Landwirt daran erinnert, sein Vieh jetzt in die Gasse zu treiben.

Mit dem Fahrrad eilte ich von Brunnen zu Brunnen und habe anschließend die Schalmei im Schopf des Anwesens von Hans Köcheler (Londsars Hans) am Anfang der Freibergstraße abgestellt. Als Kleinhirte sollte ich schließlich möglichst
bald vor der Kuhherde sein, um offen stehende Luken und Gartentore zu schließen. So wurde verhindert, daß das hungrige und neugierige Vieh Schäden auf fremden Grundstücken anrichtet.

Auch die anderen Verkehrsteilnehmer wurden von mir als vorausgehender Hirte (wenigstens in minimaler Form) gewarnt: ein mit ein par Reisnägeln an meinem Hirtenstecken befestigter (ausgerollt ca. 30×30cm) großer roter Lappen, war für die übrigen Verkehrsteilnehmer ein scheinbar ausreichender (und einzige) Hinweis, daß wir nun mit einem „Rumpel“ von ca. 90 Stück Milchkühe kommend, die Verkehrsstraße in Beschlag nehmen würden.

Der Viehtrieb führte uns täglich, ziemlich gerade aus über die Freibergstraße und die Meyersoygasse in die Meyersoy-Viehweide. Der Heimweg von der Meyersoy und deren Nachbarweide Struenoy, führte in umgekehrter Straßenfolge zurück ins Dorf. Die Kühe von Londsars Hans in der Freibergstraße (gegenüber des Tennisplatzes) hatten den kürzesten Weg zurück in den Stall. Auf der danach folgenden Kreuzung der West-, Freiberg- und Schraudolphstraße blieb ich stehen.

Das Vieh, das normalerweise seinen Heimweg wußte, habe ich dort eventuell in die richtige Richtung gewiesen. Mitglieder der jeweiligen Bauernfamilien warteten in der Regel in ihrer Seitenstraße oder vor dem Stall, um das Vieh reinzulassen und zu melken. Manchmal kam es vor, daß einzelne Kühe immer schneller wurden und das volle Euter schwenkend heimwärts in Richtung Stall liefen, weil es dort ein schmackhaftes Zusatzfutter gab: eine Miet (Salz mit Kleie vermischt).

Bis zur Viehweide im Ried habe ich die 90 bis 93 Stück Kühe alleine durch die sehr breite Meyersoy an deren oberes Ende weiter getrieben. Die hungrigen Tiere haben dabei in alle Richtungen (ich hatte den Eindruck: am liebsten rückwärts oder seitwärts) gefressen. Die Kühe durch die Weide vorwärts zu treiben war eine ganz schöne „hin und her Springerei“.

An der oberen Luke am östlichen Ende der Meyersoy, wartete mein erwachsener Hirtenkollege und öffnete die Luken-Stangen. Das Vieh haben wir anschließend in das jetzt naheliegende Ried hinüber gelassen. Nur sehr selten trieben wir unser Vieh weiter durch das Ried auf die Weide in der Zimmeroy.

Nachdem das Vieh in der eingezäunten Weide war, hatten wir viel Zeit - und Adolf Jäger rauchte dann seine Zigaretten. Entsprechend meiner finanziellen Lage habe auch ich mir Rauchwaren besorgt: Eine Packung mit 12 Filterzigaretten der Marken „Ernte 23“ oder „Peter Stuyvesant“ kostete 1,00 DM. Es gab auch eine Packung mit 6 Zigaretten für nur 0,60 DM oder auch Pfeifen-Tabak. Am billigsten war aber ein Zehnerstumpen: eine einfache Zigarre für 10 Pfennig.

Meistens kaufte ich meine Rauchwaren beim „Zigarren Walter“ in der Oststraße 5 an der Ecke Metzger-/Oststraße. In Josef Walters Laden roch es immer sehr angenehm nach den besten Tabaksorten. Als 12-Jähriger „Kleinkunde“ wurde
ich von Josef Walter mit seiner sonoren Stimme und seiner gemütlichen Art stets gut beraten und zuvorkommend bedient. Er behandelte mich dabei genauso wie einen zahlungskräftigen erwachsenen Kunden, der in der Lage wäre eine Schachtel voll teurer Zigarren zu kaufen.

Eines Abends kam Karl Heinz Fricke, der Berufsjäger-Kollege meines Vaters, in der Meyersoy vorbei. Er setzte sich für eine Weile zu uns vor die Hütte. Als ich meine Zigarette anzündete, meinte Karl Heinz: „was, rauchen tust du auch schon?“ — Adolf Jäger meinte nur: „a richdiga Hiert, dea reicht“. Später war ich seit meiner Jugend Gelegenheits–Raucher und das habe ich im Alter von Ende vierzig Jahren auch aufgehört.

Ab und zu ging Adolf mit mir durch das auf der Weide zufrieden fressende oder stehend und liegend wiederkäuende Vieh. Die Kühe weideten in meist weit verstreuten einzelnen Gruppen. Dabei haben wir einzelne Tiere näher angeschaut und manchmal in einem ruhigen Ton auch angesprochen.

Adolf konnte mir über ihre Halter oft irgend eine Besonderheit schildern. Im Verhalten der Kühe konnte sich durchaus widerspiegeln wie man mit ihnen daheim umging. Gerne waren wir bei den 3 Kühen von Adlerwirts Albert (Albert Jäger). Eine von diesen Dreien nannten wir auf Grund ihrer Hornstellung „den Gems“. Wenn wir den dunkelbraunen „Gems“ an Kopf oder Hals kraulten, fühlte er sich sichtlich wohl. Auf diesen Rundgängen lernte ich das Vieh und dessen Zuordnung zu dem jeweiligen Halter besser kennen.

Der Stalleingang vom „Adlerwirt“ in der Fuggerstraße um 1910, später wurde dieser 1967 durch den heutigen Hotelanbau ersetzt.

Vom Ried aus haben wir über die grüne Gasse, die Birgsauerstraße, die Lorettostraße am Heimatmuseum vorbei mitten durch’s Dorf über die Oststraße, den
Marktplatz und die Weststraße in den Unteren Markt heim getrieben. Auch als wir in der Zeit der Tagbeweidung vom Ried heim trieben, nahmen wir mit 90 bis
93 Kühen um ca. 17 Uhr diesen Weg über den Marktplatz zurück in den Stall. Die anderen Verkehrsteilnehmer wurden auch dabei nur durch den roten Lappen an meinem Hirtenstock vor dem Eintreffen unserer Herde gewarnt.

Auf dem Heimweg vom Ried durch den Mittelmarkt hatten die beiden Kühe von Franz Boxler Senior den kürzesten Weg in den Stall. Ihr Stall war auf der West-
seite an das Kaufhaus Stachus (heute Sportmarkt) angebaut. Beim Kaufhaus Stachus bei dem die Hauptstraße gegenüber des damaligen Hotel Sonne (heute Bayerische Vereinsbank) in die Weststraße mündet, blieb ich auf dem Straßenab-
zweig stehen, um die Kraftfahrer zu warnen.

Das Vieh nahm ziemlich selbständig seinen Weg Richtung Stall weiter auf der Weststraße. Die im Stachus aufgewachsenen Boxler-Buben: Franz, Anton und Martin - Söhne von Franz Boxler senior, waren damals im Lausbubenalter von ca. 5-9 Jahren. Wenn wir eintrafen, waren die lebhaften Buben meistens auch auf
der Straße, weil sich etwas rührte, wenn die Gassenkühe kamen.

Mit seiner unverkennbaren, vollen Stimme, war Franz Boxler senior Solo-Jodler bei der Oberstdorfer Jodler-Gruppe. Sein Stimmtalent hat er über die damaligen Boxler-Buben bis in die heutige, dritte Generation der Familie weiter geben können

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Hirtenhütte in der Zimmeroy

Immer kurz nach dem Aus- und Eintreiben unserer Kuhherde folgte uns ein gemeindlicher Straßenkehrer mit einem größerem Schubkarren und nahm mit Kehrer und Schaufel die auf der Straße liegenden Kuhfladen auf.

Wir (der erwachsene Hirte und ich als Kleinhirte) waren jeden Tag vom Zeit-
punkt des Austreibens bis zur Heimkehr der Kühe in den Stall ausschließlich
beim Vieh. Während der vielen Wochen der nächtlichen Beweidung schliefen
wir in einer der jeweiligen Weide zugeordneten Hirtenhütte.

Die Hütten waren mit einem (mit Schtroibe) gepolsterten Stockbett ausgestattet. Mein Schlafplatz war immer in der oberen Buugrat (Hüttenbett). Ein kleiner Tisch mit einer kleinen Bank und ein bis zwei Stühlen ergänzten die Hüttenmöblierung. Heizen konnten wir mit einem Kanonenofen.

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Hirtenhütte in der Meyersoy

Die damaligen Hirtenhütten in der Meyersoy und in der Zimmeroy bestehen heute noch. Sie können für die Viehhaltung als Unterstand und als Lager für Zaunpfähle genutzt werden. Die Hütte im Ried wurde mangels Nutzung inzwischen abgebrochen.

Im Sommer 1962 bekam ich pro Woche einen Hirtenlohn in Höhe von 30 DM.
Im darauffolgenden Sommer 1963 wurde ich mit 35 DM pro Woche entlohnt.
Einen Teil des Lohnes habe ich wie damals häufig üblich, daheim abgegeben.

Nach dem ersten Sommer konnte ich mir vom größeren Anteil des Hirtenlohnes beim Fahrrad Dünßer (der Familienvater Hans Dünßer, betrieb damals weitgehend alleine im Haus in der Rechbergstraße 11, Ecke Nebelhornstraße/Rechbergstraße, eine Fahrrad-Werkstatt mit Ladengeschäft) ein neues Fahrrad mit einer Torpedo Dreigang-Nabenschaltung kaufen .

In meinem zweiten Gassenkuh-Sommer 1963 war der aus dem oberbayerischen Grassau stammende und mit seiner Familie in seinem Haus im Steinach wohnende Xaver Noichl (Noichls Xare) mein erwachsener Kollege.

Einer der Söhne von Xaver Noichl war der ausgezeichnete Skifahrer und Skilehrer Schorsch Noichl (Georg Noichl). Der sehr beliebte Schorsch war auch für den Skiunterricht meiner Volksschulklasse zuständig.

Im Winter sind wir ein mal pro Woche am Vormittag (je nach Schneelage zu Fuß, die Skier tragend oder auf den Skiern rutschend) vom Schulhaus zum Karatsbichl gegangen. Dort sind wir mehrmals den Hang neben dem Bügelschlepplift
hinaufgetreten und anschließend nach der Anleitung von Schorsch wieder abgefahren. Zur Mittagszeit waren wir wieder zurück im Dorf.

Schorsch Noichl fuhr damals einen Kneissl–Ski, einen der ersten Ski in Kunststoff–Sandwichbauweise. Im Herbst 1963, wollte Schorsch mir seinen gebrauchten „Spitzenski“ verkaufen, um einen neuen zu erwerben.

Im Oktober passierte jedoch ein sehr tragisches Unglück: Schorsch, der junge Familienvater und erfahrene Kletterer, der gerade die Bergführerprüfung bestanden hatte, stürzte bei einer Bergtour über den Hammerspitzengrat aus unbekannter Ursache ab und verunglückte dabei tödlich.

Stellvertretend für die Schüler der Volksschule war meine Schulklasse Teil der schockierten Trauergesellschaft auf dem Oberstdorfer Friedhof. Am Grab des im Alter von nur 29 Jahren tödlich verunglückten Schorsch Noichl stand seine Frau
Bärbel, Mutter von zwei kleinen Mädchen im Alter von zwei und vierzehn Monaten. Daraufhin habe ich die junge Witwe natürlich nicht mehr nach den Kneissl-Skiern ihres erst kürzlich verstorbenen Mannes fragen können.

Als mein zweiter Gassenkuh-Sommer 1963 vorüber war, konnte ich von meinem Hirtenlohn beim Fidel Huber ein neues Paar Holzski der Marke „Holzner“, Modell „Rasant“ erwerben. Der aus Nesselwang stammende Wagnermeister Fidel
Huber, erkannte die Zeichen der Zeit und baute damals in der Oberen Bahnhofstraße 1 ein sehr gut gehendes Sportgeschäft auf. Die Holzner-Ski waren mit einer Kunststoffsohle und Stahlkanten sowie einer Geze Sicherheitsstrammer-Bindung ausgestattet.

Zur Vervollständigung meiner Ski-Ausrüstung erwarb ich noch beim Schuh Rackl in der Oststraße 24 ein sehr gutes Paar lederne Schnürskischuhe. Im Herbst wurde ich zum Hirtenessen der Rechtler eingeladen. Der Weidmeister, die Alp-meister und die Hirten der Rechtler trafen sich mit dem Rechtlervorstand zu einem gemeinsamen, den Alpsommer abschließenden Abendessen. Das Hirtenessen von 1962 fand im Gasthaus Löwen in der Kirchstraße 1 statt. Im
Herbst 1963 ging es ins Gasthaus Kühberg. Für mich war damals ein Essen in einer Gastwirtschaft etwas ganz Besonderes.

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Bärtese Willi (Wilhelm Berktold, 1923-1966)

Als Weidmeister der Rechtler war damals Wilhelm Berktold (Bärtese Willi) aus der Schrofengasse für die Verwaltung und die Organisation der Gassenkuh-Beweidung des Unteren und oberen Marktes zuständig. Meine Nachfrage bei der
Familie Berktold ergab, daß der leider sehr früh verstorbene vierfache Familienvater über die Zuteilung der Gassenkuhweiden sorgfältig Buch führte. Dankens-
werter Weise, hat mir die Familie sein „Verzeichniß über die Kuhweiden und deren Verpachtung“ für die Jahre 1961 bis 1964 zur Einsicht und Kopie gegeben.

Scan 1 Kopie

Aus seinen Aufzeichnungen ist folgendes ersichtlich:

• Im Jahr 1962 wurden aus dem Unteren Markt insgesamt 93 Kühe von 40 Bauern in die Gasse getrieben. Zusätzlich kamen von Max Menz (Krappberg), den Geschwistern Speiser (Bechar, Loretto), von Franz Schraudolf
(Wießschnurar) und von Heinrich Berktold (Gerschtrubar) zusammen 17 weitere Kühe auf unsere Untermärktler Weide. Dieses zusätzliche Vieh, wurde von den vorgenannten Landwirten selbst zu der jeweils von uns genutzten Weide getrieben und wieder abgeholt.

• Im Jahr 1963 wurden aus dem Unteren Markt insgesamt 90 Gassenkühe von 36 Bauern ausgetrieben. Aus dem Bereich Krappberg bis zur Burgstallsteig kamen in diesem Jahr 20 Kühe von 4 Bauern zum Untermärktler
Vieh dazu.

• Im Jahr 1964 wurden aus dem Unteren Markt noch 85 Kühe von 33 Bauern in die Gasse ausgelassen. Aus dem Bereich Loretto bis zur Burgstallsteig kamen in diesem Jahr 14 Kühe von 4 Bauern dazu.

• 1962 zählte man im Oberen Markt 79 Gassenkühe von 33 Bauern

• 1963 kamen aus dem Oberen Markt 80 Gassenkühe von 32 Bauern

• 1964 wurden im Oberen Markt 73 Kühe von 31 Bauern in die Gasse ausgelassen

Gerade auch über die Zuordnung und Nutzung der einzelnen Rechte, hat damals der Weidmeister Wilhelm Berktold genau Buch geführt wie der nachfolgende Auszug von 1962 belegt:

Berktold Willhelm 27

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