Oberstdorf auf einer Relief-Panoramakarte um 1920
Foto: Archiv Peter Traskalik
• Der Besitzer des Sachsenhauses, Bankier Meyer aus Leipzig, überweist dem Markt 1.000,- Mark als freiwillige Zuwendung, wofür ihm wärmster Dank erboten wird.
• In Paris treffen sich erstmals die Abgeordneten des neugegründeten Völkerbundes.
• Fünf neue Schulbänke, pro Stück für 130,- Mark, fertigt Schreinermeister Max Waibel für die Volksschule an
• Der Gemeinderat wird vom Bezirk befugt bei milcharmer Zeit die Milchkarten für Kinder bis zu 6 Jahren, schwangeren und stillenden Frauen, sowie Kranken mit dem Stempelaufdruck „Vorzugsberechtigt“ zu versehen, daß sie bei den Milchabgabestellen bevorzugt versorgt werden.
• Für die Erstellung des Steigerturmes am Feuerwehrhaus erhält Zimmermeister Josef Fidel Huber 4.393,58 Mark aus der Landgemeindekasse.
• Der Magistratskanzlist Karl Kraus wird vom Gemeinderat ab 13. Januar 1920 als Gemeinde-Assistent mit einem Monatsgehalt von 250,- Mark übernommen.
• Dem Antrag des Krankhausverwalters Albert Dünßer folgend gibt die Gemeinde dem Spenglermeister Georg Mayer den Auftrag für den Küchenherd des Krankenhauses ein neues kupfernes Wasserschiff zu fertigen.
• Eine Schweizer Volksabstimmung entscheidet sich gegen das Wahlrecht für Frauen.
• Die Gemeinde erwirbt von der Mühlenbesitzerswitwe Walburga Koch das Wasser-recht bei Hs.Nr. 7 am Mühlenkanal, um die Wasserkraft für das nun gemeindliche Elektrizitätswerkes zu sichern.
• Der Gemeinderat verbietet weiblichen Personen – ausgenommen beim Sport- das Tragen von Hosen bei Strafandrohung wegen groben Unfuges.
• Der Allgäuer Skiverband ist auf 16 Vereine angewachsen, die Skiklubs Immenstadt, Oberstaufen, Hindelang und Oberstdorf veranstalten erstmals Jugendwettkämpfe.
• Inserat: „Täglich Skikurs! Näheres bei Bergführer Johann Rietzler II, Hs.=Nr. 74“
• Der Hilfsgeistliche der evangelischen Kirche von Sonthofen fährt jeden Mittwoch nach Oberstdorf und erteilt 14 Kinder in der Volksschule Religionsunterricht.
• Mit Lehrer Anton Henkel beginnt eine neue aktive Jugendarbeit im Skiklub.
• Alliierte Heereskontrollkommission verlangt Auflösung der Einwohnerwehren, was letztlich auch Oberstdorf betrifft, aber noch lange nicht befolgt wird.
• Wie schon im Monat Februar mit der Mühlenbesitzerin Koch, so einigte sich die Gemeinde auch mit Altbürgermeister Gschwender beim Ankauf der Wasserrechte entlang dem Anwesen Hs.Nr. 5, dem Trettachhotel.
• Die kath. Kirchenverwaltung und die Gemeinde schließen einen Vertrag mit Hauptlehrer Scheller, der diesen als Organist und Chorleiter in St. Johann Baptist ausweist.
• Auf Grund fehlenden Wohnraumes lehnt die Gemeinde laufend Anträge auf Zuzug nach Oberstdorf ab, das betrifft sogar einen Hausbesitzer, der nicht in sein eigenes Haus einziehen kann.
• Jegliches Anbieten oder der Erwerb von Zentrifugen und Buttermaschinen ist verboten. Es sollen dadurch die Milcherzeuger zur Ablieferung der Milch in den zugelassenen Ernährungskreislauf gezwungen und der Schwarzhandel unterbunden werden.
• Die Deutschen Eisenbahnen gehen aus Länder- in Reichsbesitz über, daneben bestehen Privatbahnen weiter. Die Lokalbahn Sonthofen – Oberstdorf bleibt in privatem Besitz.
• Dem TSV Oberstdorf wird für die Beschaffung eines Turngerätes (Reck) ein Zuschuß von 200,- Mark aus der Landgemeindekasse bewilligt.
• Die Geschäftsstelle des Arbeiter- und Bauernrates schließt laut der Veröffentlichung des Vorsitzenden Johann Haggenmiller am 15. April ihre Pforten.
• Neben den Fahrwegen in die Oberstdorfer Tälern sind innerhalb des Ortes alle Straßen östlich der Metzgerstraße und westlich der Schraudolfstraße für den allgemeinen Verkehr mit Kraftwagen durch distriktspolizeiliche Vorschriften gesperrt.
• Mit dem neuen Reichsfilmgesetz soll auch die Moral in der Branche gehoben werden. Insbesondere erhitzte die teils mangelhafte oder gar fehlende Bekleidung von Damen die Gemüter.
• Die schleichende Inflation macht sich in den steigenden Preisen und den damit verbundenen Lohnforderungen immer mehr bemerkbar. Auch die sich mehrenden Inserate zum Kauf von Grundstücken und Gebäuden deuten auf den Versuch einer sicheren Geldanlage hin.
• Die Grundanlieger der Stillach zwischen der Walser- und der Klingenbrücke werden für Sonntag 9. Mai, 10 Uhr in die Rathauskanzlei geladen, wo es um die Beschlußfassung wegen der Flußkorrektur geht.
• Auf Grund der allgemeinen Teuerung beschließ der Gemeinderat eine 50%ige Erhöhung der Pflegessätze für Privatpatienten im Krankenhaus. Künftig kostet die I. Klasse 30,- und die II. Klasse 25,- Mark per Tag.
• Zur Frühjahrs-Feuerwehr-Hauptübung haben „sämtliche Freiwilligen- und Pflichtmannschaften zu erscheinen“. Feuerwehrpflichtig sind alle männlichen Bewohner „vom zurückgelegten 17. bis zum vollendeten 60.
Lebensjahr. Unentschuldigtes Fernbleiben wird [….] mit Geldstrafe bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft.“
• Inserat: „Frondienstleistung: „Diejenigen, welche das Pflichttagwerk der Jungviehweide noch nicht abgeleistet haben, können dies am Freitag, den 14. Mai bei günstiger Witterung nachholen oder durch Andere ableisten lassen. Äxte und Gabeln sind mitzubringen. Zusammenkunft Früh 7 Uhr beim Löwenkeller. Verpflegung ist mitzubringen. Die Weidmeister“
• Beim dem von der AV-Sektion Allgäu-Kempten ausgerichteten Bergführertag am 16. Mai in Oberstdorf wurde als Nachfolger des Buchhändlers Franz Xaver Volderauer der Feinkostgeschäftsinhaber Josef Brutscher („Delkateß-Brutscher“) zum Bergführerobmann gewählt.
• Volksgericht Kempten: „Der Dienstknecht [….] von Rauhen, der in Tiefenbach ein Kalb gestohlen und geschlachtet hatte, um es zu verkaufen, wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.“
• Wie fast jedes Jahr ist der Wonnemonat auch der meist gewählte Heiratsmonat. Fünfzehn Paare geben sich das Jawort.
• Am Mittwoch dem 2. Juni kommt es im Saal des Gasthofes zum Hirsch zur Neugründung des darniederliegenden Volkstrachtenvereins Oberstdorf nach dem Weltkrieg.
• Inserat: „Restaurant Oytal=Haus. Bei günstiger Witterung findet am Sonntag, den 6. Juni 1920 Eröffnungs=Feier unter Mitwirkung der Oberstdorfer Blechmusik= Kapelle und der Oberstdorfer Schuhplattler statt, wozu freundlichst einladen Otto und Anna Fischer.“ — Damit begann eine Pächterzeit der Familien Otto, Wilhelm und Seppl Fischer bis zum Brand 1957.
• Der gewählte Reichstag der jungen Republik tritt erstmals zusammen.
• Beim Austrieb der Gassenkühe wird durch die Weidmeister noch vermerkt[…], „daß die Kuhweideaustreiber den Hirten der oberen und unteren Kuhherden turnusweise pro Kuh 1 Liter Milch abzugeben haben.“
• Bekanntmachung der Gemeinde: „Der auf den 24. Juni fallende Johanni-Markt wird nicht am Donnerstag, sondern am Sonntag, dem 27. Juni abgehalten.“
• Im Hinblick auf die kommende Sommersaison ermahnt die Gemeinde „Die Gaststätteninhaber werden darauf aufmerksam gemacht, die Polizeistunde (11 Uhr nachts) unter allen Umständen einzuhalten.“
• Die Teuerungsraten steigen laufend. Zu den Preisen, die im Bergführertarif von 1912 festgeschrieben sind, wird nun ein Aufschlag von 350% vom Touristen gefordert.
• Inserat: „Achtung! Oberstdorf. Achtung! Bei der Trettachbrücke ist am Sonntag, den 4. Juli zum letzten Male mein neuerbautes Fliegerkarussel und Schiffschaukel in Betrieb und lade zu recht zahlreicher Benützung höftlichst ein. Der Besitzer Adolf Wiehler. – Eigene Betriebsmaschine! – Feines Konzert-Orchester mit den neuesten Piecen!“
• Ab 7. Juli 1920 wird die Paketzustellung in Oberstdorf mittels Fuhrwerk ausgeführt. Die Paketzustellfahrten erfolgen an Werktagen zweimal, an jenen Sonn- und Feiertagen, an denen ausnahmsweise zuzustellen ist, einmal des Tages.
• Inserat: „Stets frische Alpenrosen und Lechtaler Edelweiß zu haben in der Gärtnerei Kaiserswerth obere Bahnhofstraße 93 1/2.“ Pikant: Auf der gleichen Seite des Blattes ein Aufruf „Schonet die Alpenpflanzen!“
• Das von Anton Merz neuerbaute Kino eröffnet am 18. Juli mit dem Sensations-Drama „Die Katastrophe eines Volkes“ seine Pforten. Der 10 × 22 Meter große Raum mit einer 3 mal 4 Meter großen Leinwand ist von zeitgemäßer bester Ausführung.
• Von mehreren Kuhhaltern, die ihre Kühe vorzeitig auf die gemeindlichen Weiden ausgetrieben haben, wird ein Weidegeld von 10,- Mark eingefordert. Von einigen Bauern werden auch mehr Kühe ausgetrieben als sie Weiderechte haben. Auch sie werden zur Kasse gebeten.
• 65-jährig stirbt am 24. Juli der Schriftsteller Ludwig Ganghofer, der durch eine ganze Reihe von Alpenromanen bekannt wurde.
• Georg Späth’s Bauerntheater bringt im Trettachhotel nacheinander die Stücke „Das vierte Gebot“, „s’Lenerl von Oberammergau“ und „Der heilige Florian“ auf die Bühne.
• Wegen der Maul- und Klauenseuche auf der Entschen- und Gaisalpe wird der Weg vom Nebelhorn zur Gaisalpe polizeilich gesperrt.
• Nur wenige Tage nach dem Tode von Ludwig Ganghofer läuft in den Oberstdorfer Lichtspielen der Film „Der Edelweißkönig“ nach dem Roman von Ganghofer. Der Film war zum Teil unter einheimischer Mitwirkung im Oberstdorfer Rappenseegebiet usw. gedreht worden.
• Von amtlicher Seite wird vor Werbern für die französische Fremdenlegion gewarnt, die es offenbar auf entlassene Kriegsgefangene als Kampferprobte abgesehen haben.
• Zu den VII. Olympischen Sommerspielen in Antwerpen werden deutsche Sportler nicht eingeladen.
• Die immer noch herrschende Not und der Mangel der Nachkriegszeit spiegelt sich auch in den ständig angebotenen getragenen Kleidungsstücken, Schuhen und gebrauchten Gerätschaften wider.
• Das Militär-Konzert durch eine Abteilung der Regiments-Kapelle des 2. Württembg. Schützen-Regiments aus Ulm am Samstagabend im Saal des Hotel Sonne und am Sonntagvormittag das Promenade-Konzert auf dem Markplatz wird groß angekündigt und findet auch riesigen Befall der Gäste und Einheimischen .
• In den Oberstdorfer Lichtspielen läuft als Stummfilm in vier Akten das Lustspiel „Kohlhiesels Töchter“ von Ernst Lubitsch mit dem damaligen Star Henny Porten in der Hauptrolle.
• Die im Ersten Weltkrieg mit Deutschland verbündete Türkei verliert in einem Friedensvertrag 9/10 ihres Landbesitzes an Großbritanien, Frankreich, Italien und Griechenland (von 3 Millionen zurück auf 300.000 Quadratkilometer).
• Im Hinblick auf die innerhalb der 15-Kilometer-Grenze herrschende Maul- und Klauenseuche ist der Viehhandel beim Viehscheid verboten. Der Zutrieb von Vieh ist nur aus den Oberstdorfer Galtalpen gestattet.
• 25 Freiwillige des Gebirgsjägerbataillons in Kempten errichten im Gedenken an die im Krieg gefallenen Kameraden auf dem Hochvogel ein 10 Meter hohes Gipfelkreuz. Die Einweihungsfeier am 19. September wird von der Bataillonskapelle umrahmt.
• Die Ortswehr betreffend: „Bekanntmachung! Diejenigen, die ihre Gewehre noch nicht abgeliefert haben, wollen dieselben bestimmt bis längstens Donnerstag, den 30. September abends 7 Uhr behufs Abstempelung im Schulhause dahier abgeben.“
• Einschränkung des Verbrauches von elektrischem Strom: „[….], daß Motore, Koch- und Heizapparate in den Monaten Oktober, Februar und März nur in der Zeit von vormittags 7 bis abends 5 Uhr, im November, Dezember und Januar von vormittags 8 Uhr bis abends 4 Uhr benützt werden dürfen.“
• Der auf den 4. Oktober treffende Michaeli-Viehmarkt und der für den 16. Oktober fällige Vieh- und Krämermarkt werden aus seuchenpolitischen Gründen nicht abgehalten.
• Die Schäden an Wegen und Geländern durch das Hochwassers von Anfang September in der Breitachklamm sind behoben, so daß die Klamm bis zum Wintereinbruch geöffnet ist.
• Im Stall des Landwirts Anton Jäger in der Freibergstraße ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Über die fragliche Stallung wird Stallsperre verhängt.
• Wie ein roter Faden zieht sich das Thema Kurhaus durch alle Sitzungen der mit dem Fremdenverkehr befaßten Gremien. Nun wurde bei einer Versammlung in der „Sonne“ eine Kurhausplatz-Genossenschaft gegründet.
• Inserat: „200 Mark Belohnung wird demjenigen zugesichert, welcher die acht zurückgebliebenen Schafe auf der Alpe Einödsberg beibringen kann oder über deren Verweilen sachdienliche Mitteilungen erbringt, daß die Schafe sicher eingeholt werden können. […] Der Schafweideausschuß“
• Daniel Abler aus Hirschegg, der seit dem 2.Juni 1915 als vermißt galt, kehrt aus russischer Kriegsgefangenschaft heim.
• „Kurhaus Oberstdorf eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftung“ lautet der Registereintrag für die Gruppierung der Kurhausverfechter.
• Zusammen mit den Schützenbrüdern zieht die Einwohnerwehr unter dem klingendem Spiel der Blechmusik durch den Ort zum Schießplatz. Am folgenden Preisschießen nehmen 155 Schützen aus allen Kreisen der Bevölkerung teil.
• Gemeinderat Johann Haggenmiller, der den Arbeiter- und Bauernrat vertrat, zieht von Oberstdorf weg und gibt somit sein Mandat auf. Der Gemeinderat bedankte sich bei dem Scheidenden für sein tatkräftiges Wirken.
• In der Nacht vom 28. Zum 29. November wird in die kath. Pfarrkirche eingebrochen und der Tabernakel aufgebrochen. Neben den Kelchen werden auch weitere Gegenstände aus dem kirchlichen Leben entwendet. Der Materialwert ist nicht von großer Bedeutung aber die Wiederbeschaffung könnte teuer werden.
• Kurz vor dem Druck der Zeitungsausgabe vom 1. Dezember kommt über die hiesige Gendarmerie die erfreuliche Nachricht, daß die Täter in Stuttgart gefaßt sind und das Diebesgut sicherstellt ist. Die beiden Einbrecher waren nur Tage zuvor aus dem Gefängnis Sonthofen entlassen worden.
• Der Völkerbund nimmt Österreich als Mitglied auf, Deutschland ist noch in der „Warteschleife“.
• Aus der Dekan Frey’schen Stiftung wird das „große Stipendium“ für das Jahr 1920/21 dem Schüler Alfons Vogler (dem späteren Arzt Dr.Vogler) zugesprochen.
• Die NSDAP erwirbt in München den „Völkischen Beobachter“ und den Eher Verlag.
• Die Beförderung von Wintersportgeräten als Gepäck und Expreßgut, sowie deren Mitnahme als Handgepäck in der 3. und 4. Klasse der Personenzüge ist im kommenden Winter auf den Reichseisenbahnen wieder zugelassen. Die Mitnahme in der 1. und 2. Wagenklasse, sowie in den Schnellzügen bleibt ausgeschlossen.
• Inserat: „Nach vielen Jahren neue holländische Heringe zu haben. KonsumvVerein“
• Inserat: „Stiefel, gebrauchte sog. Inf.-Stiefel verkauft für Mk. 40 pro Paar Josef Huber, Schuhgeschäft, Pfarrstraße 141.“
• Die Ortschaft Jauchen beabsichtigt ihre in Holzdeichen gelegte Quellwasserleitung nunmehr durch galvanisierte Eisenrohre zu ersetzten.
• Mit Turnvorführungen und dem Theaterstück „Die Schublade“ im Trettachhotel macht der TSV auf sein Problem, die immer noch fehlende Turnhalle, aufmerksam.
• Der in Oberstdorf auf den 24. Dezember treffende Weihnachtsmarkt wird auf Grund der herrschenden Viehseuche nicht abgehalten.
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Verwendete Quellen:
• Marktarchiv Oberstdorf
• Oberstdorfer Gemeinde und Fremdenblatt
• verschiedene Vereinschroniken
• private Aufzeichnungen