Oberstdorf vor 50 Jahren

am 15.12.2021
Januar 1970

Bei den Deutschen Meisterschaften im Eiskunstlauf beweist der EC Oberstdorf vier Tage lang, dass Oberstdorf ein würdiger Meisterschaftsort und optimaler Standort für das geplante Leistungszentrum ist.

Nach einem relativ kurzen "Behördenweg" steht das Projekt Fellhornbahn in den Startlöchern. Auch die Bedenken des Naturschutzes wurden durch einen Kompromiss beigelegt: ein Lift zum Schlappoldkopf wurde ausgeklammert und die
Schaffung eines Naturschutzgebietes zugesagt.

Die Kurverwaltung freut sich über einen neuen Übernachtungs-Rekord im Vor- jahr: 122.015 Ankünfte und 1.515.815 Übernachtungen wurden registriert.

Das Oberstdorfer Standesamt veröffentlicht eine Statistik der häufigsten Vornamen: Christine (9), Sabine (8), Susanne (7), Andrea (7) und Claudia (4) waren die häufigsten Mädchennamen und Michael (17), Andreas (12), Stefan (9) und
Thomas (6) die häufigsten Vornamen der Buben.

Die Absicht des Bayerischen Landessportverbandes, das Eissport-Leistungszentrum entgegen des Beschlusses der Deutschen Eislaufunion (DEU) in München-Grünwald zu errichten, stößt in Oberstdorf auf Unverständnis.

Die Partnerschaft zwischen Oberstdorf und Megève wird bei einem Besuch der 78köpfigen Oberstdorfer Delegation in Megève bei einer Feier unter Mitwirkung der Trachtengruppen und der Musikkapelle im "Palais des Sports" eindrucksvoll besiegelt. Für Bürgermeister Le Bescond ist es "Liebe auf den ersten Blick" zwischen den beiden Gemeinden.

Eine weitere Parallele zwischen Oberstdorf und Megève wurde am Rande der Partnerschaftsfeier bekannt. Die katholischen Pfarrkirchen der Partnerorte sind beide "Johannes dem Täufer" bzw. "Jean Baptiste" geweiht.

Das Hotel Filser erweitert sich zum Kurhotel unter der ständigen Leitung von Badearzt Dr. med. H. Hildmann.

Die Curling-Mannschaft des Eissportclubs Oberstdorf (Ernst Hege, Manfred Räderer, Peter und Hansjörg Jacoby) holt den deutschen Meistertitel und wird die Bundesrepublik bei den Weltmeisterschaften in Utica/USA vertreten

Im kürzlich eröffnetem "co op" Supermarkt Ecke Walser- und Fellhornstraße wird nun auch ein Selbstbdienungsrestaurant mit 150 Sitzplätzen eröffnet.

Februar 1970

Das "Cafe am Markt" mit 160 Sitzplätzen und einer eigenen Konditorei wurde im Erdgeschoss des Hotels Mohren eröffnet.

Am Samstag, 14. Februar wurde der neugebaute Schrattenwanglift durch den Vorsitzenden der Kur- und Verkehrsbetriebe AG Heinz Bechtel offiziell eingeweiht.

Der langjährige Gemeinderat und ehem. 2. Bürgermeister Walter Böhle (geb. 14.02.1895) feiert seinen 75 Geburtstag. Als Baureferent sorgte er wesentlich für den Neubau der Oberrealschule, als Krankenhausreferent sorgte er trotz großer persönlicher Risiken für eine Modernisierung des Oberstdorfer Krankenhauses, als Kulturreferent sorgte er für die besondere kulturelle Note in Oberstdorf u.A. mit der Gründung der Theatergemeinde.

Der Kurbeitrag wird für die Hauptsaison in der Kurzone I von 0,80 DM auf 1,00 DM, in der Kurzone II von 0,50 DM auf 0,70 DM und in der Kurzone III von 0,30 DM auf 0,50 DM erhöht. In den Übergangszeiten vom 01.04.-21.05. und
01.10 bis 20.12. gelten Ermässigungen in der Zone I um 0,30 DM, in Zone II um 0,20 DM und in Zone III um 0,10 DM. Bisher musste der Kuretat mit 200.000 bis 300.000 DM aus dem öffentlichen Etat gestützt werden.

Der Gemeinderat lobt einen Architektenwettbewerb aus um die Alternativen der beiden diskutierten Standorte im Oybele und im Kurzentrum mit Planungen und Modellen zu veranschaulichen. Für die ersten drei Plätze werden Preise in Höhe von 5000, 3000 und 2000 DM ausgeschrieben, jedoch ohne Abnahmepflicht.

Die neue Doppelturnhalle am Gymnasium wird während einer Feierstunde eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben. Die Basketballer des TSV Oberstdorf können ebenfalls in die neue Sporthalle einziehen.

Nach ergiebigen Schneefällen ging am 24.02.1970 an der Seealpe eine überdimensionale Lawine nieder, riss eine der
ausgedienten alten Gondeln mit und richtete erheblichen Schaden an der Verkleidung des Stationsgebäudes der
Mittelstation an. Drei Bedienstete der Bahn konnten glücklicherweise unversehrt aus den Schneemassen gegraben
werden.

Das Skiwandern, eine neue Disziplin im Skisport führt zur Anlage von ADAC-Skiwanderwegen in die Täler von Oberstdorf und der Gründung einer Skiwanderschule.

Gondel
März 1970

„Auf dem Richterturm der Skiflugschanze in der Zimmeroy wird ein Platz freibleiben. Heini Klopfer wird nach seinem plötzlichem Tod im Alter von nur 50. Jahren im November 1969 nicht mehr "Schanze frei!" rufen. Ein anderer wird übernehmen, doch die Lücke wird merkbar sein. Und dennoch: Er wird da sein, in Erinnerung aller...“

Unter einem unglücklichen Stern stand die 9. Internationale Ski-Flugwoche. Ungünstige Wetterbedingungen mit schlechter Sicht aber auch einige Stürze mit schweren Verletzungen zwangen die Verantwortlichen zweimal zum Abbruch. Trotzdem sahen etwa 45.000 Zuschauer den 36 Springern begeistert zu.

In Gruben wurde der Neubau des "Hotel-Cafe Gruben" von Familie Heinrich und Hildegard Müller fertig gestellt und eröffnet. Das neue Gebäude mit Restaurant und Schwimmbad, welches unter der Planung und Bauleitung von Dipl. Ing. und Architekt Joachim Killer entstand, fügt sich trotz moderner Architektur harmonisch in die Landschaft ein.

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Im Alter von 84 Jahren stirbt Anna Freifrau von Heyl zu Herrnsheim (*5.9.1885 als Anna Riedesel Freiin zu Eisenbach, † 19.3.1970 in Schlitz). Als Ehefrau (Heirat Darmstadt 7.7.1917) und Erbin von Maximilian Otto Rudolf Cornelius Freiherr Heyl zu Herrnsheim (*22.1.1884 Worms, † 31.3.1952 Rennhof bei Lampertheim), dem Sohne von Cornelius Wilhelm Heyl, ab 1886 Freiherr von Heyl zu Herrnsheim, Dr. h.c. (*10. Februar 1843 in Worms; † 25. September 1923 in Berg SG, Lederindustrieller, Reichstagsabgeordneter, Mitglied und Präsident der hessischen Abgeordneten-Kammer, welcher 1896 die Gerstrubener Jagd und umliegenden Alpbesitz als Jagdrevier mit 2600 Hektar erwarb) verkaufte sie diesen Besitz 1953 an den Verein der Rechtler, der ihn damit für die nachfolgenden Generationen sicherte.

Graf Christoph Vojkffy (* 29. November 1879), bekannt durch seine Ausgrabungen im Oberstdorfer Gebiet seit 1935, stirbt am 18. März im vorgerücktem Alter von 91 Jahren.

Vojkkfy

Im Jahresbericht des Vorjahres der Kurverwaltung Oberstdorf finden sich interessante Zahlen: so wurden 65.000 DM alleine für Anzeigen ausgegeben, 1500 Reisebüros und weitere Privatperson mit 78.000 Grundprospekten Sommer und 63.000 Grundprospekten Winter versorgt, das Gästezimmerverzeichnis mit 70.000 Stück Auflage herausgegeben, 3000 Plakate versandt und 7921 Wanderkarten verkauft.

Bei der Trophäenschau der Kreisgruppe Sonthofen des Jagdschutz- und Jägerverbandes in Oberstdorf wurde Revieroberjäger Max Schraudolf aus Oberstdorf zum Wildmeister ernannt.

April 1970

Am Donnerstag, den 16. April trifft eine 130köpfige Delegation aus Megève mit Bürgermeister Gilbert Le Bescond an der Spitze in Oberstdorf ein. Ein Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks filmt die Ankunft sogar für einen Fernsehbeitrag. Oberstdorfer Taxiunternehmen stellten sich geschlossen in den Dienst der Partnerschaft und transportierten die Gäste kostenlos in ihre Unterkünfte.

Zum Internationalen Oberstdorfer Curlingtournier begrüßt der ECO über 100 Teilnehmer.

Pfarrer Krumbacher kann am "Weißen Sonntag" mit 104 Erstkommunikanten (53 Buben und 51 Mädchen) vom Johannisheim zur Kirche ziehen.

Das Anwesen Käufler in der Oststraße 9 - das damals älteste (vermutlich 1615 gebaut laut Inschrift "Melcher Jerg Unger 1615" neben der Treppe) datierte Bauernhaus Oberstdorfs fiel nun endgültig der Spitzhacke zum Opfer. An seiner Stelle soll jetzt ein modernes Wohn- und Geschäftshaus entstehen.

Der Oberstdorfer Gebirgstrachten- und Heimatschutzverein ist mit seinen fast 800 Mitgliedern zum größten Trachtenverein der Bundesrepublik geworden und ist der einzige Verein der über ein eigenes Vereinsheim (Oybele) verfügen kann.

Anwesen

Das Anwesen Käufler in der Oststraße 9

Mai 1970

Der Marktgemeinderat genehmigt einen Etat über 14 Millionen DM, dabei stehen 2,9 Millionen für Investitionen (506.000 Grunderwerb Hauptschule, 305.000 für Neubau von Straßen, Parkplätzen und Brücken, 200.000 für Straßengrunderwerb, 180.000 für Erweiterung des Kanalnetzes, 187.000 für Kapitalerhöhung der Kurbetriebe und 117.000 für die Neuanschaffung eines Müllwagens usw.) zur Verfügung.

Der Oberstdorfer Reptilienzoo feiert am 8. Mai den 10. Geburtstag. Fritz Uekermann, der Chef des Zoos, feiert übrigens am selben Tag seinen 70. Geburtstag.

Am 19. Mai wird im neuen Gewand die erste Ausgabe der "Oberstdorfer Woche" erscheinen und die bisherige "Oberstdorfer Kurzeitung" künftig mit 35 statt 28 Ausgaben pro Jahr ablösen. Ausgabe kostenlos gegen Vorlage der Kurkarte.

Nach 22jähriger ehrenamtlicher Tätigkeit als Gemeinderat nahm der 68jährige Schneidermeister Josef Schraudolph (SPD) aus Altersgründen Abschied aus dem Plenum. Der Kaufmann Max Schraudolf rückte nach.

Bundespräsident Heinemann hat dem langjährigen Holzwart des Marktes Oberstdorf und Rechtlervorstand Anton Berktold das Bundesverdienstkreuz am Bande in Anerkennung seiner Verdienste um die Öffentlichket und die Belange
des Marktes Oberstdorf verliehen.

Juni 1970

Ganz im Sinne der Bewegungstherapie ist die von der Kurverwaltung neu erdachte "Fröhliche Parkett-Kur". In Zusammenarbeit mit einer Tanzschule veranstaltet man für die Kurgäste einmal im Monat nicht nur einen vergnüglichen
Abend, sondern sorgt ganz nebenbei für sportliche Betätigung.

Verein der Hundefreunde Oberstdorf wird erstmals Sieger im Städtevergleichskampf, der schon seit vier Jahren in Oberstdorf ausgetragen wird.

In einer Festsitzung des Marktgemeinderats wird der Buchdruckereibesitzer Karl Hofmann für seine besonderen Verdienste um die Entwicklung des Kurortes Oberstdorf zum Ehrenbürger ernannt. Außerdem erhalten Walter
Böhle und Anton Berktold für ihre besonderen Verdienste für den Markt Oberstdorf eine Bürgermedaille.

Beim Brand der Hütte am Minigolfplatz am Mühlenweg entstand 20.000 DM Sachschaden. Die Kriminalaußenstelle Kempten vermutet, dass Einbrecher auf der Suche nach Bargeld in die Holzhütte eindrangen und das Feuer legten. Die Besitzer haben für Hinweise 1000 Mark Belohung ausgesetzt.

25 Bergwachtmänner bekamen bei einer atemberaubenden Übung in der Himmelhorn-Südwand und am Ostgrat der Höfats prominente Zuschauer aus der Luft: Landrat Rössert und Landrat a.D. Ditterich, Kreisverwaltungsdirektor Dr.
Schauer, Oberstdorfs Bürgermeister Dr. Dreher und Geiger sowie weitere Gemeinderäte und Bereitschaftsleiter der Bergwacht stiegen mit einer Maschine des Transportgeschwaders 64 aus Landsberg zunächst zum Älpeesattel auf, um die Bergung an der Höfats zu beobachten und dann weiter zum verschneiten Wildenfeld, von wo aus die dramatische Rettungsübung in der Himmelhorn-Südwand beobachtet wurde.

Die Marktgemeinde erwirbt die Königsäcker, eine Fläche von 11.000qm an der Ludwig- bzw. Promenadenstraße zum Bau von Hallenbad und Kurpark. Der Markt dankt den beteiligten Vertretern des Königshauses: IHK Wiltrud Herzogin
von Urach, Gräfin von Württemberg (86) und Graf Konstantin von Waldburg- Zeil für die preisgünstige Abtretung und rasche Abwicklung. Für die Finanzierung des Gesamtkaufpreises von 2 Millionen DM nimmt die Gemeinde ein Dar-
lehen in Höhe von 900.000 Mark auf, 500.000 Mark können aus dem Haushalt bereitgestellt werden und die restlichen 600.000 DM sollen aus einem Staatszuschuss gedeckt werden.

Auszeichnung

Von links: Anton Berktold, Walter Böhle, Bürgermeister Dreher, Karl Hofmann, unten: Frau Berktold, Frau Böhle und
Frau Hofmann

Juli 1970

Das neue Hallenbad soll als Brandungsbad mit einer Beckenlänge von 34 Metern und einer Breite von 12,5 Metern gestaltet werden. Mit einem Baubeginn wird noch im selben Jahr gerechnet. Die verbleibende Grundstücksfläche von etwa 8500 qm soll als Kurpark ausgestaltet werden.

Der lange und schneereiche Winter hat im Alpengebiet viele Schäden verursacht deren Umfang erst jetzt zu Tage tritt: Vom Seilhenker löste sich während des Winters eine 300m breite und 400m lange Steinlawine, die sowohl den Fahrweg zur Käse- und Gutenalpe als auch den Oybach verschüttete. Auf der Gutenalpe wurde nicht nur die
Brücke über den Oybach zerstört, sondern auch die vor wenigen Jahren neu gebaute Hofhütte durch eine Schneelawine beschädigt. Mit schwerem Räumgeräten musste der Fahrweg geräumt werden, damit das Vieh ausgetrieben werden konnte.

Zahlen von der Grundschule Oberstdorf nach dem ersten Jahr seit der Schulneugliederung: 560 Schüler besuchen insgesamt 15 Klassen, zwei der Klassen sind in Tiefenbach untergebracht. Die sog. "Koedukation", also der gemeinsame Unterricht von Buben und Mädchen hat sich im vergangenen Schuljahr gut bewährt. Für das nächste Schuljahr liegen Anmeldungen von 65 Mädchen und 49 Buben vor.

Die Feuerwehr kauft aus eigenen Mitteln ein Notstromaggregat mit Flutscheinwerfern und Trennschleifern, um an Brandstellen oder anderen Unglücksstellen gewappnet zu sein.

Die Fellhornbahn GmbH wird im Handelsregister beim Amtsgericht in Kempten als Tochtergesellschaft der Allgemeinen Lokalbahn- und Kraftwerke A.G. (Alloka) eingetragen. Die „Alloka“ besitzt übrigens fast alle Anteile am Grundkapital
der Zugspitzbahn.

Der Elternbeirat der Oberstdorfer Grundschule hat sich gegen die neue Ferienordnung des beginnenden Schuljahres ausgesprochen und möchte dem Bayerischen Kultusminister vorschlagen bei Kürzung der Sommerferien auf fünf
Wochen die Herbstferien einzuführen, damit Eltern, die im gesamten südbayerischen Raum im Fremdenverkehrsgewerbe tätig sind, auch einmal mit ihren Kinder zusammen Ferien verbringen können. Der Kultusminister hatte bislang eine derartige Regelung abgelehnt.

Vorerst zum letzten mal fährt eine Dampflokomotive auf der Bahnstrecke von Sonthofen nach Oberstdorf.

Der Schützenverein kann die erste elektronische Teilermaschine anschaffen. Werner Beranek wird Gaujugendschützenkönig.

August 1970

Schön spielen lässt es sich auf dem von der Marktgemeinde neu angelegten Kinderspielplatz am Faltenbach. Wippen, Schaukeln, Rutschen, mehrere Sandkästen, eine kleine Eisenbahn und eine betonierte Autorennbahn mit elektrischen
Minifahrzeugen machen den Platz zu einem echten Kinderparadies.

Der Oberstdorfer Eisstock- und Curlingclub veranstaltet den "Heini Klopfer Gedächtnismarsch", eine Wanderung mit 12km Länge rund um die Skiflugschanze in Erinnerung an Heini Klopfer. Jeder Teilnehmer, der den Wendepunkt und das Ziel passiert, erhält eine kunstvoll gestaltete Medaille.

Beim Hochwasser am 10. August 1970 ist die Freiwillige Feuerwehr Oberstdorf mit 80 Mann in einem Großeinsatz für 22 Stunden. Im gesamten Gemeindebereich wird an mehr an 20 Stellen verbaut und ausgepumpt.

Wegen des Übertritts der Gemeinderäte Filser und Göttle von der FDP zur Freien Wählerschaft wurde eine völlige Neubesetzung der gemeindlichen Ausschüsse notwendig. Durch das Erstarken der Freie-Wähler Fraktion haben sich die Relationen zu Ungunsten der CSU verschoben. In vier Ausschüssen kam außerdem die SPD durch Losentscheid zu zusätzlichen Sitzen.

Das Sommernachtsfest im Kurpark lockt zahlreiche Besucher bei festlicher Beleuchtung zu einem bunten Programm auf der Bühne des Musikpavillons und auf der Tanzfläche davor. Mitwirkende: "Bentley-Sisters" aus Holland, Tanzkapelle "White Cats", der Männergesangsverein Oberstdorf sowie das Kurorchester.

In der Luitpoldstraße 2 eröffnet die "Kleine Galerie" mit einer Ausstellung der Malerin und Mit-Initiatorin Lieselotte Müller-Henze.

Die Kapelle St. Anna im Rohrmoos, die vermutlich älteste Holzkirche Deutschlands, wurde rechtzeitig zur Feier ihres 400. Geburtstags des Gotteshauses von der Familie Waldburg-Wolfegg restauriert. Dabei wurden die Fensterstöcke ausgewechselt und das Gebäude mit einer neuen Verschindelung versehen. Im Innern sorgte der freischaffende Restaurator Toni Mayer aus Mindelheim in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege für die Erneue-
rung und Haltbarmachung der Holzmalerei im innern der Kirche.

Rohrmoos-restauration
September 1970

Insgesamt 22 Anlieger der Stillachstraße haben sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen und sich im gleichlautenden Schreiben an Marktgemeinde, Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt mit der Bitte gewandt,
unverzüglich Maßnahmen zur Beseitigung der Hochwassergefahr in diesem Gebiet zu ergreifen.

Interessante Zahlen von der 20. ordentlichen Hauptversammlung der Kur- und Verkehrsbetriebe AG: Die Söllereckbahn war im vergangenen Geschäftsjahr 242 Tage im Betrieb, hat 239.572 Personen hinauf und 42.471 ins Tal befördert, am
Schrattenwang- und Ochsenhöflelift wurden 137.806 Personen befördert, der Gesamtumsatz lag bei 546.814 DM. Die Frequenz der Kuranwendungen im Kurmittelhaus lag bei 91.123.

Beim Oberstdorfer Scheid kehren 750 Rinder von insgesamt 5 Alpen zurück. Mit Begeisterung war bei diesem Viehscheid auch eine Gruppe aus Megève dabei.

Rund 300 Meteorologen aus 13 Nationen treffen sich unter der Obhut des Deutschen Wetterdienstes zur 11. Tagung für Alpen-Klimatologie zu Fragen des Gebirgsklimas, Gletscher- und Lawinenkunde in Oberstdorf.

Das Edmund Probst Haus am Nebelhorn begeht den 80. Geburtstag. Die Errichtung des Hauses bis zur Einweihung in 1890 kostete damals 13611 Mark, weitere 2250 Mark wurden für die Einrichtung investiert. Im ersten Bergsommer wurden bereits 1086 Übernachtungen verzeichnet, während zur gleichen Zeit Oberstdorf insgesamt nur 1500 Gäste beherbergte. Bereits zehn Jahre nach der Einweihung musste da Haus für 8500 Mark erweitert werden. Das Haus verfügt nun über eine Zentralheizung und 44 Betten sowie 78 Matratzen.

Das Christliche Hospiz von Famile Schüle wurde durch einen Anbau mit einem neuen Speiseraum und vier Einzel- und 20 Doppelzimmern erweitert.

Der optisch markante Fernschnelltriebwagen "Inter-City" der Bundesbahn fährt im Rahmen einer Sonderfahrt aus dem Rhein-Main-Gebiet erstmals in den Bahnhof Oberstdorf ein. Schwierigkeiten gibt es nur beim Auftanken:
die Dieselöl-Zuleitungen passen nicht auf die Tankstutzen des Triebwagens - ein Problem welches die Oberstdorfer Bahnbediensteten jedoch erfolgreich lösen konnten.

Die Sektion Kempten-Allgäu der DAV beginnt auf der 1891 errichteten Kemptener Hütte mit dem fünften Erweiterungsbau der Hüttengeschichte. Mit einem Kostenaufwand von 554.000 DM wird die Hütte vollkommen renoviert und wesentlich erweitert. Neben neuen Küchen- und Gasträumen und Sanitäranlagen wird die Kapazität auf 130 Betten und 100 Matratzen steigen. Rund 200 Tonnen an Baustoffen und Geräten werden mit der Materialseilbahn hinauf befördert und mit Haflinger-Pferden zur Hütte. Lediglich die Deckenelemente mit einem Stückgewicht von 700kg werden mit dem Hubschrauber befördert.

Die Nebelhornbahn AG verkauft ihre Kur AG Aktien an die Marktgemeinde.

Oktober 1970

Adalbert Blanz übergibt nach 15jähriger Tätigkeit sein Amt als 1. Vorsitzender der Musikkapelle Oberstdorf e.V an Hans Bartl.

Mit dem Beginn der Wintersaison startet erstmals der "Skipass Oberallgäu/Kleinwalsertal". Nach jahrelangen erfolglosen Versuchen hat es nun unter der Federführung der Oberstdorfer Kurverwaltung geklappt und dem Skifahrer stehen 10 Bergbahnen und 80 Skilifte zur Verfügung.

Früherer Kreisarchivpfleger und Gymnasialprofessor a.D. Werner Grundman aus Oberstdorf wurde für langjährige uneigennützige Tätigkeit auf dem Gebiet der Archivpflege und historischen Publizistik im Landkreis Sonthofen mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes geehrt.

Die Genehmigung des Raumordnungsverfahrens für die neue Fellhornbahn wird für Herbst erwartet. Unmittelbar danach will die Fellhornbahn GmbH eine Bau-und Betriebsgenehmigung beantragen. Die geplanten Investitionskosten in Höhe von 14 Millionen Mark sind bereits gesichert.

Das Oberstdorfer Schanzengelände am Schattenberg wird erweitert und umgebaut. So entsteht auf der rechten Seite
eine neue Mattenschanze und der Anstieg zum Turm wird entschärft, indem er auf die linke Seite des Aufsprunghanges verlegt wird.

Um den Bau eines größeren Kursaales zu ermöglichen beschließt die Mitgliederversammlung des Verschönerungs-
vereins von dem Bezugsrecht in Höhe von 385 000 DM Gebrauch zu machen und sich an der Kapitalerhöhung der
Kur- und Verkehrsbetriebe AG zu beteiligen

Schanze
November 1970

In Oberstdorf sind 6363 Personen für die Landtags- und Bezirkswahl wahlberechtigt. Das Wahlalter wurde am 18.06.1970 auf 18 Jahre herabgesetzt.

Der Gemeinderat gibt beim Oberstdorfer Maler und Bildhauer Walter Kalot das Fresko für den Ostgiebel des alten Rathauses in Auftrag. Der Künstler hatte schon vor einigen Jahren einen Entwurf vorgelegt, die Motive (Einfall der
Schweden und der große Brand) erschienen den Ausschussmitgliedern aber zu martialisch und sie lehnten diese ab. Der Künstler wurde mit einem weiteren Entwurf (Verleihung des Marktrechts und Erschließung durch Eisenbahn) beauf-
tragt, der nun eine breite Zustimmung fand. Nur über die Spruchbänder zu den Fresken konnten sich die Ratsmitglieder nicht einigen.

Das Postamt Oberstdorf folgt dem Trend der Zeit und installiert auch eine Leuchtschrift am Hauseingang.

Aufgrund von bedauerlichen Vorfällen beim Klausentreiben im Vorjahr wurde von den Vertretern der Gemeinde, des Trachtenvereins und der Landpolizei entschieden in diesem Jahr die Klausen mit Nummern zu kennzeichnen.
Die Gründerin vom "Hohen Licht", Frau Henriette Laman Trip de Beaufort feierte auf ihrem Landsitz "Beukenhof" in Holland ihren 80. Geburtstag im Kreis von 120 Personen und verbrachte danach im Haus der früheren Oberin vom
Hohen Licht, Frau Dabelstein im Öschlesweg ihren Urlaub. Am 13.10.1890 wurde sie als Tochter des früheren Bürgermeisters von Den Haag geboren, studierte an der Universität von Utrecht und heiratete 1914 den Arnheimer Rechtsanwalt Herman Laman Trip. Sie erbaute mit Hilfe einer Erbschaft in den Jahren 1922/23 das "Hohe Licht" in Oberstdorf, eine Einrichtung, die dann 33 Jahre lang mit hervorragendem Ruf der Jugend aller Länder diente. Sie entwickelte auch ein großes schriftstellerisches Talent und bereicherte die holländische Literatur mit einer Reihe bekannter Bücher.

Beaufort
Dezember 1970

Erstmals werden in Oberstdorf Kurzparkzonen ausgewiesen, die nur mit einer Parkscheibe benutzt werden dürfen. Zunächst geht es um die Parkplätze links der Einfahrt zur Post und an der Taxizentrale. Auf diese Weise soll den zahlreichen Dauerparkern auf diesen begehrten Stellflächen das Handwerk gelegt werden.

Im Alter von 87 Jahren stirbt der Café- und Konditoreibesitzer Gustav Stempfle. Er gründete 1909 nach einer Fachausbildung in Basel, Hamburg und Pyrmont sein Geschäft in Oberstdorf und führte es über beide Weltkriege sicher hinweg und baute es nach und nach aus, um den wachsenden Anforderungen des Fremdenverkehrs gerecht zu werden. Er war Mitbegründer des Skiclubs und dessen Ehrenmitglied.

Weil die Gewerbesteuereinnahmen im laufenden Jahr wegen der Steuerreform sehr stark (um rund 400.000 DM) zurückgegangen sind ist der Gemeinderat gezwungen, einen Nachtragshaushalt aufzustellen.

Der Markt Oberstdorf beschliesst die Anschaffung des ersten Computers der Firma NCR aus Augsburg, der zunächst in der Kurverwaltung zu statistischen Zwecken zum Einsatz kommen soll. Aber auch die Gemeindeverwaltung soll bald
danach Daten, vornehmlich aus dem Einwohnermeldeamt, im Computer speichern.

Die neue Vermittlungsstelle der Bundespost im Steinach feiert Richtfest. Weil die bisherige Fernsprecher Ortsvermittlungsstelle im Postamt hoffnungslos überfüllt und nicht mehr ausbaufähig ist und der Bedarf an neuen Telefonanschlüssen weiter steigt, wurde ein Neubau notwendig. Das Gebäude wird aus Beton-Fertigteilen
errichtet und kostet rund 900.000 Mark. Bis die gesamte technische Einrichtung im Wert von 2 Millionen Mark installiert ist, werden noch zwei Jahre vergehen. Insgesamt können dann 9000 Anschlüsse bedient werden, in 1970 sind 2250 in
Verwendung.

Der Oberstdorfer Gebirgstrachten und Heimatschutzverein wählt bei seiner Generalversammlung Sepp Schleich erneut zum Vorsitzenden. Der Verein mit 723 Mitgliedern stemmte im Laufe des Jahres 24 vereinseigene Veranstaltungen, darunter 6 Aufführungen des "Wilde Männle Tanzes". Insgesamt wurden 22.180 zahlende Gäste begrüßt, davon 5.243 beim Wilde-Männle-Tanz. Besonders hervorzuheben sind zwei 50-minütige Sendungen, die der ZDF im Zusammenarbeit mit dem Verein aufgezeichnet und ausgestrahlt hat, deren Werbewert für den Ort unbezahlbar wäre.

Oberstdorfer Folkloregruppen vertreten den Kurort bei sechs Veranstaltungen auf einem Werbefeldzug durch Belgien. Rund 400 Personen besuchen die Veranstaltungen, 5000 Prospekte wurden verteilt. Das Trettachtrio bringt sogar 500
Schallplatten "an den Mann".

Die Standesämter der damals eigenständigen Gemeinden Schöllang und Tiefenbach werden mit Oberstdorf zusammengelegt.

Der Norweger Ingolf Mork siegt bei der 19. Vierschanzentournee auf der frisch umgebauten Schattenbergschanze unter 60 Springern aus 14 Nationen unter den Augen von 10.000 Zuschauern. Die norwegische Mannschaft kam übrigens mit zwei PKW nach Oberstdorf um Geld für die Flugkarten zu sparen...

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Quellen:

• Archiv des Allgäuer Anzeigeblattes, Immenstadt (auch Fotos)
• Bisherige Hefte "Unser Oberstdorf"
• Chronik der Freiwillige Feuerwehr Oberstdorf
• Programmheft zur Skiflug-Weltmeisterschaft 1970
• Chronik des Verschönerungsvereins Oberstdorf
• Chronik des Schützenvereins Oberstdorf
• Chronik des TSV Oberstdorf
• Chronik der Musikkapelle Oberstdorf

Kontakt

Verschönerungsverein Oberstdorf e.V.
1. Vorsitzender
Peter Titzler
Brunnackerweg 5
87561 Oberstdorf
DEUTSCHLAND
Tel. +49 8322 6759

Der Verein

Unser gemeinnütziger Verein unterstützt und fördert den Erhalt und Pflege von Landschaft, Umwelt, Geschichte, Mundart und Brauchtum in Oberstdorf. Mehr

Unser Oberstdorf

Seit Februar 1982 werden die Hefte der Reihe "Unser Oberstdorf" zweimal im Jahr vom Verschönerungsverein Oberstdorf herausgegeben und brachten seit dem ersten Erscheinen einen wirklichen Schub für die Heimatforschung. Mehr

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