Er ist vor noch nicht all zul anger Zeit - im Jahr 2016- mit 81 Jahren verstorben, der Maler Adolf Preschl aus
Oberstdorf. 1935 in Mindelheim geboren, absolvierte er dort seine Ausbildung zum Maler und Lackierer. Die Begeisterung für die Berge zog den jungen Mann schon bald mit 23 Jahren nach Oberstdorf, das zu seiner zweiten Heimat werden sollte. Die hier so ungeheuer abwechslungsreiche Natur hat er unermüdlich mit Fahrrad, Rucksack und seinen Malutensilien erkundet, erzählt seine Frau Hannelore, die er 1963 heiratete. Das Ehepaar bezog das Elternhaus ihres Vaters aus dem Jahr 1626 im Unteren Markt, nicht weit von seinem Arbeitgeber Otto Sieber entfernt, bei dem er 20 Jahre lang arbeitete. Mit Malermeister Sieber teilte Preschl die Leidenschaft für das künstlerische
Schaffen. Handwerkliches Rüstzeug brachten beide von ihrer Ausbildung her mit. Eine Kunstschule besuchte keiner von ihnen, sie eigneten sich Aquarell-, Öl-,und Acryltechnik im Selbststudium an.
Bis zum Eintritt in die Rente arbeitete Preschl später auch noch in anderen
Malerbetrieben in Oberstdorf, um den Unterhalt seiner Familie zu sichern.
Als typischer Allgäuer Mächlar wagte sich Adolf Preschl weit über seinen erlernten Beruf hinaus, stellte auch Möbel,Wandvertäfelungen und sogar Musikinstrument eher. Für seine Zithern sammelte er Muscheln aus dem Freibergsee und verarbeitete sie in ornamentale Intarsien. Eigene Resonanztische baute er, um einen guten Klang zu erzeugen und Noten für die Musikstücke schrieb er in eigene, selbstgebundene Bücher. Polka, Ländler, Tango, Menuette und mehr - er beherrschte viele Musikrichtungen auf diesem Instrument.
Mit seiner realistischen Auffassung von Kunst wagte sich Adolf Preschl früh an Themen wie das Portrait. Schon mit 18 Jahren vermag er sich inFrontalansicht als zielstrebigen, selbstbewussten jungen Mann zu charakterisieren.
Ein ausdrucksvolles Gesicht in Dreiviertelansicht kennzeichnet auch seine Mutter,die zehn Kinder zur Welt brachte.
Eindrucksvoll das Portrait des Oberstdorfers Pius Übelhör mit einer verschatteten Gesichtshälfte und gutausgearbeiteter Kleidung. Mit sogenanntem verlorenen Profil stellt er einen anderen Allgäuer vor, dessen
grauen Barter in seiner wilden Struktur und Farbigkeit hervorragend abzubilden
weiß. Das gelingt ihm auch bei dem nächsten Älpler („Bergführer“) in einem einheitlichen, graubraunen Gesamtton.
Es gibt nur wenige Zeichnungen im Werk von Adolf Preschl, darunter lockere Skizzen im winterlichen Dorf, die seine zeichnerische Begabung aufblitzen lassen. Doch sie waren ihm nicht wichtig. Sein Ziel waren fertige Bilder, direkt vor Ort (plein air) gemalt oder dann zu Hause in der Werkstatt fertiggestellt. Studien oder gar Fragmente finden sich nicht in seinem Nachlass und hatten wahrscheinlich auch nicht ihren Platz in seinem Denken. Das hat sicherlich mit seinem Arbeitsethos des Malerhandwerks zutun. Perfekte Arbeit muss abgeliefert werden. Eine guteTradition in allen Handwerksbereichen, die er auf seinem Bild mit alten Oberstdorfer Häusern festgehalten hat.
Die nähere Umgebung wird von Preschloft erkundet ,z.B. Bachläufe zu allen Jahreszeiten. Da lässt sich eine ungeheure Tiefe ins Bild zaubern mit unterschiedlichen Uferlinien und variabler Anordnung von Bäumen und Büschen.
Eine Augenweide für den, der einen Blick hat für die Ordnung auf der Bildfläche, für die Waagrechten, die Senkrechten, für Symmetrie und Asymmetrie, für eine lockere und eine dichte Struktur auf dem Bild.
Wasserfälle erfordern in aller Regel das Hochformat. Der Zickzackweg des hellen Wassers wird vom Betrachterauge als stärkste Helligkeit sofort aufgenommen, bevor der dunklere, schattig bewachsene Mittelgrund oder die hellgrün leuchtenden Blätter ins Auge springen.
Die weit entfernten Berggipfel machen die unterschwellig spürbare symmetrische Konstruktion des Bildes genauso mit wie die übrigen Elemente des Bildes. Im Detail lässt sich eine sehr differenzierte Farbigkeit feststellen das volle Mittagslicht bringt die Farben des letzten Herbstes am Boden immer noch zum Leuchten.
Dieser Tendenz zur fast übertriebenen Ausschöpfung der Farbpalette verfällt Adolf Preschl öfters, vor allem, wenn er den hellen Schein der Sonne auf Schnee festhalten will, z.B. beim Blick auf den Kegelkopf. Morgen und Abendstimmungen sind da besonders gefährlich. Sie geraten gerne in eine klischeehafte Vorstellung von Stimmung, die das Gemüt des Betrachters erreichen soll. Es berührt ja die starke Färbung des Herbstlaubes fast jeden Spaziergänger. Und Preschl beherrscht meisterhaft die Nuancen dieses Naturschauspieles. Er kann die Wärme eines herbstlich sonnigenTages im Gebirge ebenso schildern wie die Kälte und Frische eines Frühlingsmorgens.
Preschls Bilder beruhigen, zeigen eine intakte Natur, die Einheimische wie Touristen gerade in Oberstdorf suchen und auch finden. Romantisch kann diese Sehnsucht bezeichnet werden, die seit Anfang des 19.Jahrhunderts gerade in der Landschaftsmalerei zum beliebten Thema wurde. Adolf Preschl arbeitet mit den traditionell bewährten künstlerischen Stilmitteln des Realismus bzw. Naturalismus, die er an den Münchner, Dachauer und Wiener Landschaftsmalern bewunderte. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts zogen Künstler scharenweise in die Umgebung der Städte hinaus auf der Suche nach Motiven. Für sie war die Natur die einzige Lehrmeisterin der Kunst im Gegensatz zur Lehre an den Akademien, die sich oft an der antiken Idealwelt orientierte.
Wie Waldmüller, Dillis oder Ziegenmeyer sah Preschl nur die positive Seite der Natur. Vorallem Waldmüllers Landschaften bezeichnete A.Wagner in seinem Band „Landschaftsbilder in zwei Jahrhunderten“ 1965 als „genaueste Portraits von beglückenden, touristische in ladenden Gegenden“mit „himmlischem Wanderwetter“.
In Preschls Bildern wird die erhabene und ewige Natur überzeitlich sozusagen festgehalten, ohne die zivilisatorischen Einbrüche und Störungen. Die Kunst hatte schon im 19. und 20. Jahrhundert nach dem Erfolg der Fotografie, der Psychoanalyse und nach den Wirren der Weltkriege eine drastische Änderung erfahren (Impressionismus, Expressionismus, Surrealismus, Abstraktion und Aktionskunst). Unser Maler hat sich dafür nicht merklich interessiert. Warum auch? Er wusste um sein Können und malte aus einer ungeheuren persönlichen Freude heraus mit dem Blick für die Schönheiten der Natur. Denn er erkannte: Der Wunsch nach Beschaulichkeit, Stille und Naturgenuss wird sich nicht ändern.
Dem leidenschaftlichen Bergsteiger, ausgerüstet mit Malutensilien und jahrelang geschultem Blick für die Bildkomposition, war keine Anstrengung zu viel, um in diese seine Bildwelt einzutauchen.
Weit über hundert Aquarell-, Öl- und Acrylarbeiten in handlichen Formaten fanden ihren Platz in seinem Ausstellungsraum im Keller seines Hauses, darunter auch Stillleben und Blumen.Gerne stieg er mit Interessenten in das Reich seiner Bilder hinab. Doch nur kleine Ausstellungen in der Sparkasse und im Heimatmuseum waren bescheidene Wege in die Öffentlichkeit.
Vom Charakter her eher ruhig und zurückgezogen, war Adolf Preschl zwar durch sein Engagement beim TSV Oberstdorf in der Leichtathletik-und Badmintonabteilung bekannt und geschätzt, sein umfangreiches malerisches Werk blieb jedoch größten teils im Verborgenen.