Franz Josef Tripp

von Peter Fink am 16.12.2022

Franz Josef Tripp

Jim Knopf und der Räuber Hotzenplotz: zwei waschechte „Tuifebachar“ !

Wer kennt sie nicht, diese Ikonen der Kinderliteratur, denen Generationen von Kindern und Erwachsenen bei ihren Abenteuern begeistert gefolgt sind und bis heute folgen. Wenn wir „Jim Knopf“ oder „Hotzenplotz“ hören, dann haben wir sofort diese Bilder im Kopf. Figuren mit ovalen Köpfen und viel zu kleinen Schirmmützen darauf und den Federhut des bärtigen Räubers mit der großen krummen Nase.

Auch die Autoren dieser weltberühmten Kinderbücher können wir rasch benennen, sind doch Michael Ende (Momo, Die unendliche Geschichte) und Otfried Preußler (Krabat, Das kleine Gespenst, Die kleine Hexe) die bedeutendsten deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuch-Autoren der Nachkriegszeit überhaupt.

Aber Ende hat den „Jim Knopf“ nicht gezeichnet und auch Preußler hat seine Bücher nicht selbst illustriert. Den Illustrator, der diesen Figuren ihr unvergessliches Äußeres verliehen hat, den kennen die wenigsten Leser.

Auch ich muss zugeben, dass ich in einem anderen Zusammenhang auf den „Vater“ des Jim Knopf gestoßen bin. Ich „googelte“ den Schriftsteller W. G. Sebald und dessen Schulfreund und heute bekannten Maler Jan Peter Tripp, die beide am Oberstdorfer Gymnasium ihr Abitur abgelegt hatten, und stieß dabei auch auf den Wikipedia-Eintrag zu Tripps Vater Franz Josef und staunte nicht schlecht.

Dieser Franz Josef Tripp illustrierte in den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts einige der berühmtesten Kinderbücher in deutscher Sprache und er wohnte und arbeitete von 1945 bis zu seinem Tod in Tiefenbach!

Bild1

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

Der Räuber Hotzenplotz

Bild2

Meine Neugierde war geweckt und gleich zu Beginn meiner Nachforschungen im Internet entdeckte ich einen Beitrag von Alex Rößle in seinem „Oberstdorf Lexikon“:

„Als ich auf der Homepage der Villa Jauss nachschaute, welche Ausstellungen so für die nächste Zeit angekündigt waren, stieß ich auf den „Räuber Hotzenplotz“. Als Grundschullehrer und Vater von 5 Kindern machte mich das doch ganz schön neugierig: ‚Villa Jauss und Hotzenplotz‘ – wie passt das zusammen?

Auf der Homepage der Villa Jauss wurde eine Ausstellung über den Maler Franz Josef Tripp folgendermaßen angekündigt: Die Ausstellung zeigt die Originale der weltberühmten Illustrationen zu Michael Endes „Jim Knopf“ und Preußlers „Räuber Hotzenplotz“. Wer hätte gedacht, dass diese Tuschezeichnungen von Franz Josef Tripp in Tiefenbach entstanden sind? Natürlich hätte ich das nicht gedacht – ich wusste einfach nichts darüber. Deshalb begann ich zu recherchieren.“

Danach berichtet Alex Rößle noch, dass sein Vater Franz Josef Tripp sehr wohl gekannt hatte und er von ihm auch erfuhr, dass Tripp als Werbegrafiker mehrfach in Oberstdorf in Erscheinung trat.

Ein Anfang war gemacht und zu einem Künstler, der solch berühmte Werke illustriert hat, muss es doch eine Fülle von Informationen geben – dachte ich. Muss es überraschenderweise aber nicht!

Letztendlich stieß ich aber auf die Dissertation von Dr. Mirijam Steinhauser, die als Taschenbuch veröffentlicht ist und die eine intensive Auseinandersetzung mit dem Werk Franz Josef Tripps darstellt: „Von Jim Knopf bis Hotzenplotz – Die Kinderbuchwelten des Franz Josef Tripp“, Würzburg 2018.

Franz Josef Tripp, genannt Jupp, wird am 7. Dezember 1915 als jüngstes von acht Kindern des Schreiners Wilhelm Tripp in Essen geboren und wächst dort und nach dem Tod der Mutter im hessischen Steinau auf.

Bereits als junger Mann beginnt Franz Josef Tripp seine künstlerische Tätigkeit. Zusätzlich zu ersten schriftstellerischen Versuchen startet er auch eine Ausbildung im grafischen Bereich, indem er, zwar nur für kurze Zeit, die Essener Folkwang-Schule für Malerei und Grafik besucht. Die Wehrpflicht absolviert Tripp Ende der Dreißigerjahre in Sonthofen, wo er zum Gebirgsjäger ausgebildet wird. Während dieser Ausbildung lernt er seine spätere Frau Josefa (Sef), geb. Mathes (1921–2001), kennen.

Den Beginn seiner zeichnerischen Laufbahn, der in diese Zeit fällt, beschreibt Tripp folgendermaßen:

„Kurz vor Kriegsausbruch schrieb mir einer der Verleger, für die ich arbeitete, dass sein Grafiker eingezogen sei, ob ich einen Zeichner wüsste, der meine Arbeiten illustrieren könnte. Dieser Tag war einer der wichtigsten in meinem Leben; ich kaufte mir für fünf Pfennig eine Zeichenfeder und für dreißig Pfennig ein Fläschchen schwarzer Tusche.
Es waren kleine, anspruchslose Kritz-Kratz-Zeichnungen, aber der Verleger ließ sie klischieren (Anm. des Autors: auf eine Druckplatte übertragen) und schrieb mir: ‚Wir haben schon viel schlechtere Zeichnungen gedruckt, machen Sie ruhig so weiter …‘“

Tripp schildert also den Beginn seiner Karriere als Illustrator als Zufall. Aber wie formulierte der Schweizer Schriftsteller Max Frisch so treffend: „Es ist immer das Fällige, was uns zufällt.“

Im 2. Weltkrieg wird Tripp u. a. in Frankreich und im Kaukasus eingesetzt und betätigt sich in einer Soldatenzeitung als Kriegsberichter und Karikaturist.

1944, während eines Heimaturlaubs, heiratet Tripp Josefa Mathes und kurz nach Kriegsende kommt 1945 der einzige Sohn Jan Peter zur Welt.

Jan Peter Tripp wird später ein sehr bekannter und anerkannter Maler und gilt heute als ein wichtiger Vertreter des Realismus. Ich erwähne dies hier nur, weil der junge Jan Peter wohl schon früh sein zeichnerisches Talent erkannte und auch einsetzte.

Jan Peter besuchte das Gymnasium in Oberstdorf, das während seiner Schulzeit als staatliche Schule anerkannt wurde und 1959 in den Neubau an der Rubingerstraße umzog.

Karikatur

Karikatur aus der Feder des „Obergefreiten Tripp“, 1943

Anlässlich des Umzugs verfasste und illustrierte der Achtklässler ein Heft, in dem die Schule um Sachspenden für das neue Gymnasium bittet. Bei genauerer Betrachtung der folgenden Zeichnungen vermute ich aber, dass Vater Tripp seinem Filius wohl mit Rat und vielleicht auch Tat zur Seite stand.

Werbe-Illustration von Tripp für Ergee-Strumpf-Fabrik in Sonthofen

In den 50er-Jahren ist Tripp dann hauptsächlich als Werbegrafiker im Bereich des Allgäuer Fremdenverkehrs tätig. Anfangs gestaltet er Werbebroschüren und Plakate noch nach dem Vorbild seines Lehrmeisters Berann und konzentriert sich auf landschaftliche Besonderheiten.

Nach einer kurzen Kriegsgefangenschaft und anfänglicher Hilfe im Krämerladen der Schwiegereltern in Tiefenbach geht F. J. Tripp zu Heinrich C. Berann, einem Innsbrucker Maler und Grafiker, in die Lehre. Berann ist international erfolgreich, insbesondere durch seine mehrere hundert Panoramakarten u. a. für verschiedene Olympische Spiele und für die National Geographic Society in den USA.

Nach dieser Zeit in Innsbruck kehrt Tripp nach Tiefenbach zurück, wo er mit seiner kleinen Familie in der Lochbachstraße 10 (früher Tiefenbach 34¼) wohnt.

Von 1949 an arbeitet er dann als freier Grafiker.

Sohn Jan Peter Tripp erinnert sich an die beruflichen Anfänge seines Vaters:

„Auf dem Arbeitstisch lag ein Reißbrett, links und rechts und in den Schubladen das minimale Werkzeug. Ein bleierner Beginn war das, von der Kinowerbung für den Schuhplattler-Abend über Ergee-Strumpfpackungen bis hin zum ersten Buch, einem Tabakalmanach.“

(Anm. d. Autors: Almanach = bebilderte Sammlung von Texten zu einem bestimmten Thema)

Tiefenbach

Tiefenbach, Lochbachstraße 10

Werbe-Illustration von Tripp für Ergee-Strumpf-Fabrik in Sonthofen

Ergee2

In den 50er-Jahren ist Tripp dann hauptsächlich als Werbegrafiker im Bereich des Allgäuer Fremdenverkehrs tätig. Anfangs gestaltet er Werbebroschüren und Plakate noch nach dem Vorbild seines Lehrmeisters Berann und konzentriert sich auf landschaftliche Besonderheiten.

1

Werbung Oberstdorf, 1960

Prospekt Tiefenbach 1953

Prospekt-tiefenbach

Doch recht schnell entwickelt Tripp seinen eigenen, unverwechselbaren Stil. Figuren werden zum wesentlichen Element seiner Darstellungen und die Landschaften treten in den Hintergrund oder werden ganz verdrängt.

Die Fremdenverkehrsämter sind in den 50er-Jahren wichtige Auftraggeber für Tripp, denn der Wirtschaftsaufschwung ermöglicht den Menschen wieder das Reisen und Tripp ist in der wieder aufstrebenden Ferienregion „Oberes Allgäu“ der richtige Mann am richtigen Ort.

Auch als später seine Arbeit als Kinderbuch-Illustrator deutlich überwiegt, tritt er doch immer wieder als Werbegrafiker in Erscheinung.

Für den „Verschönerungsverein Oberstdorf e. V.“ ist Tripp im Laufe seiner Laufbahn ebenfalls tätig. Eine späte werbegraphische Arbeit stellt das Plakat „Sei kein Schlumpf“ für eine Aktion des Vereins in den Siebzigerjahren dar.

Tripps Arbeit als Illustrator und Autor von Kinderbüchern hatte 1956 begonnen. Seine individuelle graphische Sprache, die schon in seinen Werbearbeiten zu erkennen ist, kommt nun vermehrt in seinen Kinderbuchillustrationen zum Ausdruck.

Die ovalen Köpfe der Figuren, denen wir in Tripps Werk noch häufig begegnen werden und wie sie auf dem Sommerfahrplan der Kraftpost von 1962 zu erkennen sind, diese unverwechselbare Handschrift Tripps findet sich auch 1957 auf dem Titelbild des Buches „Feuerfreund“ der österreichischen Kinderbuchautorin Erica Lilleg.

Das Buch wird 1958 mit dem „Deutschen Jugendbuchpreis“ ausgezeichnet.

Lillegs Buch erscheint im Stuttgarter „K. Thienemanns Verlag“, für den Tripp seit 1956 als Illustrator tätig ist. Diese Zusammenarbeit wird Tripps graphisches Wirken bis zu seinem Tod 1978 prägen und letztendlich seine berühmtesten Arbeiten hervorbringen. Außerdem ist der „Thienemann-Esslinger Verlag“, wie er seit 2014 heißt, der Verlag, der bis heute ununterbrochen Werke mit Tripps Arbeiten in seinem Programm führt.

Franz Josef Tripp, der im Laufe seines Schaffens 203 Bücher illustriert, schafft jedoch auch vier eigene Werke, auf die ich zunächst eingehen möchte.

1938 wird sein „Zwischen Meer und Moor“ veröffentlicht, ein sog. Skaldenbuch. Dies ist eine Sammlung von Geschichten aus der Vergangenheit und Gegenwart.

Erst 1956 folgt dann „Marco und der Hai“ (Eine Geschichte aus Sizilien), Tripps erstes Kinderbuch, 1973 „Als Papas Wurstbude in die Luft ging“ und 1974 „Borbau und der Bär“.

Feuerfreund

Erica Lilleg, Feuerfreund, 1957

Es ist Tripp also durchaus ein Anliegen, nicht nur „fremde“ Bücher zu illustrieren, sondern auch selbst als Autor Anerkennung zu finden. Aber keines seiner eigenen Werke erreicht ähnliche Erfolge, wie manche von denen, die er „nur“ illustriert.

Obwohl Tripp schon 1956 als Autor und Illustrator eines eigenen Kinderbuches in Erscheinung tritt und 1957 mit der Illustration von „Der Feuerfreund“ einen ersten Erfolg feiert, dauert es noch einige Jahre, bis seine unvergesslichen Figuren entstehen und er von der Buchillustration leben kann.

Doch dann geschieht Ende der 50er-Jahre etwas, was Jan Peter Tripp als dramatische Wendung im Leben seines Vaters beschreibt:

„Eines Tages jedoch trat Deus ex Machina in Gestalt der Stuttgarter Verlegerin Lotte Weitbrecht über die Schwelle, deren Koffer reichlich bestückt war mit seltsamem Personal wie einem kleinen Schwarzen, der Jim nannte und einem ewig rußigen Lokomotivführer, einem Herrn, der Tur Tur hieß, einer furchteinflößenden dreizehnköpfigen Räuberbande und Hotzenplötzen.“

Lotte Weitbrecht ist die damalige Verlagsleiterin des „K. Thienemanns Verlag“, den ihr Vater Otto Weitbrecht 1916 übernommen hatte und den die Familie Weitbrecht bis 2001 leitete.

Für diesen renommierten Verlag von Kinder- und Jugendbüchern arbeitet Tripp zu diesem Zeitpunkt ja schon einige Zeit und hat einige Bücher ausgestattet. Ob Lotte Weitbrecht tatsächlich eines Tages in der Lochbachstraße 10 in Tiefenbach mit einem Koffer voll mit Manuskripten erschien, sei dahingestellt.

Tatsache ist, dass der bis dahin unbekannte Michael Ende (1929–1995) in den späten 1950er-Jahren sein Jugendbuch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ verfasst. Das Manuskript wird zunächst über eineinhalb Jahre von insgesamt zwölf Verlagen abgelehnt, bis schließlich Lotte Weitbrecht den Text annimmt.

Autor und Verlag sind sich einig, dass die Geschichte illustriert werden soll. Da im Thienemann Verlag mehrere renommierte Illustratoren arbeiten, überlässt man Michael Ende die Wahl, wer von diesen sein Werk graphisch gestalten soll:

„Als man ihm (Michael Ende) hier verlagseigene Bilderbücher vorlegte, aus denen er einen Zeichner aussuchen sollte, tippte Michael genau auf den Mann (Anm.: F. J. Tripp), der schon vorher beim Lesen seines Manuskripts erklärt hatte: »Das muß ich unbedingt illustrieren!« So fanden sich Dichter und Maler in Seelenverwandtschaft.“ (Weser-Kurier, 1961)

Es ist also nicht das sprichwörtlich plötzliche und unmotiviert eintretende Ereignis der in Tiefenbach erscheinenden Verlagsleiterin, das Tripps Leben so entscheidend beeinflussen wird, sondern die gegenseitige Wertschätzung eines jungen Autors und eines durchaus schon anerkannten Buchillustrators.

Ende

Michael Ende

Der Verlag verlangt allerdings, dass der Text gekürzt oder aufgeteilt wird, da Illustrationen einen einzigen Band zu teuer und umfangreich machen würden.

Michael Ende entscheidet sich für die Aufteilung, überarbeitet den Verlauf der Handlung und somit erscheint der erste Band 1960 („Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“) und der zweite 1962 („Jim Knopf und die Wilde 13“) mit den Bildern von F. J. Tripp.

Der Erfolg der Bücher ist überwältigend. Der erste Teil erhält 1961 den Deutschen Kinderbuchpreis und die „Augsburger Puppenkiste“ macht Jim und Lukas zu „Stars an Fäden“ – auch für das Fernsehen: 1961/62 in Schwarz-Weiß, 1976/77 dann in Farbe und immer die Illustrationen F. J. Tripps als Vorbild für die Marionetten und das Bühnenbild.

Die „Jim Knopf-Bücher“ sollten aber noch nicht den Höhepunkt in Tripps Schaffen darstellen. 1962 erscheint im „K. Thienemanns Verlag“ ein weiterer Kinderbuchklassiker mit Tripps Illustrationen – „Der Räuber Hotzenplotz“ von Otfried Preußler (1923–2013).

Preußler ist anders als Michael Ende schon Anfang der 60er-Jahre ein bekannter Kinderbuchautor. Seine Bücher „Der kleine Wassermann“ (1956) und „Die kleine Hexe“ (1957) sind sehr erfolgreich, aber die Illustrationen stammen nicht von Tripp. Jedoch zu Preußlers Neufassung der Schildbürgergeschichten „Bei uns in Schilda“ steuert Tripp die Zeichnungen bei. Man kannte sich also.

Die Hotzenplotz-Geschichten sind vom Kasperle-Theater inspiriert und so auch die Figuren: der böse Räuber Hotzenplotz, der Kasperl, der Seppl, die Großmutter, der Wachtmeister Alois Dimpflmoser, der Zauberer Petrosilius Zwackelmann.

Preussler

Ottfried Preußler

Tripp gelingt es, wie auch schon bei Jim Knopf, die vom Autor beschriebenen Figuren zeichnerisch kongenial umzusetzen. Die bildliche Darstellung des Räubers ist vielleicht das Meisterwerk des Illustrators Franz Josef Tripp. Hotzenplotzs typische Physiognomie ist unverkennbar und hat sich in das Gedächtnis ganzer Leser-Generationen förmlich eingebrannt.

Eine Figur jedoch interessiert den Leser aus dem Oberallgäu besonders – der Seppl. Nun mögen die männlichen und deutschsprachigen Bewohner der Alpen nicht besonders erfreut sein, wenn man sie als „Sepp“ oder „Seppl“ bezeichnet, denn das Provinzielle oder gar Hinterwäldlerische schwingt da immer mit.

Aber der „Seppl“ aus dem „Hotzenplotz“ ist eindeutig ein Allgäuer, wenn nicht sogar ein Tiefenbacher, denn dieser Seppl mit Federhut und Lederhose taucht zwei Jahre später an anderer Stelle wieder auf. Barfuß und gut gelaunt sitzt er auf einem Brunnen vor der Kulisse seines Heimatortes und hütet das Vieh.

Natürlich folgen auf den sehr erfolgreichen ersten Band der „Geschichte vom Räuber Hotzenplotz“ bis 1973 zwei weitere und natürlich ist wieder F. J. Tripp der Illustrator.

Und natürlich werden die Geschichten vom Räuber Hotzenplotz wieder von der „Augsburger Puppenkiste“ für das Marionettentheater und das Fernsehen aufbereitet und bis in die heutige Zeit erfolgen Verfilmungen für das Kino.

Otfried Preußler hat über 35 Bücher geschrieben, die in mehr als 50 Sprachen übersetzt wurden und für die er viele Auszeichnungen erhalten hat. Die weltweite Gesamtauflage seiner Bücher beträgt rund 50 Millionen Exemplare.

Seppl

Seppl als Figur im „Räuber Hotzenplotz“

Räuber Hotzenplotz mit Petrosilius Zwackelmann

Hotzenplotz1
Kommmit

Seppl auf dem Sommerfahrplan

Augsburger Puppenkiste, 1966

Puppenkiste2

Preußler und natürlich auch Michael Ende wurden durch ihre Werke also nicht nur zu weltberühmten Autoren, sondern auch zu wohlhabenden Männern, was bei Schriftstellern im Allgemeinen und Kinder- und Jugendbuchautoren im Besonderen eher selten ist.

Franz Josef Tripp dagegen blieb außer in Fachkreisen eher unbekannt und dass er aufgrund seiner Illustrationen reich geworden wäre, davon kann keine Rede sein.

Tripp war wohl ein bescheidener Mann und weil er keine „richtige“ Ausbildung als Zeichner oder Maler hatte, wohl auch stets von Selbstzweifeln verfolgt, was sein Werk anbelangt.

„Er hat natürlich lebenslang damit gerungen, dass er die menschliche Figur nicht so zeichnen konnte, wie das ein Akademiker kann. … Er hat gerungen, (war) aber doch auch belustigt, also irgendwann hat er ja auch gemerkt, dass sein „Handicap“ für das Kinderbuch eigentlich ein sehr guter Zugang ist.“ (J.-P. Tripp)

Seine Zurückhaltung und dass „die praktischen Dinge des Lebens nicht unbedingt (s)eine Stärke waren“ (J.-P. Tripp) verhindern es wohl auch, dass er in geschäftlichen Dingen geschickter agiert. Wenig selbstbewusst, was seine Kunst anbelangt, gibt er sich meist mit einmaligen Abfindungen zufrieden. Nicht einmal die Originale seiner Zeichnungen fordert er zurück: Sie finden sich Jahre nach seinem zu frühen Tod stapelweise auf dem Dachboden des Verlagshauses.

Nein, Kunst sei das keine, hatte ihr Schöpfer stets abgewinkt – reine Gebrauchsgrafik. Ich denke, dass das viele Menschen anders sehen!

Franz Josef Tripp bleibt im beschaulichen, aber weit ab von jeglichem Kulturbetrieb liegenden Tiefenbach, weil er hier wohl die Ruhe findet, die er für sich und seine Arbeit benötigt.

Wie sehr er die Ruhe schätzt, geht aus einer Anekdote hervor, die sein Sohn erzählt.

Als in der unmittelbaren Nachbarschaft des Trippschen Hauses eine große Baustelle für ein Ferienheim eingerichtet wird, ärgert sich F. J. Tripp dermaßen darüber und über den damit verbundenen Lärm, dass er während der Dauer der Bauzeit regelmäßig zu Fuß ins Rohrmoos marschiert.

In der dortigen Wirtschaft kehrt er ein und der von den Einheimischen oft skeptisch beobachtete und nicht wirklich akzeptierte Künstler genießt die Gesellschaft der Hirten am Stammtisch und die ruhige Abgelegenheit des Weilers.

Aus dieser Zeit stammt auch dieses launige Hinweisschild zum „Stillen Örtchen“ des Lokals.

Wc

Franz Josef Tripp illustriert nach „Jim Knopf“ und dem „Räuber Hotzenplotz“ noch viele Bücher. Ich möchte an dieser Stelle nur noch „Das kleine Gespenst“ (1966) erwähnen, ein bis heute ebenfalls gern und häufig gelesenes Kinderbuch.

Doch die großen Erfolge der frühen 60er-Jahre stellen sich nicht mehr ein. Was aber bleibt, hat sein Sohn 2010 eindrücklich, aber auch mit dem hintergründigen Humor der Tripps beschrieben:

„In Zusammenarbeit mit den großen Kinderbuchautoren Deiner Zeit hast du unsterbliche Figuren, Ikonen, geschaffen, die noch heute die Köpfe und Zimmer der bereits dritten Generation bevölkern. Dank dieser Kontinuität hatte Sef (Anm.: Tripps Frau) immer eine schwankende, aber verläßliche Tantiemenrente bis ans Ende ihrer Tage.“

Franz Josef Tripp stirbt am 18. Februar 1978.

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