Oberstdorf vor 100 Jahren

am 16.12.2022

Januar 1921

• Das Hotel „Mohren“ eröffnet eine Wein- und Teediele im Biedermeier-Stil.

Die Preise für Strom werden erhöht und betragen nun für „Licht“ 2 Mark und für „Kraft“ 80 Pfg. pro Kilowattstunde.

Vermieter müssen nun als Zuschlag zur Kurtaxe 10 % der Wohnsteuer entrichten.

• Die Ortsgruppe des Reichsbundes der Kriegsteilnehmer, Hinterbliebenen und Gefangenen wählt bei ihrer Generalversammlung unter der Leitung des zweiten Vorsitzenden Heinrich Brand (1. Vorsitzender Otto Kerle konnte krankheitsbedingt nicht teilnehmen und stand wegen seiner Erkrankung und beruflicher Überhäufung nicht mehr als 1. Vorsitzender zur Verfügung.) eine neue Vorstandschaft: 1. Vorsitzender: Josef Haggenmiller, 2. Vorsitzender: Heinrich Brand, 1. Schriftführer: Simon Baumüller, 2. Schriftführer: Remigius Heinrich, Kassier: Max Schmidt, Beisitzer: Otto Kerle, Wilhelm Fischer, Josefa Bader und Marie Sehrwind.

• Der in Oberstdorf als Kurgast weilende Reiseschriftsteller, Maler und Illustrator Ernst Vollbehr (1876–1960, ein Autor, welcher später in seinen Werken Kolonialismus, Krieg und Nationalsozialismus verherrlichte) stellt im Hotel zur Sonne im Rahmen eines Lichtbilder-Vortrages seine Skizzen und Studien aus den von ihm bereisten ehem. Kolonien sowie Aufnahmen von den Kampffronten des 1. Weltkrieges vor. Der Erlös geht zugunsten des Reichsbundes der Kriegsversehrten.

• In einer Gemeinderatssitzung wird die vom Verkehrs- und Kurverein beim Bezirksamt beantragte Aufhebung sämtlicher Beschränkungen des Fremdenverkehrs behandelt. Oberregierungsrat Heßdörfer erklärt dabei, dass der zuständige Referent im Landwirtschaftsministerium dem Antrag zwar wohlwollend gegenüberstünde, jedoch nur, wenn die Milchversorgung nicht gefährdet sei. Außerdem teilte er dem Rat mit, dass die Aufnahme von Lungenkranken in „Deutsch-Davos“, wie Oberstdorf damals auch genannt wird, grundsätzlich erlaubt sei. Für die hierfür erforderlichen hygienischen Maßnahmen und die Einstellung einer Tuberkulose-Fürsorgeschwester wird daraufhin im Ortsausschuss ein Darlehen über 50.000 Mark für die Krankenhaus- und Elektrizitätswerk-Kasse bewilligt.

• Der Gemeinderat verabschiedet verschiedene Kassenabschlüsse: Beim Elektrizitätswerk stehen 230.000 Mark Einnahmen 226.620 Mark Ausgaben gegenüber. Landgemeindekasse: 395.000 Mark, Krankenhauskasse: 197.800 Mark Einnahmen, 203.790 Mark Ausgaben, Schulkasse: 28.280 Mark Einnahmen, 27.810 Mark Ausgaben. Armenkasse: 13.090 Mark Einnahmen, 13.400 Mark Ausgaben. Elektrizitätswerk-Kasse: 376.725 Mark Einnahmen, 381.910 Mark Ausgaben.

• Lehrer Anton Henkel wird nachträglich das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen.

• Im Laufe des Jahres 1920 werden in der Gemeinde Oberstdorf 79 Geburten (darunter 3 Totgeburten), 44 Eheschließungen und 52 Sterbefälle beim Standesamt eingetragen.

• Der Erstbesteiger der Trettachspitze Urban Jochum, genannt „Urbanes in der Au“, wird in Oberstdorf zu Grabe getragen. Die Zeitung schreibt: „Jochum war ein Mann der Geradheit, Biederkeit und Arbeit. Er ruhe im Frieden.“

• Der Turnverein Oberstdorf hält am 16. Januar seinen Vereinsball ab.

Der Wetter- und Wintersportbericht vom 21. Januar lautet wie folgt: kalt, 50 cm Neuschnee, Rodelbahn am Höllrücken: gut, Skigelände: sehr gut, Eislauf: gut, Schlittenfahrt: sehr gut.

• Trotz schlechtem Wetter finden die „Klubläufe“ des Skiclubs Oberstdorf statt. Zum Langlauf treten 26 Teilnehmer, zum Damenlauf 9 Teilnehmerinnen an. Die „Springerkonkurrenz“ kann nicht durchgeführt werden.

• Am 26. Januar 1921 stirbt der Fabrikant Gustav Stempfle im Alter von 63 Jahren. Er war der frühere Besitzer der „Conditorei, Cafe Stempfle“.

• Am 29. Januar wird das „Cafe Holder“ an der Lorettostraße (damalige Villa Alpenheim) eröffnet. Der Inhaber Hermann Holder, welcher auch das Konditorei-Cafe Holder (ehemals Stempfle am Marktplatz, später Café Baur) betreibt, hat darin zwei Räume durch den zeitweise in Oberstdorf lebenden Landschaftsmaler Edwin Henel einrichten lassen.

Februar 1921

• Die Genossenschaft „Kurhaus Oberstdorf e. G. m. b. H.“ hält am 2. Februar eine außerordentliche Genossenschaftsversammlung ab. Tagesordnung: „Stellungnahme zu den beiden für den Kurplatz in Betracht kommenden Projekte: Königsacker und Lindenacker“ sowie die Aufrechterhaltung der Beschlussfassung, das Grundstück des Königs zu erwerben.

• Am 7. Februar stirbt der Oberstdorfer Metzgermeister Josef Herberg im Alter von 71 Jahren.

• Am 12. und 13. Februar finden (durch schlechte Schneeverhältnisse erst im dritten Anlauf) die vom Skiclub Oberstdorf veranstalteten 6. Allgäuer Ski-Verbands-Wettläufe in Oberstdorf statt.

• Bei den Neuwahlen der Genossenschaft „Kurhaus Oberstdorf e. G. m. b. H.“ am 26. Februar werden gewählt: 1. Vorsitzender: Otto März, Ersatzleute: Johann Zobel und Adolf Zöpf, Wilhelm Fischer (Schriftführer), Fritz Müller (Kassier). Für den Aufsichtsrat werden gewählt: Thomas Neidhard, Edmund Hagspiel, Karl Witsch sowie Otto Blattner und Leo Seeweg als Ersatzleute.

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März 1921

• Die Gemeinde Oberstdorf ziert am 12. März das Denkmal des Prinzregenten Luitpold mit einem mächtigen Kranz. In der Pfarrkirche wird eine Seelenmesse für den „größten Wohltäter der Gemeinde“ gehalten.

• Zur Pflege der Kirchenmusik wird in Oberstdorf ein Cäcilien-Verein gegründet.

• Der Rabattsparverein, dem 40 Mitglieder angehören, hält seine Hauptversammlung ab. Der Warenumsatz betrug ca. 800.000 Mark, es wurden Sparmarken im Wert von 40.600 Mark abgegeben.

• Die Gemeinde Oberstdorf erhöht die Gebühren für die Benutzung der gemeindlichen Plakat-Tafeln um 150 %.

• Der neugegründete Zweigverein des Katholischen Frauenbunds in Oberstdorf eröffnet am Ostermontag eine Leihbibliothek. Außerdem ruft der Verein die Bevölkerung zur Mitwirkung bei der Unterbringung von einem Teil der rund 8000 unterernährten Kinder aus Augsburg zu Erholungszwecken auf.

• Am 19. März brechen zwei Personen in das Edmund-Probst-Haus auf dem Nebelhorn ein. Hüttenführer Ludwig Hertel überrascht das Diebes-Paar, welches daraufhin flüchtet. Er verfolgt die Spur bis zur unteren Seealpe, wo die Diebe ebenfalls eingebrochen sind, um sich am Herdfeuer zu wärmen, bevor sie endgültig durch ein Fenster entkommen.

April 1921

• Am 2. April findet die ordentliche Mitgliederversammlung des Verkehrs- und Kurvereins statt. Die Ausgaben stiegen in den vergangenen Geschäftsjahren von 42.000 Mark in 1918 auf 85.000 Mark in 1919 und auf 120.000 Mark in 1920. Das Reinvermögen des Vereins beträgt laut Geschäftsführer Reis 86.235 Mark 89 Pfennig. Der Vorsitzende Dr. Reh steht nach mehr als 10-jähriger Tätigkeit bei den Neuwahlen nicht mehr zur Verfügung und bittet um Vorschläge für das Amt des 1. Vorsitzenden.

Als Kinobesitzer Merz glaubt, Dr. Reh bitten zu müssen, sein Amt zu behalten, meint dieser: „Jüngere Kräfte müssen an die Spitze des Verkehrs- und Kurvereins treten, die alten sind zu verknöchert und verkalkt, um der gegenwärtigen Zeit Rechnung tragen zu können.“ – Vorgeschlagen werden daraufhin der Buchhändler Xaver Volderauer und Hermann Schallhammer. Der Wahlvorschlag für Schallhammer wird lebhaft unterstützt. Bei der Wahl erhält Volderauer 38 und Schallhammer 37 Stimmen. Beide lehnen die Wahl ab. Danach wird der Kaufmann Fritz Müller vorgeschlagen und erhält 39 Stimmen, 35 Stimmen gehen an Schallhammer, der eigentlich nicht mehr zur Wahl anstand. Ein Vorschlag auf Vertagung der Wahl wird abgelehnt. Müller nimmt daraufhin die Wahl an.

Weiter wird Albert Dünßer als Kassier wiedergewählt, Bauwerksmeister W. Huber als technischer Leiter, sowie als weitere 8 Ausschussmitglieder: Thomas Huber (72), Sekretär Bisle (63), M. Geißler (66), Hotelier Eduard Rief (62), Kinobesitzer Anton Merz (60), Buchhändler Xaver Volderauer (65), Fotograf Eugen Heimhuber (53), Friseur Hirte (32). Der bisherige Vorsitzende Dr. Reh wird einstimmig zum Ehrenmitglied ernannt.

• Aus dem Jahresbericht des Verkehrs- und Kurvereins Oberstdorf für die Saison 1920/21: Der Verein hat 356 Mitglieder. Vom 15. März bis 30. September wurden 14.515 Kurgäste mit 165.000 Übernachtungen registriert. Die ab 1. Juli 1920 in Kraft getretene Kurtaxen-Erhöhung von 20 auf 40 Pfg. pro Tag hilft dabei, die Ein- und Ausgaben des Vereins annähernd im Gleichgewicht zu halten. Durch die Geldentwertung konnten allerdings nur die dringendsten Aufgaben erfüllt werden und der Verein ist gezwungen, die Kurtaxe ab dem 1. Januar 1921 auf 75 Pfg. zu erhöhen. Der Verein ist mit 35.000 Mark an der Kurhaus Oberstdorf eGmbH beteiligt.

• Der Turnverein hält am 6. April eine Generalversammlung ab. Vorsitzender Buhl legt in eindringlichen Worten die Notwendigkeit eines Turnhallen-Neubaus dar, da der Mitgliederstand stetig wachse. Der Verein besteht aus 13 aktiven Frauen, 60–70 aktiven Männern, 40 Zöglingen und 113 passiven Mitgliedern. Buchdruckereibesitzer Hofmann bringt die Gefahren eines Brandes durch die Interesselosigkeit an einer Feuerwehr zur Sprache und regt die Gründung einer Turnfeuerwehr-Riege bzw. Zuges an. Eine sogleich vorgenommene freiwillige Meldung der feuerwehrpflichtigen Jahrgänge ergibt das erfreuliche Resultat von 35 Teilnehmern.

• In der nächsten Zeit soll der Bahnhof umgebaut und vergrößert werden. Für die Gepäckabfertigung soll ein neues Gebäude am Nordende entstehen, außerdem noch ein zweiter Fahrkartenschalter eingerichtet werden, welcher während der Saisons dringend notwendig ist.

• Am 9. April findet im Hotel „Hirsch“ die Gründungsversammlung des Grund- und Hausbesitzervereins Oberstdorf statt.

Mai 1921

• Am 1. Mai wird von den Alpenvereins-Sektionen Allgäu-Kempten und Allgäu-Immenstadt ein Bergführertag abgehalten. Dabei wird auch das 25-jährige Dienstjubiläum des Führers Wendelin Weitenauer aus Oberstdorf gefeiert.

• Der Verkehrs- und Kurverein hat für die Sommersaison 1921 die Leitung der Kurveranstaltungen wieder an Direktor Krumbacher-Waltoff übertragen, welcher bereits erste Künstler verpflichten konnte. Die Lesehalle wird über die Sommermonate in den großen Lesesaal des alten Rathauses verlegt, der neu instand gesetzt wird.

• Oberforstverwalter Hohenadl wird in den Ruhestand versetzt. Er wird seinen Ruhestand in Oberstdorf verbringen. Neben dem Forst- und Jagdwesen widmete er sich während seiner Laufbahn lokalen Wirtschafts- und Verkehrsfragen und trat insbesondere durch die Anlage der schönen Wege, aber auch als Schriftsteller in Erscheinung.

• Dem prakt. Arzt Dr. Hosenberg wird vom Gemeinderat die Genehmigung zur Errichtung eines Erholungsheimes in der Pension Höfat erteilt – unter der Bedingung, dass im neuen Kurheim keine Personen mit ansteckenden Krankheiten (insbesondere Lungenkrankheiten) Aufnahme finden dürfen.

• Der Gemeinderat genehmigt auf Anregung der Alpenvereinssektion Immenstadt-Kempten eine 50 % Erhöhung des Bergführer-Tarifs zu dem im September 1912 genehmigten Tarif.

Juni 1921

• Ein um das Musikleben in Oberstdorf verdienter Mann, Herr Hauptlehrer Lutz, begeht sein 25-jähriges Jubiläum als Dirigent des Gesangsvereins.

• Der Buchdruckereibesitzer, Gemeinderat und Vorsitzender der Ortsgruppe der bayerischen Volkspartei Andreas Hofmann feiert am 15. Juni mit seiner Gattin Emilie (geborene Schraudolph) das Fest der silbernen Hochzeit.

• Wegen „Forstfrevels“ wird der Tagelöhner Johann Georg Aichel in Oberstdorf von einem Schöffengericht zu 2400 Mark Geldstrafe verurteilt. Er hatte andere (wertvollere) als ihm von der Forstbehörde angewiesene Stämme gefällt.

• Der auf den 26. Juni treffende „Johanni-Krämermarkt“ wird abgehalten.

Kontakt

Verschönerungsverein Oberstdorf e.V.
1. Vorsitzender
Peter Titzler
Brunnackerweg 5
87561 Oberstdorf
DEUTSCHLAND
Tel. +49 8322 6759

Der Verein

Unser gemeinnütziger Verein unterstützt und fördert den Erhalt und Pflege von Landschaft, Umwelt, Geschichte, Mundart und Brauchtum in Oberstdorf. Mehr

Unser Oberstdorf

Seit Februar 1982 werden die Hefte der Reihe "Unser Oberstdorf" zweimal im Jahr vom Verschönerungsverein Oberstdorf herausgegeben und brachten seit dem ersten Erscheinen einen wirklichen Schub für die Heimatforschung. Mehr

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