Walter Kalot am Alten Rathaus
• Oberstdorf ist zu Jahresbeginn mit -28 °C Bayerns Kältepol.
• Der neue Leiter der Oberstdorfer Kurkapelle Paul Schmidt wird von Kurdirektor Fritz Geiger mit einem Blumenstrauß in sein Amt eingeführt. Kapellmeister Schmidt war zuletzt als Leiter des Kurorchesters in Bad Salzuflen tätig und betätigte sich als Arrangeur und beliebter Conférencier.
• Die Oberstdorfer Bergwacht-Bereitschaft kann das 50. aktive Mitglied in seine Reihen aufnehmen.
• Die Oberstdorfer Landpolizeistation steht seit Beginn des Jahres unter neuer Leitung.
• Als Stationsleiter wird der aus Kempten stammende Polizeiinspektor Heinz Lang von Ulm nach Oberstdorf abgeordnet.
• Das Oberstdorfer Standesamt hatte im vergangenen Jahr 1970 viel zu tun: 92 Eheschließungen, 312 Geburten (davon 95 Einheimische), 163 Sterbefälle (davon 80 Einheimische) und 21 Kirchenaustritte. Die beliebtesten Vornamen für Neugeborene waren: Christian, Stefan, Martin, Michael und Markus bei den Buben und Christine, Sabine, Petra, Karin und Susanne bei den Mädchen.
• Diakon Hermann Schwörer, ein Pfarrerssohn aus Wiedenes im Rheinland, wird neuer evangelischer Gemeinde- und Jugenddiakon.
• Nach den Unterlagen der Kurverwaltung halten Friedrich Weber und seine Frau aus Mülheim/Ruhr mit rund 100 Besuchen den Rekord, gefolgt mit 87 Aufenthalten von Frau Hanni Ahrens aus Büderich/Rheinland und 80 Urlauben von Fritz Wehinger aus Stuttgart.
• Werbung der Kurverwaltung: 121.000 Prospekte und 2.000 großformatige Plakate gingen als Werbung für den Ort im vergangenen Jahr 1970 in alle Welt.
• Nachdem sich nun auch die Nebelhornbahn AG mit der Oberstdorfer Bergwacht-Bereitschaft vertraglich einig wurde, stehen fast alle Skipisten in Oberstdorf während des Winters unter ständiger Kontrolle der Bergwacht. Werktags sind jeweils zwei Bergwachtmänner im Einsatz, an den Wochenenden sechs oder sieben.
• Die Kur- und Verkehrsbetriebe AG erwirbt den Höllwieslift.
• Zum Anlass des 40. Betriebsjubiläums zeichnet die Oberstdorfer Nebelhornbahn AG langjährige Mitarbeiter aus: Hans Wimmer (25 Jahre), Leonhard Vötter (34 Jahre), Josef Braxmair (35 Jahre), Wilhelm Nagel (35 Jahre), Othmar Scholz (39 Jahre) und Josef Hartmann (40 Jahre).
• Nachdem sich nun auch die Nebelhornbahn AG mit der Oberstdorfer Bergwacht-Bereitschaft vertraglich einig wurde, stehen fast alle Skipisten in Oberstdorf während des Winters unter ständiger Kontrolle der Bergwacht. Werktags sind jeweils zwei Bergwachtmänner im Einsatz, an den Wochenenden sechs oder sieben.
• Zwischen Heuweg und Gertrud-von-le-Fort-Weg wird durch die Kurverwaltung am Südrand von Oberstdorf ein neuer Promenadenweg mit Ruhebänken für Fußgänger angelegt.
• Die neue Nachtlanglaufloipe an der Halde wird am 10. Februar eingeweiht.
• Zur Eröffnung starten die Mitglieder des Oberstdorfer Skisportkomitees sowie andere Ehrengäste zu einem Rennen um den „Wanderpreis des Bürgermeisters“ in Form einer Riesenflasche Enzian. Die neue Kunstlichtlanglaufstrecke, die zweimal in der Woche öffnet, wurde von Mitgliedern des Skiclubs gemeinsam mit dem E-Werk eingerichtet und soll einerseits dem Training der aktiven Rennläufer dienen und zum anderen für Kurgäste ein besonderer Anziehungspunkt sein.
• Die Kurverwaltung plant, ihr Klischeematerial für Pressearbeit und Werbung zu modernisieren. Kurdirektor Geiger plädiert dafür, je 25 Schwarz-Weiß-Fotos und 25 Farbfotos möglichst bald klischieren zu lassen. Die Kosten belaufen sich laut Angebot auf 12.525 DM, die vom Gemeinderat genehmigt werden.
• Außerdem soll das geplante Brandungsbad und der neue Kursaal durch entsprechende Werbemittel bekannt gemacht werden. Vorgesehen sind 15.000 DM für eine Anzeigenkampagne für den Kursaal, 20.000 DM für die Hallenbadwerbung und 20.000 Mark für einen kombinierten Prospekt. Der Gemeinderat spricht sich dafür aus, über diese Kosten erst im nächsten Etat gemäß den finanziellen Möglichkeiten zu entscheiden.
• Die Einführung des neuen Skipasses Oberallgäu/Kleinwalsertal kann als Erfolg verzeichnet werden. Bei den Ausgabestellen im Ort wurden im Dezember und Januar 220 Pässe für sieben Tage und 80 Pässe für 14 Tage ausgegeben. Kein Gebrauch wurde dagegen vom Netzkartenangebot gemacht. Es zeigt sich, dass Skifahrer lieber volle Parkplätze und die Gebühren dafür in Kauf nehmen.
• Der Gemeinderat verabschiedet eine Änderungssatzung zur Satzung über die Bebauung im Baugebiet „Haslach-Nord“: Die „Königsäcker“, auf denen das Hallenbad entstehen soll, bisher als reine Grünfläche ausgewiesen, werden nun zum öffentlichen Wohngebiet. Außerdem Hallenbad soll allerdings keine weitere Bebauung vorgenommen werden. Kurdirektor Fritz Geiger stimmt gegen die Änderung der Satzung.
• Während in Oberstdorf dank der neu erschlossenen Quellen am Christlessee keinerlei Wasserprobleme bestehen, sind die Anwohner Kornaus bedeutend schlechter bedient. Hier gibt es nämlich derzeit so gut wie gar kein Leitungswasser mehr. Man behilft sich mit dem Schmelzen von Schnee oder holt sich das Wasser in Milchkannen. Ein Tankwagen der Marktgemeinde ist ununterbrochen unterwegs, um die größten Wassermängel abzustellen.
• Oberstdorf hat drei neue Kneippkurbetriebe: Das Kur- und Sporthotel Filser, Kurhotel „Adula“ und das Alpensanatorium werden durch den Deutschen Kneippbund offiziell anerkannt. Im vergangenen Jahr wurden 10.000 Kneippkurgäste mit 224.418 Übernachtungen registriert.
• Die Kurabgabe wird nicht wie bisher ab 1. April, sondern jeweils ab einer Woche nach Ostern bis 30. Juni des Jahres ermäßigt. Des Weiteren ist die Abgabe nach der neuen Satzung vom 1. Oktober bis 20. Dezember reduziert.
In den genannten Zeiträumen ermäßigt sich die Kurabgabe für den Kurbezirk I um 20 Pfennige, für die Kurbezirke II und III um je 10 Pfennige. Ausgenommen sind dabei die dritten und alle weiteren Personen in den Kurbezirken II und III.
• Weißer Sonntag in Oberstdorf: Bei Sonnenschein und durch das Spalier von hunderten von Gemeindemitgliedern ziehen mit Pfarrer Krumbacher und Benefiziat Gohl unter Glockengeläut 119 Erstkommunikanten (60 Buben und 59 Mädchen) vom Johannisheim in feierlicher Prozession zur Pfarrkirche.
• Bei der Generalversammlung der ehem. Rechtler der Gemeinde Oberstdorf hält der Verein einen Rückblick auf 20 Jahre des Bestehens. Mit Alois Schedler, Ludwig Brutscher und Anton Käufler werden drei Ausschuss-Mitglieder wiedergewählt, neu gewählt wird Fritz Berktold.
• Der Oberstdorfer Baufachmann Claus-Peter Horle hat an der Universität Stuttgart das Architekturstudium erfolgreich beendet: Er besteht die Prüfung zum Diplom-Ingenieur für Architektur mit der Note „Sehr gut“.
• Eindrucksvolle Trophäenschau zum Abschluss des Jagd-Jahres 1970/71 im Oybele. Insgesamt wurden über 3000 Stück Schalenwild erlegt.
• 28 Journalisten aus 13 Ländern kommen im Rahmen einer Tourismus-PR-Rallye mit 15 nagelneuen Fahrzeugen eines Wolfsburger Automobilkonzerns nach Oberstdorf. Die Reise- und Motorjournalisten aus Europa, Japan und den USA lassen sich für einige Stunden in die bezaubernde Allgäuer Bergwelt entführen.
• Kursaal-Neubau beginnt: Mit einem Schaufelbagger statt eines handlichen Spatens wird der erste „Spatenstich“ für den neuen Kursaal durchgeführt. In Anwesenheit von Bürgermeister Dr. Dreher, Kurdirektor Fritz Geiger und Delegationen des Bäderverbandes schildert der Direktor der Kur- und Verkehrsbetriebe-AG, Heinz Bechtel, die Notwendigkeit des neuen Saales. Bau und Inneneinrichtung werden rund 6 Millionen DM kosten, wovon ein Großteil durch staatliche Darlehen aufgebracht wird.
• Der Oberstdorfer Marktgemeinderat überläßt das Brandungsbad nun den Baufirmen. Die Baukosten in Höhe von 6,8 Millionen Mark sollen aufgebracht werden durch 65.000 DM aus dem Haushalt des laufenden Rechnungsjahres, 1.920.000 DM Kapitalmarkt-Darlehen, 1.130.000 DM Staatszuschuss aus Mitteln der Sportförderung des bayerischen Kultusministeriums, 850.000 DM Staatszuschuss aus der Wirtschaftsförderung, den Fremdenverkehrsprogrammen und 2.835.000 DM zinsverbilligte Darlehen.
• Mit dem Fernsprechhäuschen an der Pfarrstraße 1 kann jetzt der 29. Fernwahl-Münzfernsprecher im näheren Ortsbereich von Oberstdorf in Betrieb genommen werden. Im gesamten Amtsbereich des Postamts Oberstdorf sind damit jetzt 56 Münzfernsprecher in Betrieb.
• Der Breitachklammverein gedenkt des 100. Geburtstages von Pfarrer Johannes Schiebel mit einer feierlichen Messe, in der dem heiligen Christophorus geweihten Breitachklamm-Kapelle in Tiefenbach.
• Nachdem nachts gegen 4.40 Uhr die Trafostation an der alten Walserstraße niedergebrannt ist, sind der Ortsteil Jauchen sowie die Bereiche Stillachstraße und Sanatorium Stillachhaus ohne Strom. Bei dem durch Feuchtigkeitsüberschlag mit anschließendem Kurzschluss entstandenen Brand wird der Schaden auf etwa 10.000 DM beziffert.
• Der Gebirgstrachten- und Heimatschutzverein wird 70 Jahre alt. In dieser Zeit wuchs er von 90 Gründern zum 800-Mitglieder-Großverein. Dieses Jahr sind 22 Veranstaltungen in der Oybele-Halle geplant.
• Der FIS-Kongress in Opatija beschließt, Weltmeisterschaften auch im Skifliegen durchzuführen: 1972 in Planica und 1973 in Oberstdorf.
• Die Kurverwaltung lädt im Kursaal zum ersten Oberstdorfer Touristikforum ein. Dieses Forum soll eine Gesprächsrunde zwischen allen am Oberstdorfer Fremdenverkehr Beteiligten sein und in Zukunft einmal jährlich stattfinden.
• Kunstmaler Walter Kalot kommt recht schnell mit der Gestaltung der Außenfront des alten Rathauses voran. Die vorher skizzierten Szenen und Figuren werden nun farbig ausgemalt.
• Die Arbeiten für den Anbau an das bestehende Kurhaus schreiten voran. Die Baugrube wurde ausgehoben, eine Kneipp-Tretanlage musste dafür weichen. Der Anbau wird den Kursaal mit einem Fassungsvermögen von 1000 Personen aufnehmen. Es wird mit einer Bauzeit von etwa achtzehn Monaten und Kosten von sieben Millionen Mark gerechnet.
• Bei der Jahreshauptversammlung des Oberstdorfer Verschönerungsvereins im Gasthof „Hirsch“ gibt Kurdirektor Fritz Geiger als 1. Vorsitzender des Vereins einen Jahresbericht ab. Der Verein zählt derzeit 236 Mitglieder. Die Versammlung beschließt u. a. eine Beteiligung an der Beseitigung eines Lawinenschadens und die Mitarbeit bei einem zu gründenden Wegverband für die Anlage eines Weges zur Seealpe.
• In der Kurverwaltung wird eine Diät- und Ernährungsberatungsstelle eingerichtet, die von Frau Lore Gebhardt (staatl. geprüfte Diätassistentin) aus Sonthofen betreut wird. Kurgäste können jeweils donnerstags von 10 bis 12 Uhr Anleitungen für eine gesunde Ernährungsweise erhalten.
• Ein neuer Sportberater nimmt in Oberstdorf im Auftrag der Kurverwaltung seinen Dienst auf. Der Trainer der Eishockey-Mannschaft Dr. Cerveny arbeitet jeweils dienstags von 10 bis 11.30 Uhr individuelle Sportprogramme für Kurgäste aus.
• Nach 15-jähriger Tätigkeit als Präsident des Eissport-Clubs Oberstdorf tritt Kurdirektor Fritz Geiger zurück. Die Hauptversammlung wählt den Rektor der Hauptschule Adolf Winter zum Nachfolger.
• Insgesamt 27 Oberstdorfer Einzelhandelsgeschäfte haben sich entschlossen, künftig an den sogenannten „langen Samstagen“ nur noch bis 14 Uhr geöffnet zu haben. Die Geschäftsleute begründen diese Maßnahme mit dem ständig steigenden Personalmangel und dem daraus resultierenden Wunsch der Bediensteten, an jedem Samstagnachmittag frei haben zu wollen. Lediglich am Karsamstag und am Pfingstsamstag sowie zwischen Weihnachten und Neujahr soll diese Regelung keine Gültigkeit haben.
• Die Gemeinde beabsichtigt, an der Ortsausfahrt einen rund ein Meter hohen Bären aufzustellen, der als Wahrzeichen und Wappentier der ehemaligen deutschen Hauptstadt auf die Distanz zwischen Oberstdorf und Berlin (777 km) hinweisen soll. Ein entsprechender Antrag geht in diesen Tagen an das Straßenbauamt in Kempten. Der Entwurf der Plastik stammt von Walter Kalot.
• Bei Scheinwerferlicht wird die Kellerdecke des neuen Kursaales auf einer Fläche von rund 300 Quadratmetern „in einem Guss“ betoniert. Auf der Großbaustelle sind gegenwärtig 45 Männer beschäftigt. Ende September wird der größte Kran Europas mit 220 Tonnen Tragfähigkeit die Binder für das Dach in ihre Lager heben, sodass mit der Fertigstellung des Rohbaues bis Mitte Oktober gerechnet werden kann.
• Josef Kammer, ein 11-jähriger Schüler aus Wörth am Main, hat den Oberstdorfer Werbeslogan: „Urlaub für jeden Geldbeutel“ beim Wort genommen. Er schreibt einen Brief an den Kurdirektor: „Ich habe zwar auch einen Geldbeutel, aber einen leeren! Kann ich trotzdem kommen?“ – Die Kurverwaltung hat ihn daraufhin zusammen mit seinem Vater werbewirksam zu einem achttägigen Ferienaufenthalt in Oberstdorf eingeladen und mit verschiedenen Freikarten für Bergbahnen und Veranstaltungen ausgestattet. Eine Maßnahme, die auch prompt durch zahlreiche Tageszeitungen und Illustrierte ging.
• Im Alter von 68 Jahren stirbt am 18. Juli Frau Maria von Mordvinoff, die Tochter des letzten Flügel-Adjutanten des russischen Zaren. Im Alter von 18 Jahren war sie mit ihren Eltern nach Oberstdorf gekommen. Später eröffnete sie ein Kinderheim im Kleinwalsertal.
• Der Oberstdorfer Bauunternehmer und Bauingenieur Richard Ogger übernimmt das nach dem Ausscheiden von Gemeinderat Brutscher freigewordene Mandat im Gemeinderat. Er ist damit das erste Mitglied der Jungen Union in Oberstdorf, das für die CSU in den Gemeinderat zieht.
• Franz Thannheimer, Oberstdorfs erster Olympionike und Weltmeisterschaftsteilnehmer im Skisprung, stirbt am 27. Juni.
• Der neue ständige Oberstdorfer Kurseelsorger Pater Karl Boemer hat für die Sommersaison einen „Camping-Kindergarten“ auf dem Campingplatz eingerichtet. Zwei junge Kindergärtnerinnen haben die Herzen der Camper-Kinder im Fluge erobert. Viele Eltern bekunden, dass sie so etwas in ihrem Urlaub noch nirgends vorgefunden hätten, und äußern die Hoffnung, dass dieses Angebot im nächsten Jahr auch wieder möglich sein wird.