Hans Bühler auf einem „Gfäller-Ei“
Hans Bühler galt wohl als der Skibob-Pionier in Deutschland. Ihm war es zu verdanken, dass der Skibob gerade in Oberstdorf lange Zeit zu einem vertrauten Anblick auf den winterlichen Pisten gehörte. Jetzt ist Hans Bühler im Juli 2022 verstorben und somit endet wohl endgültig eine Ära, die Anfang der 50er-Jahre des vorigen Jahrhunderts begann.
Als Hans Bühler mit seiner Frau Ida 1951 am Söllereck die erste Skibobschule Deutschlands gründete, lag die Erfindung des Skibobs gerade einmal zwei Jahre zurück, als der Österreicher Engelbert Brenter aus Hallein am 10. März 1949 sein Modell des sogenannten „Sitzskis“ der Öffentlichkeit vorgestellt hatte.
Die erstmalige Verwendung von Kurzskiern leitete den modernen Skibob-Sport ein und ermöglichte den Fahrerinnen und Fahrern ein Schwingen und Gleiten ähnlich dem Skifahren. Dies war der entscheidende Unterschied zu den Vorgängern des Brenter-Modells, die allesamt fahrradähnliche Konstruktionen darstellten.
Schon 1892 hatte der Amerikaner John C. Stevens das Patent für ein „Ice Velocipede“ angemeldet, welches jedoch nie über das Entwicklungsstadium hinauskam.
Auch andere Modelle wie das „Velogemel“ aus der Schweiz konnten sich nicht dauerhaft und in der Breite durchsetzen.
Ein Jahr nach dem „Sitzski“ wurde mit dem Hauptpatent des Deutschen Patentamts am 15. Februar 1950 der „einspurige lenkbare Schlitten“, der „Skibob“, als Erfindung eingetragen. Eingereicht hatte es Georg Gfäller, ein Wagnermeister aus Kiefersfelden, der das sogenannte „Gfäller-Ei“ konstruiert hatte, welches auch Hans Bühler in seiner Skibob-Schule anfangs verwendete.
Nachdem nun das neue Wintersportgerät amtlich registriert war, folgte auch der Aufstieg des Skibob-Sports. Noch 1951 fand in Gfällers Heimat Kiefersfelden das erste Skibobrennen der Welt statt.
Zehn Jahre später gründete sich die FISB (Federation International de Skibob) und 1963 wurde die erste Europameisterschaft ausgetragen. Und seit 1967 treffen sich die Skibob-Sportler im zweijährigen Turnus zu ihren Weltmeisterschaften.
Auch Hans Bühler konnte auf eine sehr erfolgreiche internationale Karriere als Skibob-Pilot zurückblicken, denn zwei EM-Titel und eine Seniorenweltmeisterschaft von 1975 (Val d’Isère) schmücken neben diversen deutschen Meisterschaften seine bemerkenswerte sportliche Erfolgsbilanz.
Natürlich wurde auch versucht, auf einem Skibob Geschwindigkeitsrekorde zu erzielen. 2003 schaffte es der Schweizer Romuald Bonvin, seinen High-Tech-Skibob auf 201,790 km/h zu beschleunigen.
Auch vor den großen Bergen machte der Skibob nicht Halt. Wolfgang Jast (Österreich) bezwang am 5. Mai 2011 den höchsten Berg Europas mit einem Snowbike (Neudeutsch für Skibob). Mit einem speziell entwickelten Skibob mit Tourenset gelangen ihm Aufstieg und Abfahrt über die Nordflanke des Mont Blanc.
Neben diesem sportlichen Aufschwung gewann der Skibob auch gesellschaftlich an Akzeptanz. Prominente zeigten sich durchaus interessiert und testeten auch persönlich das neue Wintersportgerät.
Der Skibob führte auch Hans Bühler vom Söllereck in die große Welt. 1971 hatte er anlässlich der Skibob-WM in Reno (Nevada, USA) die Ehre, dem Gouverneur des Bundesstaates mit Familie Skibob-Unterricht zu erteilen.
Mit Fug und Recht kann man also behaupten, dass Hans Bühler einer der maßgeblichen Begründer des Skibob-Sports in Deutschland war.
In seiner „Erste(n) Deutsche(n) Skibob-Schule“ mit Skibob-Verleih konnten zahllose Schüler und Schülerinnen vom großen Können und von der umfangreichen Erfahrung des Skibob-Pioniers profitieren.
Seit 1966 besaß Hans Bühler die Skiboblehrer-Lizenz und jedes Jahr aufs Neue freuten sich er und seine Frau, die sich um Verleih und Materialausgabe kümmerte, ihre Skibob- bzw. Snowbike-Schule im Winter endlich wieder öffnen zu können.
Trotz aller Bemühungen solch begeisterter Skibob-Enthusiasten wie den Bühlers blieb der Skibob-Sport aber eine absolute Randsportart. Berichtete der „Spiegel“ (Ausgabe 8/1965) noch von weltweit rund 50.000 verkauften Skibobs (besonders in den USA erregte die „neue“ Wintersportart große Aufmerksamkeit) und 7.000 Anhängern der neuen Sportart in 20 bundesrepublikanischen Vereinen, waren es im Jahr 2002 noch etwas mehr als 2.700 Mitglieder und 2016 nur noch 335 im Deutschen Skibob Verband (DSBV).
Eine späte Ehrung durch den Markt Oberstdorf erfuhr der Skibob-Pionier Hans Bühler im Jahre 2015, als er für seine Verdienste um den Skibob-Sport in Oberstdorf die „Verdienstspange Sport“ des Marktes Oberstdorf verliehen bekam. Auch die Ausstellung „Geschichte des Skibobs“ (2015) in einem Oberstdorfer Geschäft mit Ski-Bobs aus Bühlers Sammlung stellte eine Anerkennung der Verdienste des Skibob-Pioniers dar.
In der Ausstellung wurde auch dieser „Sitzski“ aus der Sammlung des in Oberstdorf ansässigen Holzschnitzers Obenauer gezeigt. Diesen Vorläufer des modernen Ski-Bobs verwendeten anscheinend Hausgäste des Hotels „Panorama“ in Oberstdorf/Reute, um bequemer und schneller nach Oberstdorf zu gelangen. Das Transportmittel stammt angeblich aus dem Jahr 1902.
Die Geschichte des Skibob-Sports in Oberstdorf muss deshalb zwar nicht umgeschrieben werden, denn das Gerät wurde nicht im sportlichen Sinne verwendet, aber ihren Spaß hatten die Gäste des Hotels „Panorama“ sicherlich.
Hans und Ida Bühler hatten sich schon seit geraumer Zeit in den wohlverdienten Ruhestand zurückgezogen und Skibob-Enthusiasten sind am Söllereck kaum mehr zu beobachten.
Aber es gibt in Oberstdorf Snowbikes zu leihen und zu testen. Vielleicht feiert das „Pistenfahrrad“ ja demnächst eine Renaissance.