
O Adam, Adam Vatter mein,
unnß hast gebracht in dise Pein.
Jetz mueß ich Euch dantzen vor,
kombt alhernach zum todten Thor.
Im Jahr 1829 (36 Jahre vor dem großen Brand von 1865) zeichneten zwei Künstler im Auftrag des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg in der damals am östlichen Ortsrand (heute nähe Bahnhofsplatz) stehenden 14-Nothelfer-Kapelle verschiedene Altäre und den Totentanz aus dem Jahre 1640 von Gabriel Necker.
Das noch sehr junge Malertalent Claudius Schraudolph (der Ältere, 02.10.1813 - 13.11.1891) zeichnete im März 1829 im Alter von nur 16 Jahren den Totentanz aus der 14-Nothelfer-Kapelle ab. Dass Claudius Schraudolph mit 16 Jahren schon so gut zeichnen konnte, lag an der guten Ausbildung durch Vater Iganz, die dieser seinen Söhnen zuteil werden ließ.
In den Staatlichen graphischen Sammlungen in München liegt ein Bild von Rosalia Weissenbach, der Mutter der Schraudolph-Brüder, welches Claudius Bruder, Johann Baptist Schraudolph, im Jahre 1820 schon mit 12 (!) Jahren gezeichnet hat. Im Haar trägt die Mutter noch ein sogenanntes „Gaissitter“ - eine kleine Goldhaube mit zwei Spitzen.
Von den 21 Bildern des Totentanzes war anscheinend das sogenannte „Hexenbild" (fünfte Abbildung in der untersten Reihe) sehr eindrucksvoll, weil der Volksmund sehr oft den Gebrauch als "Hexenkapelle" verwendete. Wie heißt es im Untertext: "Hupf auf du hessigs Schemeltier" usw. Aber auch alle anderen Stände wie Papst, Kaiser, Bischof und
Fürst kamen im Totentanz vor und zuletzt sogar der Maler selbst.
Nachfolgend werden die einzelnen Tafeln des Totentanzes mit der dazugehörigen Zwiesprache zwischen Tod und der jeweiligen Figur wiedergegeben. Den Text hat Pfarrer Johann Nepomuk Stützle bereits im Jahre 1848 in seinem Büchlein „Die katholische Pfarrei Oberstdorf im königl. Landgerichte Sonthofen, oder die Schweiz im Kleinen“ wiedergegeben. Es wurden lediglich die Groß/Kleinschreibung angepasst und schwer lesbare Schreibweisen vorsichtig modifiziert.
Im März 1829 hat auch der Sonthofener Fassmaler und Restaurator Sebastian Glätzle im Auftrag des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg die Altäre detailgetreu gezeichnet.
Der Marien-Altar stand rechts vorn im Schiff und es wurde vermerkt, dass „Jacob Schick im Jahre 1497 diesen Altar verfertigt“ hatte. In der Mitte des Altares thronte mit dem Jesuskind auf dem Arm die heilige Mutter Maria. Rechts von Maria steht die heilige Katharina mit dem Rad und links von Maria befindet sich die heilige Barbara mit dem Kelch. Auf den Altar-Innenflügeln sind die heilige Margaretha und die heilige Ursula, auf den Außen-Türflügeln die heilige Agatha und die heilige Dorothea zu sehen. Im Altarsockel am Altartisch sind die vier Kirchenlehrer abgebildet
Wenn wir die beiden anderen Marien-Altarzeichnungen betrachten, sehen wir, dass Walter Buck als Augenzeuge fast vollkommen irrte. Vermutlich hatte Buck nur einen Rohentwurf in Oberstdorf gemacht und die Feinheiten zuhause ergänzt.Dies verführte auch Franz-Alois Schratt, die Bucksche Zeichnung als Vorlage zu verwenden. Buck als wandernder Reiseschriftsteller nahm sich gar nicht die Zeit Detailzeichnungen festzuhalten. Beschrieben hat diese Diskrepanz schon im Jahre 1964 Dr. Michael Petzet in seinem Buch _"Die Kunstdenkmäler von Schwaben, Band 8,
Landkreis Sonthofen"_ auf Seite 629 in Fußnote Nr. 3.
Auch die Kreuzigungsgruppe auf dem Altar ist beachtenswert. Ziemlich sicher stammt auch dieser Altar aus den Schickschen Werkstätten. Glätzle schreibt dazu, dass die geschnitzten Figuren „3½ Schuh hoch“ sind und die gemalten Figuren noch „einen Schuh höher“. In der Kreuzigungsszene sehen wir bei Jesus seine Mutter Maria, links davon die heilige Veronika mit dem Schweißtuch und die heilige Maria-Magdalena. Daneben steht der heilige Nikodemus. Ganz links ist noch der heilige Josef von Arimathäa abgebildet, der wahrscheinlich 1854 durch Diebstahl nach München kam (siehe Petzet S. 629). Im Altar-Aufsatzkasten sind die 4 Evangelisten (Lukas, Johannes, Markus und Matthäus) dargestellt.
–––
Quellenangaben:
• Außerordentlicher Dank gebührt dem Stadtarchiv Augsburg für die Mithilfe bei der Suche nach fast verschollenen Urkunden über einen langen Zeitraum! (Stadtarchiv Augsburg, RepA 2023/o14)
• Michael Petzet: "Die Kunstdenkmäler von Schwaben, Band 8, Landkreis Sonthofen", Oldenbourg Verlag München 1964, Seite 629
• Stützle, Johann Nepomuk: „Die katholische Pfarrei Oberstdorf im königl. Landgerichte Sonthofen, oder die Schweiz im Kleinen“, 1848, Seite 13 ff
• Unser Oberstdorf, Seite 2727 ff
• Hans-Jürgen Kotzur: „Fromme Einfalt, hehre Kunst?: Die Speyerer Domfresken von Johann Baptist Schraudolph“, Pilgerverlag 2012, Seite 93