Entwurf von Jean Keller *, abgebildet in der Zeitschrift „Der Baumeister“ (1922, Archiv Peter Fink)
Das neben den Sprungschanzen vielleicht auffälligste Bauwerk im Oberstdorfer Talkessel ist das ehemalige Sanatorium Wasach (heute Deutsche Rentenversicherung Fachklinik Oberstdorf).
* Jean Keller, eigentlich Johann Heinrich Cornelius (* 28. März 1844 in Darmstadt; † 22. November 1921 in Augsburg), war ein deutscher Architekt des Historismus. Ab 1830/40 entwickelt sich diese Stilrichtung in der Architektur. Besonders kennzeichnend ist die Nachahmung verschiedener historischer Baustile wie z.B. der Romanik, Gotik, … bis hin zur beginnenden Architekturmoderne. Jean Keller war zu seiner Zeit einer der bekanntesten Architekten in Augsburg, prägte bedeutend die lokale und regionale Architektur. Wer sich genauer über die Baugeschichte des Sanatoriums informieren möchte, den verweisen wir auf den Beitrag unseres hochgeschätzten Kollegen Helmut von Bischoffshausen in Heft 43 (1999) von „Unser Oberstdorf“.
Die Planungs- und Baugeschichte des imposanten Gebäudes reicht zurück bis in die Anfangsjahre des vorigen Jahrhunderts. Im Januar 1906 erfolgte die Baugenehmigung für das Sanatorium und im Dezember des gleichen Jahres erging der Auftrag an den Architekten Jean Keller.
Bevor jedoch mit dem Bau „begonnen werden konnte, musste erst einmal die Wasserversorgung sichergestellt werden.“ (UO, Heft 43) Erst 1911 wurde man am Vorderen Kackenkopf fündig und als dann auch die Zufahrt von der heutigen B19 in den Hang gebaut war, konnten die eigentlichen Bauarbeiten 1914 beginnen.
Der Transport von Baumaterialien zur Großbaustelle am Südhang des Ochsenberges auf 960 Meter ü.d.M. war eine logistische Herausforderung. Natürlich waren Pferdegespanne in der Überzahl, aber es kam auch eine für die damaligen Verhältnisse moderne Maschine zum Einsatz - das Lokomobil.
Das Langenwanger Bahnhäusle. Links Babett Schleich mit ihrer Mutter Maria Schleich. In dem Einfamilienhaus wohnte die neunköpfige Familie. Rechts, neben dem Eingang, befindet sich ein Fenster, das als „Fahrkartenausgabe“ diente. Hinter dem Häuschen rechts ist die Langenwanger Kapelle St. Antonius zu erkennen und auf dem Schild ist zu lesen: „Gasthof Pension Jägersberg Schönster Ausflugsort nahe am Walde Beste Verpflegung – Moderne Zimmer 30 Min. von Stat. Langenwang. Franz Schöll Tel. …“ (Foto Adolf Schleich)
Adolf Schleichs Tante Babett erzählte ihrem Neffen, dass alles Material, welches für das Sanatorium bestimmt war und zur Bahnstation Langenwang geliefert wurde, von der Familie Schleich aus- und umgeladen wurde. Adolfs Großvater, Bahnmeister bei der Lokalbahnlinie Sonthofen - Oberstdorf, war nämlich der erste Mieter des Langenwanger Bahnhäusles, das 1907 errichtet worden war.
Das Straßenlokomobil (eine Mischung aus Lokomotive und Automobil) war eine Spielart der dampfgetriebenen Maschinen. Es war auch auf steilen Straßen manövrierfähig und zum Ziehen und Befördern schwerer Lasten geeignet - also wie geschaffen für die neue und steile Wasachstraße.
Der Wirkungsgrad dieser Wärmemaschine lag jedoch unter 20%, weil die meiste in Wärme zugeführte Energie nicht in ein mechanisches Drehmoment umgewandelt wurde, sondern als Wärme an die Umgebung verloren ging. Wie eine Dampflok war das Lokomobil auch von der Versorgung mit Kohle und Wasser abhängig, was sich aber an einer Bahnstation bewerkstelligen ließ.
Das Lokomobil auf der Baustelle des Sanatoriums. Der Vater von Adolf, Johann Schleich (mit Ölkanne), war Heizer und
Mechaniker des Lokomobils. Auf der Maschine sitzt der Maschinenführer. Beide Personen waren dafür verantwortlich,
dass ein reibungsloser und sicherer Betrieb der Maschine gewährleistet war.
An der Rauchkammertür (vorne) ist der Schriftzug der Herstellerfirma eingegossen: „A. Henninger – Darmstadt“. Das Unternehmen wurde 1885 von Adam Henninger in Darmstadt gegründet und erlosch 1940. Die Räder der vorderen Lenkachse verfügten über Stahlnaben, hölzerne Speichen und einen hölzernen Radkranz, der mit einer Gummi-Auflage überzogen war.
Über dem Kopf von Johann Schleich ist das Schwungrad zu erkennen, über welches die Kraft auf das Getriebe übertragen wurde. Die Höchstgeschwindigkeit des Lokomobils erreichte ca. 40 km/h, was für ein solch schweres Gerät durchaus respektabel erscheint.
Johann Schleich (1891-1975) blieb seiner technischen Berufung treu und arbeitete später als Werkmeister bei der Lokalbahn.