Der Habaum mit den Weideflächen des Petersälpele und dahinter der Linkerskopf
Das Petersälpele erstreckt sich auf einer Höhe von 1280 m bis 1900 m im Rappenalptal. Die Alpe mit einer Gesamtfläche von ca. 62 ha wird erstmals um 1832 erwähnt und liegt unterhalb des Habaums.
Dieser seltsame Flurname bezeichnet den Rücken, der als Fortsetzung des Linkerskopf nach Norden zieht und das Bacherloch vom Rappenalptal scheidet. Habaum leitet sich von dem Hanbaum der Aufsitzstange im Hühnerstall ab. Habaum kann aber auch den Firstbalken einer Hütte bezeichnen oder einfach einen Balzplatz für
Birkhühner.
Zum Peters-Älbele hielt Johann Nepomuk Stützle in seinem 1848 geschriebenen Büchlein „Die katholische Pfarrei Oberstdorf“ fest:
„Das Peters Älbele“ mit seiner Sennhütte liegt 3-4 Stunden vom Markte südlich im Rappenthale zur Rechten des Rappenbaches auf einer bedeutenden Anhöhe. Die hieher gehörenden Weideplätze sind: der Hof, das Hägle, der Hohengern, der obere Bachersatz, der untere Bachersatz und das Gündle. Wasserquellen findet man im Hof 2, im obern Bachersatz und im Hohengern. Der einzige angränzende Bergkopf ist der sogenannte Habaum. Von den 24 hier weidenden Kühen gewinnt man 24 Ztr. Käse und 3 Ztr. Butter.“
1894 erwarb Prinzregent Luitpold die Alpe und fügte sie in sein Jagdgebiet ein. Um 1945 weideten auf der Alpe im Sommer 49 Kühe. Später ist die Alpe nur noch als Galtalpe beschlagen worden. 1998 wurde sie als Teil des sogenannten „_Prinzenbogens_“ vom Hause Wittelsbach an den Stuttgarter Unternehmer Manfred Kurrle verkauft, der seinen erworbenen Besitz im Jahr 2006 in die „Stiftung Allgäuer Hochalpen“ überführte.
Warum sie im Vergleich zu anderen Alpen erst so verhältnismäßig spät (1832) urkundlich genannt wird, mag daran liegen, dass sie vielleicht ursprünglich ein Teil der Linkersalpe (heute Enzianhütte) war.
Die schon im Jahre 1450 erstmals schriftlich genannte Linkersalpe liegt auch auf der Ost-Flanke des Rappenalper Tales, am Nordwest-Fuß des Linkerskopfs. Aufgrund der urkundlichen Belege kann kein Zweifel bestehen, dass einstmals auch die Alpe Buchraine_n dazugehörte. Ebenso wird im 18. Jahrhundert die _Breitengehren-Alpe zeitweise zur Linkersalpe gezählt. Möglicherweise gilt das auch für das Petersälpele, weil es eben erst im 19. Jh. als eigene Alpe bezeugt ist.
Von der ersten Nennung an war die Linkersalpe stets im Besitz weniger. Da sie als Ganzes verkauft und schließlich aufgeteilt wurde, zeigt deutlich, dass sie nie eine Genossenschaftsalpe war, wie die anderen großen Galtalpen des Oberstdorfer Gebietes. Daher scheint es gut begründet, wenn der Name vom Personennamen Lingg abgeleitet wird.
Zum Christlessee schreibt J.N. Stützle folgendes:
„Der Christles-See, wegen seiner blauen Wasserflecken auch der blaue See genannt, liegt im Spielmansauer-Thale hart an der Straße, die nach Spielamnsau führt, zur Linken, 1,5 Std. vom Markte südlich entfernt. Seine Größe beträgt circa 12-15 Minuten im Umfange.
Er wird vorzüglich gebildet durch eine klare Quelle, die einige Schritte südlich vom See entspringt und ihm Forellen zuführt. Gegen Norden hat er einen Ausfluß, der sich unter dem Namen „Seebach“ in die Trettach mündet.
Am Rande des See’s erblickt man unter dem Wasserspiegel mehrere in einander verwickelte Tannenstämme, die vor vielen Jahren durch eine Windlavine vom nahen Bergrücken des Himmelsschrofen dahin geschleudert wurden, und
fortwährende Zeugen sind der Macht Gottes in der erhabenen Gebirgsnatur. Die um den See liegenden Wiesen werden Seewiesen genannt, in denen man einige Futterhäuser findet, welche gewöhnlich bei den Vor- und Nachweiden genutzt werden.“
Früher hieß der Christlessee Trettachsee. Später erscheint bei Otto Sendtner („Die Vergetationsverhältnisse Südbayerns“) und Dr. Ignaz Familler („Die Laubmoose Bayerns“) der Name Godesrieder See . Diese Bezeichnung leitet sich wahrscheinlich von dem nahe gelegenen Gottenried (Gotto = Eigenname; riot = Rodung) ab .
Der Name Christlessee bürgert sich erst recht spät ein. Steiner meint, dass er vom Vornamen Christian stammen könnte, da der See nachweislich schon 1804 im Besitz einer Familie Jäger war, von der ein 1764 verstorbener Christian Jäger (auch Jeger) bekannt ist. Im Jahre 1852 erwarb dann ein Johann Brutscher durch Heirat den See. Sein Hausname war Kristler, was sicher zur Festigung des Namens beitrug.
Hinsichtlich der Verbindung Petersälpele und Christlessee ist jedoch der Hinweis auf Christian Jäger interessant.
Christian Jäger entstammte der sehr alten Oberstdorfer Familie der Jeger oder Jäger, genauer der Kürschnerfamilie Jäger mit dem Hausnamen „_Geagl_“ von der Hausnummer 154 in der heutigen Weststraße (Kürschner = ein Handwerker, der Tierfelle zu Pelzbekleidung und anderen Pelzprodukten verarbeitet).
Christians Vater war der Kürschnermeister Peter (_Petrus_) Jäger (30. 06. 1659 - 27.05. 1726). Dieser Peter Jäger wurde von den Bürgern Oberstdorfs, Rubi, Reichenbach und Schöllang 1722 zum Gerichtsammann gewählt. Seine Aufgaben waren umfangreich und seine Entscheidungen besaßen großes Gewicht.
Peter Jäger führte das Grundbuch des Gerichts Oberstdorf, das er auch verändern oder berichtigen durfte. Er vollzog Erbteilungen, verfasste und beglaubigte Testamente, schrieb Weideanteile nach eingehender Prüfung um. Als ranghöchster Beamter des Ortes war er auch Beisitzer beim Hochgericht.
Im Rahmen seiner Tätigkeit als Gerichtsammann war er auch siegelberechtigt, das heißt, dass er ein sogenanntes Petschaft führen durfte. Das Petschaft ist ein kleiner Stempel mit einem eigenen Siegelzeichen, mit dem auch Jäger Urkunden, Verträge oder Ähnliches beglaubigte.
Das Petschaft des Peter Jäger zeigt einen arabischen Vierer mit Querstrichen auf einem Herzen und enthält seine Initialen. Das Petschaft seines Sohnes Christian ist mit dem seines Vaters bis auf die Initiale des Vornamens identisch. Obwohl nicht überliefert ist, dass Christian Jäger ein öffentliches Amt ausübte, durfte er wohl das Familienpetschaft weiterführen.
Im Mai 1726 klagte Peter Jäger beim Landammann in Fluhenstein gegen seinen Schwager Elias Huber, dem Forstwart des Landammanns. Dieser Elias Huber aus Oberstdorf ging Jägers Meinung nach zum hart gegen Holzsammler im Oberstdorfer Gemeindegebiet vor.
Einige Zeit nach dieser Klage wird Peter Jäger im Dunkeln überfallen und schwer verletzt. Im Mai 1726 stirbt er dann an den Folgen dieser Verletzungen. Der Täter konnte nie gefasst werden.
Dieser Peter Jäger, Kürschner und Gerichtsobmann war aber wohl der Namensgeber des Petersälpele. Schon um 1500 besaß die Sippe der Jäger umfangreiche Weideanteile in der Alpgemeinschaft „Buochrainen“ und „_Linggersalb_“.
Während dieser Zeit ist diese Alp vom Fürststift Kempten durch Tausch an das Adelsgeschlecht derer von Monfort gekommen. Die Jägersippe sah sich daher wegen ungeklärter Weiderechte gezwungen, gegen die neuen Grundherren zu klagen. Peter Jäger gelang es tatsächlich mit seinem großen Weidebesitz einen „Ausbruch“ aus dem Alpgebiet zu erhalten. Er konnte also um 1720 sein eigenes Älpele, das Petersälpele gründen.
Peters schon mehrfach erwähnte Sohn Christian Jäger (11. Mai 1695-25. Juni 1764, wohnhaft im Haus 154) richtete sein wirtschaftliches Interesse hauptsächlich auf das Trettachtal. Hier erwarb er am Glaserberg umfangreichen Wiesenbesitz.
Der Glaserberg ist ein größeres Wiesengelände, das am Osthang des Himmelschrofenzuges vom Renneblock bis zum Kreuzlesbichel und bis 1804 sogar bis zum Christlessee gereicht hat. Zu Christian Jägers Zeiten stand am Christlessee schon ein Haus, das er bis an den See heran versetzte, an die Stelle, wo heute das Gasthaus steht.
Letztendlich besaß Christian Jäger Land für 38 Laiten Heu, was 76-80 Buurden entspricht, auf einem Gebiet rund um den Christlessee bis fast in die Truppersoy hinein (eine Buurde ist ein verschnürtes Bündel Heu und wiegt ca. 2 Zentner). Weiterhin nannte er auch einen umfangreichen Waldbesitz im Seewald sein Eigen, wo heute noch einige Waldparzellen den heutigen Nachfahren der Familie Jäger (Geagl) gehören.
So weit das Petersälpele und der Christlessee voneinander entfernt liegen, so eng sind sie doch aufgrund ihrer Namensgeber verbunden.
–––
Literatur:
• Johann Nepomuk Stützle, Die katholische Pfarrei Oberstdorf, inktank publishing, 2018
• Heinrich Bernhard Zirkel und Werner Grundmann, Geschichte des Marktes Oberstdorf, 3. Teil, hrsg. Vom Markt Oberstdorf, 1976
• Thaddäus Steiner, Allgäuer Alpnamen, Verlag für Heimatpflege Kempten, 1980