Alte Flächen- und Hohlmaße, die einst auch in Oberstdorf gebräuchlich waren

von Leo Huber am 01.06.2014

Flächenmaße

Das Viertelsaat war im gesamten Allgäu bis weit unter Memmingen hinab anzutreffen, ebenso im Fürststift Kempten und in der Grafschaft Königsegg-Rothenfels sowie auch im gesamten Ostallgäu. Es gab geringe Unterschiede zwischen den Oberallgäuer Feldmaßen und den Königseggischen, diese waren aber unerheblich.

Alle Felder und Äcker um ein Dorf herum wurden in Viertelsaat (in alten Steuerlisten auch „Viertlsaath Veldt”) gerechnet als kleinste Flächeneinheit. Die Oberstdorfer rechnen heute noch ihren ebenen Talboden in Viertelsaat: in 2013 waren das 5.985.

Die nächst größere Flächeneinheit war das Scheffelsaat; es folgte das Jauchert.

Die Maßbezeichnung Viertelsaat hat seinen Ursprung darin, dass man ein Viertelmaß (= Hohlmaß) Saatgut benötigte, um die genannte Fläche einzusäen. Ein Viertelmaß hatte ein Volumen von ca. 9,84 bis 10,17 Liter, das Saatgut war, je nach Art des Korns, 4,5 bis 7,3 kg schwer.

Nun interessiert natürlich, wie groß ist bzw. war denn so ein Viertelsaat- Feld? Geschichte des Marktes Oberstdorf, Band 3, S. 178.

1 Viertelsaat ist ein Achtel Tagwerk (seit 1819 Feldvermessung) 1 Viertelsaat entspricht demnach 425,9 qm
8 Viertelsaat sind ein altes Scheffelsaat (seit 1819 - 1 Tagwerk)
12 Viertelsaat ist ein altes Jauchert1)

Die Laytin, auch Leutin, Leiti, Lita

Für die Wiesen und Bergmähder verwendeten unsere Vorfahren die Laytin als Ertragsmaß. In alten Steuerbüchern ist z. B. vermerkt: „... er hat 1 Wiß zu Freyenberg so 6 Laytin Heu gibt ...”. Die Flächengröße war also nicht so wichtig, von Bedeutung war der Ertrag bzw. die Ausbeute an Heu im Sommer. Ob dafür ein halber oder ein dreiviertel Hektar zur Verfügung stand war zweitrangig. Dies galt auch für eine größere Buind bei einem Anwesen im Dorf. Dann wurde im Steuerbuch eingetragen: „... hat Haus, Hofstatt und Wurzgarten und Baindt so 1/2 Laytin Heu gibt ...”. Flurnamen wie In der Leite („i de Litena”) am Jauchen oder Hochleite sind Relikte aus jener Zeit.

Welchen Heuertrag hatte nun so eine Laytin? Dazu gibt uns die Kornauer Gemeindeordnung von 1629 eine Antwort:

Auf die Kornauer Viehweiden durfte im Frühjahr nur das selbst gewinterte Vieh ausgetrieben werden. So wurde es auch in Oberstdorf gehalten. Damit wollte man eine stärkere Belastung der Weiden durch erhöhten Viehbestand im Frühjahr zum Weideaustrieb verhindern. Heu, welches man auswärts z. B. auf den Wiesen am Jauchen oder in Oberstdorf geerntet hat, wurde mit einem Einfuhrzoll belegt. Dafür waren zu bezahlen für 1 Laytin 2 Batzen und für 1 Burde 1 Batzen. Daraus ist zu schließen, dass 1 Laytin 2 Burden Heu waren. Demnach wäre 1 Laytin etwa 4 bis 6 Zentner oder auf einem Heuwägele zwei Mal Überladen („Ibrladat”).

Hohlmaße

Das alte Oberstdorfer Viertelmaß hatte rund 10 Liter Fassungsvermögen (9,84 bis 10,17 Liter).
Beim Memminger Maß fasste ein Viertel ca. 7,3 kg Roggen, 4,5 kg Haber und 4,0 kg Vesen.
Eine kleinere Einheit war das Ihmi. 1 Viertelmaß beinhaltete 4 Ihmi5). 8 Viertelmaß waren 1 Scheffel oder 1 Malter. 1 Ihmi hatte also ca 2,55 Liter Fassungsvermögen. Es war auf den Oberstdorfer Märkten das am meisten gebrauchte Mengenmaß.

Flächen - Heft 64

Alte Hohlmaße, wie sie einst auch in Oberstdorf in Gebrauch waren. (Aufbewahrt im Heimatmuseum Oberstdorf.)

Das Ihmi findet auch im Schöllanger Urbar von 1520 Erwähnung. Hier wurde festgelegt, dass bei den verbrieften Jahresmessen für die Verstorbenen von einem Drittel des eingenommenen Geldes jährlich Brot zu backen ist, das dann Bedürftigen zu schenken sei. Dazu heißt es: „3 Brote oder Zeltin für arme Leut am St. ewig Abend [31. 12.] Jedes Brot oder Zeltin soll aber 1 Ihmi Mehl halten [= 2,55 Liter oder ca. 1,72 kg Mehl]”. Damit war die Größe des Brotes oder Zelten gesichert. Im Urbar von 1520 werden 39 Brote angegeben. Um ein Vielfaches mehr darf für Oberstdorf angenommen werden. Die Brote wurden meist um Weihnachten bis Silvester gereicht. Bis in unsere Tage war es der Brauch, „Neujahrswünschern” eine Scheibe „Bierezealte” anzubieten.

Erwähnung findet das Ihmi u. a. auch in der Chronik des Joseph Ignaz Math: „1801 den 11. Aug. hat Josef Renn, Zimmermeister allhier das Kreuz und den Knopf ab dem Turm [der Pfarrkirche] getan. [...] Der Knopf hat ein Durchmesser 2 1/3 Sch[uh]. und geht 13 Ihmi Kern [33,15 Liter] hinein und wiegt 29 Pfd.

Im Oberstdorfer Heimatmuseum sind die alten Einheitsmaße in Form von geeichten Holzbehältnissen ausgestellt. Die Maße im einzelnen:

1/4 IhmiØ 12 cmHöhe 8 cm
1/2 IhmiØ 12 cmHöhe 19 cm
1 IhmiØ 25 cmHöhe 13 cm (2,55 Liter)
2 IhmiØ 29,5 cmHöhe 18 cm
1 MetzenØ 37 cmHöhe 23 cm

Einige Memminger Maße:

Roggen1 hl = 73 kg1 Viertel = 7,3 kg1Ihmi = 1,83 Liter
Haber1hl = 43,5kg1 Viertel = 4,5kg1 Ihmi = 1,13 Liter
Vesen1 hl = 40,0 kg1 Viertel = 4,0 kg1 Ihmi = 1,0 Liter

Meist war am Schluss der Maß- und Mengenangaben noch vermerkt: „3 Stöß ein Rieb”, d. h. nach dem Befüllen durfte das Maß drei Mal auf den Tisch gestoßen werden, damit sich z. B. das Mehl setzte. Danach wurde mit einem Holzstock Überschüssiges abgestrichen.

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