Hausgeschichte des Oberstdorfer Heimatmuseums – anlässlich der Renovierung im Sommer 2013

von Alexander Rößle am 01.12.2013

Im Sommer 2013 wurde die Außenfassade unseres Museums renoviert. Bei dieser Gelegenheit entfernten wir vom Museumsverein, unter der fachkundigen Leitung unseres Museumpflegers Karl Schädler, selbst die Schindeln am Altbau. Darunter kam der alte Blockbau des ursprünglichen Gebäudes in einem überraschend guten Zustand zum Vorschein. Nach Inaugenscheinnahme der freigelegten Balken konnte selbst ich als Laie verschiedene Baustufen deutlich verfolgen. Natürlich ist dies keine Bauaufnahme mit wissenschaftlich-fundiert beschriebenen Um- und Ausbaustufen. Dies bleibt einem Fachmann überlassen. Viele Fragen zur Baugeschichte des Bauernhauses können jetzt bestätigt oder gar geklärt werden.

Heimatmuseums - Heft 63

Bei der Renovierung der Außenfassade konnte die alte Balkenkonstruktion wieder sichtbar gemacht werden.

Aus diesem Anlass habe ich eine kleine Geschichte dieses Oberstdorfer Hauses erstellt. Hierzu habe ich Material u. a. aus den Jubiläumsheften des Museums, aus den Heften „Unser Oberstdorf” und aus den Kirchenbüchern zusammentragen. Außerdem haben mir viele Personen mit weitergehenden Informationen geholfen. Eine Auflistung findet sich am Ende des Aufsatzes.

Wilhelm Math datierte den Bau des Hauses in der Oststraße, mit der alten Nummer 82, in das Jahr 1620. Dies wird jetzt durch eine freigelegte Inschrift bestätigt, welche sich direkt unter dem First befindet. Natürlich war dieser Balken früher noch unter dem Dach des ursprünglichen, zweistöckigen Gebäudes eingebaut und wurde erst 1848 beim Aufstocken mit nach oben versetzt.

Wie alle Bauernhäuser in Oberstdorf wurde es in sogenannter Blockbauweise ausgeführt. An den Ecken wurden die ca. 14 cm starken, gehauenen Balken verzinkt, d.h. leicht schräg gestellt (Schwalbenschwanz) und vermutlich gedübelt. Eine Vernutung, Schloss genannt, welche die Konstruktion winddicht gemacht hätte, besaß es noch nicht. Es war also kein echter „geschlossener” Blockbau. Zur besseren Isolierung wurden die Balken insgesamt in ihrer Auflagefläche leicht hohl behauen und die Fugen mit Moos gestopft.

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Heute wieder sichtbare Verzinkung der Balkenkonstruktion.

Wenn man damals zu der nach Süden ausgerichteten Eingangstür unter dem First eintrat, war man schon in der sogenannten Flurküche. Dort wurde auf offenem Feuer gekocht. Der Rauch zog durch das Treppenhaus nach oben unters Dach, denn einen Kamin gab es noch nicht. Von hier führten Türen nach links zur Stube und nach hinten zu Schopf und Stall. Außerdem gelangte man über eine Treppe hinauf in den 1. Stock, wo sich die Buben- und Feeleschlafkammern befanden. Hier schliefen die älteren Kinder und auch die Mägde und Knechte. Dies war damals schon eine Weiterentwicklung, da die meisten Häuser bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts meist einstöckig gebaut wurden. In unserem besonderen Fall wurde auch mindestens die Süd- und Ostseite des 2. Stockes in Blockbauweise ausgeführt, was die Wärmeisolierung deutlich verbesserte. Das konnte sich damals nicht jeder leisten, weshalb meist billigere und kostensparende Spundwandkonstruktionen eingesetzt wurden. Diese Bauweise wurde nur auf der nördlichen Seite des 1. Stockes verwendet, was im Feuerwehrraum des Museums deutlich zu sehen ist. Der größte Raum im Haus war die Stube (Wohnzimmer).

Noch wissen wir nicht viel darüber wie sie vor 400 Jahren eingerichtet war. Auf jeden Fall befand sich rechts von der Türe der weiß geputzte Ofen, dessen Rauch damals aber auch noch durch die Flurküche abzog. Er erwärmte das Gaden (Schlafzimmer) und die anderen Räume im 1. Stock leidlich mit. Links von der Türe stand noch eine Liechte (offener Feuerplatz). Auch auf ihr wurde gekocht. Deren Rauch entwich über eine Art Kamin, der gewöhnlich aus Weidenruten geflochten und dann verputzt wurde. Er endete unter dem Dach. Vorteil dieser Rauchführung war, dass das Dach und auch die im Dachboden gelagerten Materialien und Feldfrüchte durch Räuchern automatisch vor Insekten geschützt und haltbarer gemacht wurden. Dass diese Rauchentwicklung im Haus auf der anderen Seite gesundheitlich sehr bedenklich und dazu noch „brandgefährlich” war, liegt auf der Hand. Im Gaden schliefen die Eheleute und die kleinen Kinder. Schränke gab es damals übrigens noch nicht, das Wenige, was an Stoffen verstaut werden musste, lagerte in den Drucke (Truhen). Die Böden und Decken waren 8 – 10 cm dicke Läden (Dielen) mit Nut und Feder, die in einer Fuge an der Wand eingelassen wurden. Da die Hölzer noch eine Zeitlang schwanden, hätten sich Klumsen (Spalten) entwickelt. Aus diesem Grund wurde der letzte Laden von Außen eingeschlagen, weshalb man ihn auch Triebladen nennt. Diese Schlitze kann man jetzt auch wieder deutlich an der Außenfassade erkennen.

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Heute wieder sichtbare Triebläden auf der Straßenseite.

Der Dielenboden und auch die Decke sind in Stube und Gaden ursprünglich erhalten. Damit ist auch erwiesen, dass die beiden Räume von Anfang an unterkellert waren. In einem der beiden Kellerräume befand sich mit großer Sicherheit der Webstuhl. Der aus Flachs gewonnene Leinenfaden verlangte für seine weitere Bearbeitung ein kühles und feuchtes Raumklima. Die Wand, die heute Seilerei und Gang trennt, zeigt auf der nördlichen Seite keine Verwitterungsspuren. Dies deutet meines Erachtens ziemlich sicher darauf hin, dass an die Flurküche nach Nordosten von Beginn an ein kleinerer, längsseitig angebrachter Schopf, oft auch Wagenschopf genannt, angebaut war. Im nordwestlichen, großen Schopf befand sich das zur Oststraße führende große Schopftor, gleich im Anschluss an das Wohnhaus. Dort war auch der Stall integriert. Das gesamte Anwesen war durch einen durchgängigen Dachstuhl geschützt. Man spricht deshalb auch von einem Mittertennenhaus. Die ungefähr um die gleiche Zeit von Walsern gebauten Häuser in Gerstruben hatten im Gegensatz dazu getrennte Wohn- und Wirtschaftsteile.

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Versuch der Rekonstruktion des Hauses nach dem Bau um 1620 (ohne Längsstadel).

Mit seiner Südwestseite stand das Anwesen parallel zur Oststraße, so dass sich zwischen Haus und Straße ein kleines Gärtchen ergab. In diesem, etwas südlich vom Haus gelegen, befand sich früher noch das Bildstöckchen. Von hier aus führte die Organistengasse (heute Lorettostraße) hinaus in Richtung Birgsau. Dies war damals der einzige Weg, über den man in die südlichen Wiesen gelangen konnte und man verweilte am Bildstöckchen zu einem kurzen Gebet, bevor man den Ort verließ.

Doch wer hat im Jahr 1620 das Haus errichtet? Die Informationen hierüber sind recht spärlich. Gerade hatte der Dreißigjährige Krieg begonnen und es sollten bald schreckliche Jahre über Oberstdorf hereinbrechen. Sie gipfelten im „großen Sterben” 1634/35, als 700 Oberstdorfer der Pest erlagen. Für das Jahr 1637 kann Heimatforscher Leo Huber, der alte Urkunden durchforstet und dem Museum eine Zusammenstellung der ehemaligen Hausbesitzer übergeben hat, einen Georg-Caspar Brutscher nachweisen. Ihm gehörte übrigens auch die Hammerschmiede, die südlich des heutigen Kohlplätzles stand. Von Georg-Caspar wissen wir auch, dass er das Haus von einem gewissen Melcher Schraudolf übernommen hat. In welchem Jahr dies geschah, bleibt unbekannt. Leider gibt es in dem möglichen Zeitraum zwei Männer mit diesem Namen. Leo Huber ist sich jedoch sicher, dass es derjenige war, der mit seiner Frau Christina Hindelang und mindestens dreien seiner Kinder 1635 in Gruben von der Pest dahingerafft wurde. Die Nachfahren von Georg-Caspar Brutscher blieben dann für längere Zeit im Besitz des Hauses. Dabei muss festgehalten werden, dass die ersten Generationen weniger begütert waren und dass auf dem Haus oft zwei Besitzer nachweisbar waren. Mitte des 18. Jahrhunderts heiratete jedoch ein Johannes Brutscher eine Johanna Titscher. Ihr Vater besaß zu diesem Zeitpunkt die zweite Haushälfte und er übertrug diese nach der Hochzeit dem Brautpaar. Als Johannes starb, vererbte er u. a. 1 Ross, 4 Kühe, 1 Kalbl und 1 Gaiß. Damit war er sicher als wohlhabend einzustufen. In dieser Zeit stand auf jeden Fall das Geld zur Verfügung, um eine größere Erweiterung durchführen zu können. Mit Hilfe einer Anfasssäule wurden um das Jahr 1800 eine Küche und ein weiterer Raum (zurzeit Seilerei) angebaut. An der Hausfassade ist dies deutlich sichtbar.

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Mit Hilfe der senkrechten Anfassäule (in Bildmitte) wurde der Anbau (Küche) an den Altbestand angehängt.

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Versuch der Rekonstruktion des Hauses nach dem ersten großen Umbau um 1800.

Als im Jahr 1804 Augustin Brutscher kinderlos verstarb, verkaufte seine Witwe den Besitz für 900 Gulden an einen Ignaz Brutscher. Die Namensgleichheit verwirrt ein wenig, aber es ist eine gänzlich andere Familie. Sie ist bekannt unter dem Hausnamen „Edelmändler”. Ignaz stammte aus der Pfarrstraße Nr. 140 und war außerdem Eigentümer der Edelmändlersalp (inkl. Käserstatt) im Traufbachtal, also ein wirklich betuchter Bauer. Auch er könnte es natürlich gewesen sein, der den oben erwähnten Umbau stemmte. Vielleicht war er es, der in der Stube gleich zwei Standuhren aufstellen ließ, um zu zeigen, wie reich die „Edelmändlers” waren?

1843 übergab er den Besitz an seinen Sohn Thaddäus Brutscher. Aufgrund der Inschrift unter dem First können wir sicher sagen, dass er das Anwesen 1848 mit einem zusätzlichen Geschoss deutlich erweiterte. Wahrscheinlich kamen damals auch die weiteren Räume (heute Webstuhlraum) im Nordwesten dazu und vermutlich wurden zu diesem Zeitpunkt auch die drei kleinen Fenster an der Straße durch zwei größere ersetzt. Die damals vorgenommen Ausbesserungsarbeiten sind deutlich erkennbar. An eingestemmten Löchern in Höhe der Decke über dem Erdgeschoss lässt sich erkennen, dass das Gebäude einen Umgang besaß. Im Dachgeschoß wurden giebelseitig vier Fenster eingebaut. Um die Symmetrie wieder herzustellen, wurde auf der rechten Seite ein Fenster aufgemalt und mit einem Holzrahmen versehen. Das dürfte vielen gar nicht aufgefallen sein!

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Die beiden heute noch funktionierenden Uhren wurden um 1800 gefertigt.

Thaddäus Brutscher hatte im Jahr zuvor seine gesamte „Edelmändlers Alpe” verkauft und somit eine beträchtliche Summe zur Verfügung. Im Jahre 1860 wurde in einem der beiden Kellerräume eine Sennerei eingerichtet, die bis 1908 in Betrieb war. Thaddäus und seine Frau Katharina blieben kinderlos und hatten anscheinend kein gutes Verhältnis zu ihren leiblichen Verwandten. Aus diesem Grund entschieden sie sich, ihren Besitz an Barbara Köcheler zu vermachen, die nach Katharinas Tod 1858 als Hauserin (Haushälterin) den Haushalt für den Witwer führte. Thaddäus Brutscher starb 1879; aus dem „Edelmändlers-Hüs” wurde „bu Lônzars Barblen Hüs”.

In der Zwischenzeit hatte der Fremdenverkehr in Oberstdorf Einzug gehalten und im gesamten Ortszentrum entstanden nach dem Brand 1865 moderne, helle Häuser. Viele hatten fließend Wasser und modern eingerichtete Gästezimmer. Die alten, schwarz gebrannten Bauernhäuser im oberen und unteren Markt wurden zum Sinnbild für Armut und Rückständigkeit. Dort wollten die „Sommerfrischler” nicht unterkommen. Aus diesem Grund wurden um die Jahrhundertwende viele alte Häuser verputzt oder geschindelt. Das Schindeln war zu einer kostengünstigen Alternative geworden, nachdem in der zweiten Jahrhunderthälfte Fabriknägel auf den Markt kamen

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Bei der Erweiterung 1848 wurde das Erdgeschoss im Neubauteil (Webstuhlraum) gemauert.

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Barbara Köcheler (re.), die Hausbesitzerin von 1879 bis 1916, mit ihrer Schwester Elisabeth.

Handgeschmiedete Nägel wären für so eine Maßnahme zu teuer gewesen. Um die 160.000 Nägel wurden gebraucht, um ca. 80.000 Schindeln am Haus Nr. 82 zu befestigen. Barbara Köcheler soll um 1895 ihren gesamten landwirtschaftlichen Grundbesitz, der zum Hof gehörte, verkauft haben. Deshalb besaß sie für diese Modernisierungsmaßnahme das notwendige Kapital. Wann die Schindelung erfolgte, kann nicht genau bestimmt werden. Auf jeden Fall ist die Fassade auf den ältesten mir bekannten Fotos um das Jahr 1905 nicht mehr schwarz, sondern hell.

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Älteste mir bekannte Postkarte mit dem Museum (rechts). Deutlich sichtbar sind die Schindeln.

Da auch Barbara Köcheler keine Kinder hatte und sehr sozial eingestellt war, stiftete sie das Anwesen 1916 an die Gemeinde. Sie verband damit den Auftrag, eine Kinderbewahranstalt einzurichten. Diese fand jedoch in der 1906 neu gebauten Volksschule eine Bleibe, weshalb man im Jahre 1920 die Stiftung umwandelte und das Haus künftig für Notwohnungen für sozial schwächere Bürger nutzte.

Eigens dazu wurde 1921 der landwirtschaftliche Trakt umgebaut und sechs Wohnungen auf drei Stockwerken erstellt. Dafür wurden auch Gauben zu Belichtung des Dachgeschosses eingebaut. Im Altbau befanden sich je eine Wohnung im Parterre und im ersten Stock sowie zwei weitere Wohnungen unter dem Dach. Um dem Stiftungszweck Genüge zu tun, mussten die Mieteinnahmen aus der Parterrewohnung, damals rund 480 Reichsmark im Jahr, dem ursprünglichen Stiftungszweck zugeführt werden.

Als 1931 Malermeister Wilhelm Geißler aus dieser Wohnung auszog, wurde der Weg frei für das Museum. Seine Parterrewohnung, die beiden Kellerräume und die Altbauzimmer auf der Straßenseite im ersten Stock, also neun Räume und ein Hausflur, standen nun zur Verfügung, um das umfangreiche, vom Trachtenverein seit 1926 gesammelte Museumsgut aufzunehmen. Dieses war bis dahin auf dem Dachboden der Volksschule zwischengelagert. Doch nun musste ein Problem gelöst werden: Wie sollten die restlichen Bewohner künftig in ihre Wohnungen gelangen? Mit einer Außentreppe und der Trennung des Flures im ersten Stock wurde auch dieses gelöst. 1932 konnte der Museumsausschuss des Trachtenvereins, bestehend aus Wilhelm Math, Sepp Joas, Thaddä Jäger und Karl Hofmann, das neu eingerichtete Museum, mit einem „echten Oberstdorfer Heimatfest”, der Öffentlichkeit übergeben.

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Damit die Mieter in ihre Wohnungen kommen konnten, wurde bei der Museumseröffnung 1932 eine Außentreppe erstellt.

Doch kaum eröffnet, war das Museum wieder zu eng. Da keiner der anderen Mieter vorhatte, in absehbarer Zeit auszuziehen, ging man in den Untergrund und grub im Winter 1933/34 in mühseliger Hand- und Fronarbeit die restlichen Räume unter dem Altbau aus. 957 Schubkarren voll Erde wurden ausgehoben. Die Hammer- und Nagelschmiede fanden dort Platz. Im Winter 1934/35 ergriff man abermals Schaufel und Pickel und grub einen Platz aus für die Enzianbrennerei des Thaddäus Blattner.
Aber dann kam der Krieg und das Museum schloss für ein Jahrzehnt seine Tore. In diesen Notzeiten wurden die Räume teilweise fremd genutzt, unter anderem lagerte man in der Stube zeitweise Krautköpfe für einen Hotelbetrieb. Vieles wurde zerstört, requiriert oder gestohlen.

Als Wilhelm Math 1949 wieder aus der Gefangenschaft heimkehrte, begann er sogleich, zusammen mit einigen Helfern, mit den Aufräumarbeiten. Am 7. August konnte das Museum wieder geöffnet werden, doch eine Erweiterung war nicht in Sicht, denn die Wohnungen wurden dringend benötigt. Während des Krieges und in den Jahren danach mussten über 3.000 Menschen zusätzlich in Oberstdorf untergebracht werden. Erst in den Sechzigerjahren entspannte sich die Situation und im ersten Stock wurden einige Räume frei. Diese nutzte das Museum jedoch zuerst für unbedingt notwendige Archiv- und Depotzwecke. In der Zwischenzeit hatte Hans König das Amt des Museumswartes unter dem Vorsitzenden Josef Rees übernommen. Mitte der Siebzigerjahre entspannte sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt deutlich und sukzessive konnten der neue Museumpfleger Eugen Thomma und der Vorsitzende Peter Weiß das Museum erweitern. 1981 erstreckte sich das Museum auf 550 qm mit 30 Räumen. Endlich konnte auch ein besucherfreundlicher Rundgang eingerichtet werden. Die damalige Themenbelegung der Räume ist bis auf wenige Ausnahmen bis heute gleich geblieben. Die Lager- und Arbeitsräume und auch ein Besprechungsraum wanderten unters Dach.

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Der Sonderausstellungsraum im Jahr 2007 mit der Ausstellung zum Jubiläum der Volksschule.

Im Jahr 1983 fand dann die vorerst letzte große Umbaumaßnahme statt, der Keller unter dem Nordteil des Museums wurde ausgegraben. Diesmal musste die Baumaßnahme nicht in Fronarbeit geleistet werden, der Ausschuss leistete sich eine Baufirma, die das Ausbringen mit schwerem Gerät vornahm. Neben dem Treppenhaus und zwei weiteren kleineren Räumen entstand unser großer Sonderausstellungsraum, der von 1984 bis 2010 jährlich mindestens eine Sonderausstellung beherbergte.

Als zu Beginn der Neunzigerjahre die letzten Mieter das Haus verließen, ging das Haus endlich in die alleinige Verfügung des Museumsvereins über. 38 Räume mit über 700 qm Ausstellungsfläche durfte der gerade neu gegründete Verein „Heimatmuseum Oberstdorf e.V.” von nun an betreuen. Für die Arbeit „hinter den Kulissen” (Depot, Werkstatt, Büro, Bibliothek) wurden weitere rund 200 qm unter dem Dach genutzt. Jetzt konnte auch die Außentreppe entfernt werden, was im Zuge der letzten Außenrenovierung im Jahr 1993 geschah. In diesem Jahr wurde auch die neue Außentüre gesetzt und ein Dächle über dem Eingang angebracht. Nordwestseitig konnte nun das neue Treppenhaus für das Museum genutzt werden.

Im Jahre 2001 wurde auf Eugen Thommas Initiative ein Erweiterungsbau im Hof geplant, der durch einen Tunnel mit dem Haupthaus verbunden werden sollte. Sogar die Baugenehmigung für das 1,5 Millionen-Projekt, in dem u. a. eine Ausstellung zum Thema „Geschichte des Tourismus” Platz finden sollte, war erteilt. Doch leider erfuhr es wenig Unterstützung durch die Politik und als dann von dieser Seite 2004 der Vorschlag kam, die Tourismusabteilung im leerstehenden Rathaus zu installieren, musste die Idee auf Eis gelegt werden. Aber auch der neue Vorschlag wurde nach einem Jahr Diskussion aus Finanzierungsgründen wieder abgeschrieben. Im Jahre 2007 – in der Zwischenzeit waren Karl Schädler und Fritz Schlachter Museumspfleger und Albert Vogler Vorsitzender des Vereins geworden – wurde eine neue Erweiterungsidee geboren. Statt eines Neubaus sollte das „Lexar Hüs” in den Museumshof versetzt werden. Wieder waren hauptsächlich Fnanzierungsgründe Schuld, dass auch dieser Vorsatz begraben werden musste.

2010 wurde der Sonderausstellungsraum im Keller durch das Wasserwirtschaftsamt umgebaut, das dort die Sonderausstellung „Urgewalt des Wassers – Wildbachverbauung einst und jetzt” einrichtete. Diese Ausstellung wird für mehrere Jahre erhalten bleiben.

Vielleicht waren die frustrierenden Erfahrungen der vorhergehenden Jahre ausschlaggebend, dass man sich in der Vorstandschaft wieder auf das Gebäude selbst besann. Nach langer Suche konnte, zusammen mit dem Verschönerungsverein, ein Depotraum angemietet werden. Besonders wertvolle Objekte unseres Archives wurden dorthin ausgelagert und Räume unter dem Dach wurden frei. Um das Museum noch attraktiver und funktionaler zu gestalten, wurde die Sanierung des Obergeschosses angegangen. Ein großer Raum, der nach Bedarf entweder für eine Sonderausstellung oder als Vortragsraum genutzt werden kann, wurde in den Jahren 2011/12 ausgebaut. Für die erforderliche Fußbodenheizung wurde eine Gastherme eingebaut, bezahlt von der Gemeinde. Sie wurde so dimensioniert, dass sie später die bestehenden, veralteten Nachtspeicheröfen ersetzen kann. Dieser Ausbau wurde mit Hilfe unglaublicher Eigenleistung der Vorstandschaft finanziell in Grenzen gehalten und auch vom Verein mit Hilfe von Sponsoren selbst finanziert. Auf Zuschüsse der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern verzichteten wir, da die angekündigten Auflagen die Kosten unnötig in die Höhe getrieben hätten. Fast ohne Fremdmittel wurde zeitlich im Erdgeschoss eine neue, behindertengerechte Toilettenanlage gebaut. Leider musste hierfür der Raum „Erdgeschichte / Vor- und Frühgeschichte” weichen. Seine Ausstellungsstücke suchen noch einen neuen Platz.

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2012 wurden mehrere Räume unter dem Dach zusammengefasst und ein Vortragsraum geschaffen.

Für 2013 wurde die längst fällige Fassadenrenovierung ausgeschrieben, deren Kosten die Marktgemeinde als Hausbesitzer übernahm. Nach den arbeitsreichen Vorjahren wollte sich die Vorstandschaft des Museumsvereines eigentlich mit Eigenleistungen zurückhalten.

Im Frühjahr sollte die Maßnahme unter der Federführung des Liegenschaftenamtes und des Architekten Marc Horle durchgeführt werden. Vorher wurden mehrere Farbvarianten für den Außenanstrich besprochen. Gemeinsam mit unseren Malern in der Vorstandschaft und dem Denkmalschutz wurden dann zwei Varianten getestet. „Das Ergebnis des Anstrichs hat alle Beteiligten davon überzeugt, dass ein weiterer Anstrich keine Lösung für die Zukunft ist. Die Konturen der vorhandenen Schindelung sind durch die in der Vergangenheit mehrfach aufgebrachten Farben immer mehr verschwommen. Das hätte sich, unabhängig von der Farbe, sehr negativ auf das Gesamtbild der Fassade ausgewirkt. Es sind deshalb alle Beteiligten zu der Auffassung gelangt, das Gebäude neu zu verschindeln. Sollte sich hinter der alten Verschindelung erhaltenswerte Bausubstanz (z.B. gestrickte Holzbauweise) befinden, ist mit allen Beteiligten über die Belassung bzw. Hervorhebung zu reden” (aus dem Sitzungsprotokoll des Bauausschusses).

Diese neue Situation zwang den Museumsverein wieder zum Handeln. Das Ablösen der Schindeln wollten Karl Schädler und seine Mitarbeiter doch lieber selbst übernehmen, um zu verhindern, dass in einer Hauruckaktion etwa erhaltenswerte Bausubstanz durch unsachgemäßen Abriss zerstört würde. Die schweißtreibende Knochenarbeit, bei großer Augusthitze, brachte eine riesige Überraschung zutage. Unter den alten Schindeln kamen die gestrickten Balken des alten Gebäudes aus dem frühen 17. Jahrhundert zum Vorschein. Von nun an übernahm unser Museumspfleger Karl Schädler, zusammen mit einigen Freiwilligen, diesen Teil der weiteren Renovierung der Außenfassade. Die Balken wurden sorgfältig abgebürstet, gewaschen und dann fachmännisch mit alten Mitteln behandelt. Außerdem wurden kleinere „Wunden” geschlossen und „Neues” entfernt. Danach mussten viele kleinere Aufgaben erledigt werden. U. a. wurden die Sockel am Haus wieder hergestellt und gemalt, das Dächle entfernt, die Eingangstüre dem „alten” Aussehen angepasst und der Putz der Teilfassade an der Ostseite ausgebessert und gestrichen. Über Wochen wurde jede freie Minute gewerkelt und geschuftet. Das Streichen aller Fenster und Fensterläden und der gesamten Restfassade führte eine Malerfirma durch. Als dann endlich, kurz vor dem Viehscheid, die Gerüste entfernt wurden, stand das Haus wieder da im „alten Glanze”; ein „Juwel in der Ostraße” oder „die schönste Perle Oberstdorfs”, lobten Oberstdorfer „Hilüegar”.

Anmerkung:
Zum Schluss möchte ich mich bei denjenigen bedanken, die mir geholfen und mich mit Informationen unterstützt haben. U. a. waren das Leo Huber, Marc Horle, Eugen Thomma, Bene und Ariane Kappeler und Karl Schädler.

Die meisten alten Bilder stammen aus dem Archiv des Heimatmuseums.

Wichtigste Literatur:
50 Jahre Oberstdorfer Heimatmuseum, hrsg. vom Gebirgstrachten- und Heimatschutzverein Oberstdorf, Oberstdorf 1982.
Begleiter durch das Oberstdorfer Heimatmuseum, Eugen Thomma, Oberstdorf 2006. Siedlungsentwicklung und Baugeschichte in Oberstdorf und Umgebung, Teil III, VI und VII, Mathias Kappeler und Franz Vogler, in „Unser Oberstdorf”, Heft 12, 15 und 16, Oberstdorf 1987 – 1990.

Zur Geschichte der Alpen im Traufberg, Thaddäus Steiner, in „Unser Oberstdorf”, Heft 46, Oberstdorf 2005.
Hausgeschichte des Hauses Nr. 82, zusammengestellt von Leo Huber,
Anmerkungen zur Baugeschichte des Museums, Marc Horle, 2013, Archiv des Museums.

Kontakt

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1. Vorsitzender
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Brunnackerweg 5
87561 Oberstdorf
Deutschland
Tel. +49 8322 6759

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