Lebendige Quelle für heimatgeschichtlich Interessierte – Physikatsberichte von 1858 – 1861

von Redaktion am 01.06.2016

Volks- und landeskundlichen Beschreibungen u. a. aus den Landgerichten Immenstadt und Sonthofen

Kürzlich erschienen ist in der Schriftenreihe der Bezirksheimatpflege Schwaben zur Geschichte und Kultur nun Band 9, herausgegeben von Bezirksheimatpfleger Peter Fassl und bearbeitet von Gerhard Willi

„Die Physikatsberichte der Stadt- bzw. Landgerichte:
Lindau, Weiler, Kempten, Immenstadt und Sonthofen (1858 – 1861)”.

Bereits erschienen sind die Berichte für die Bezirke in Nordschwaben, Unter- und Ostallgäu. Diese Reihe wird in den nächsten Jahren fortgesetzt, so dass sich ein faszinierendes Bild von der Vielfalt des Alltagslebens in der Zeit um 1860 in Schwaben insgesamt ergeben wird.

Ihren Ursprung haben diese detailreichen Beschreibungen in dem Auftrag von König Maximilian II. von Bayern, zwecks Erhalt eines genauen Bildes seiner Untertanen, diese Physikatsberichte zu erstellen. Als geeignet dafür galten Amtsärzte unter bestimmten Kritrien. Was diese geschaffen haben, ist eine faszinierende Quelle nicht nur für Geschichts- und Kulturspezialisten, sondern auch für jeden, der sich für die Geschichte seiner engeren Heimat interessiert. Beschrieben wurden u. a. Wetter, Klima, Topographie (mit Berg- und Alpnamen), Flora, Fauna, Wohnungsverhältnisse, Ernährung, Kleidung, Sexualverhalten, Volksgesundheit, Krankheiten und Epidemien.

Bei der Beschreibung der Physis und Psyche der Einwohner scheint allerdings manchmal die persönliche Vorliebe oder Abneigung des Verfassers bestimmend zu sein. So schreibt Dr. Rudolph Cheverry, Gerichtsarzt des Landgerichts Sonthofen:

„... gutgebaute und robuste Leute [findet man] ... in der Mehrzahl nur in den nördlichen Theilen ... In den südlichst gelegenen Ortschaften ... nicht selten ... Individuen mit Satthälsen, ... Kröpfen, ja sogar Kretins, Plattfüße [usw.]”

Beim Immenstädter k. Gerichtsarzt Dr. August Heindl heißt es hingegen:

„Den Immenstädter, der seine Ahnenkraft gänzlich vemißt, kann man eher für einen schwächlichen, als kraftvollen Deutschen ansehen ... [er soll noch] im 13ten u. 14ten Jahrhundert [zu] den stärksten Leuten der Gegend [gehört haben]”. Hingegen rühmt er den „Fischinger ... er bleibt bei seinen alten Sitten ... u. ist deßwegen nicht nur der stärkste u. gesündeste, sondern auch der gutmüthigste Unterthan des Bezirks.”

Das empfehlenswerte Buch ist erhätlich im Buchhandel oder beim Wißner- Verlag, Im Tal 12, 86179 Augsburg • ISBN 978-3-95786-036-1

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