- Der Tapezierer Geißler richtet hier eine Dampf-Bettfedernreinigung ein und kommt bei großen Aufträgen sogar mit der Maschine ins Haus.
- Ein Felsen oberhalb der Ringanger Steige löst sich und beschädigt den Weg schwer. Die Stützmauer war aber schon vorher eingestürzt.
- Die Eschbachalpe erhält ein neues Stallgebäude, das in Blockbauweise aufgeführt wird.
- Von den Reparaturkosten am Breitachsteg haben die Gemeinden Tiefenbach und Oberstdorf je die Hälfte, 88,45 Mark, zu berappen.
- Am Pfingstsonntag, dem 20. Mai, wird das während des Winters geschlossen gewesene Gesellschaftshaus wieder eröffnet.
- Ein Extrablatt verkündet am 15. Juni: „Kaiser Friedrich ist um 11 Uhr 15 Minuten sanft entschlafen.” Bald werden Vorwürfe wegen der Behandlungsmethoden gegen den englischen Arzt Mackenzie in der Presse laut. An Kaiser Friedrich wird in Oberstdorf, wie beim Tode seines Vaters, mit Geläute und Totenamt gedacht.
- Die Gemeinde erwirbt für 645 Mark von Professor Thürlings ein Grundstück, auf dem das neue Feuerwehrgerätehaus erbaut werden soll.
- Die am 18. Juli erscheinende Fremdenliste weist für Oberstdorf 101 Personen in Gasthöfen und 196 Personen in Privathäusern aus. Die Gäste halten mit der Abreise zurück, weil sie auf die bessere Reisemöglichkeit der Eisenbahn warten.
- Mehrere Hochwasser von Breitach und Iller ließen die Fertigstellung der Eisenbahnlinie Sonthofen - Oberstdorf zum geplanten Zeitpunkt Ende Juni nicht zu. Erst am 25. Juli heißt es in dem Bericht: „Heute Nachmittag 3 1/2 Uhr ist die erste Probefahrt von Oberstdorf hier (Sonthofen) eingetroffen.” Am 2. August war dann die feierliche Eröffnung der Bahnlinie. Für die 14 Kilometer lange Strecke kostete damals die Fahrkarte:
| II. Klasse | III. Klasse |
| Hinfahrt | 115 Pf | 70 Pf |
| Hin- und Rückfahrt | 170 Pf | 100 Pf |
| Militärbiletts | 20 Pf |
| Stück Großvieh | 285 Pf, | bei zwei oder mehr Stücken 225 Pf. |
- Bei der Eröffnungsfeier der Bahn schickt die Festversammlung aus dem Gesellschaftshaus ein Huldigungstelegramm an Prinzregent Luitpold, das dieser durch seinen Generaladjudanten Generalmajor Freiherr Freyschlag von Freyenstein mit einem Dank beantworten läßt.
- Herr Lorenz aus Kempten beabsichtigt in Oberstdorf „effektvolle Vorstellungen in den allerliebsten Wandelbildern zu geben, mit ganz neu eingerichteten Apparaten, welche mit elektrischem Licht gespeist sind.”
- Der Deutsche und Österreichische Alpenverein baut durch den Sperrbachtobel einen Weg zum Mädelejoch (Ausführung Gebr. Klein, Rubi), wozu die Sektion Immenstadt-Allgäu vom Zentralverband einen Zuschuß von 400 Mark erhält. Die Gemeinde Oberstdorf schießt 200 Mark zu.
- Waren bisher drei Omnibuspaare zwischen Oberstdorf und Sonthofen verkehrt, so sind es jetzt vier Zugpaare:
Oberstdorf ab 5.20, 10.35, 14.30, 18.00 Uhr
Sonthofen ab 8.03, 11.38, 15.20, 20.30 Uhr
(Die Uhrzeiten wurden von mir in die 24-Stundenzeit umgesetzt. Tho.)
- Im Saal der »Sonne« hält der „Milchwirtschaftliche Verein im Allgäu” unter Vorsitz von Vorstand Widmann seine 12. Wanderversammlung ab.
- Umfangreiche Wildbachverbauungen, insbesondere im Warmatsgundtal und im Bierenwanger Tobel, sollen vor weiterem Hochwasser und vor Vermurungen schützen helfen. Die Baukosten belaufen sich:
1887 auf 14.943,11 Mark
1888 auf 20.056,89 Mark.
- Für die Rasso und Zamperl erhebt die Gemeinde Hundesteuer, was durch die Hundemarke dokumentiert wird.
23 Hunde a 6 Mark 138 Mark,
16 Hunde a 3 Mark 48 Mark (Wachhunde).
- Nach dem Fleischbeschaujournal von Tierarzt Brutscher wurden 1888 in Oberstdorf geschlachtet: 29 Ochsen, 17 Stiere, 109 Kühe, 37 Jungrinder, 259 Kälber, 33 Schafe, 4 Ziegen, 228 Schweine.
Anmerkung:
Als Grundlage für die Ausarbeitung der Jahreschroniken 1938 und 1888 dienten die entsprechenden Jahrgänge des „Allgäuer Anzeigeblattes”, Aufzeichnungen im Gemeindearchiv und meine privaten Notizen.