Die Tiefenbacher Pfarrer des 17. und 18. Jahrh., bis zur Eingliederung der Pfarrei Tiefenbach in die Diözese Augsburg (Teil 1)

von Dr. Thaddäus Steiner am 01.06.2000

Bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts war es nicht gerade schwergefallen, die Tiefenbacher Pfarrer zu ermitteln. Doch nun klafft seit Beginn des Dreißigjährigen Krieges plötzlich eine Lücke, die sich - ähnlich wie in Fischen und in zahlreichen anderen Allgäuer Pfarreien - nicht oder nur teilweise füllen läßt. Das liegt vor allem am Fehlen der bischöflich-konstanzischen Quellen. Ludwig Dorn konnte in seinem schon mehrfach genannten Aufsatz zwischen 1618 und 1641 keinen Pfarrer für Tiefenbach angeben.

Die Hoffnung, daß die Tiefenbacher Pfarrmatrikeln diese Lücke schließen könnten, ist jedoch ziemlich trügerisch. Sie liegen nämlich für diese Jahrzehnte und sogar noch länger gar nicht im Original vor, sondern sind nachgeschrieben von Pfarrer Zacharias Erb, der die Pfarrei seit 1666 verwaltete und ab 1668 kurzzeitig Pfarrer wurde. Er konnte sich bei dieser Aufgabe mit Sicherheit auf vorhandenes Material stützen, vielleicht gesammelte Blätter oder auch nur einzelne Zettel, die er abgeschrieben hat. Allein dieses Material war auf jeden Fall recht unvollständig.

Der erste Pfarrer, den das Pfarrbuch, und zwar unter der Rubrik Hochzeiten angibt, ist ein Johannes Rees, vor dem am 11. Februar 1619 eine Ehe geschlossen wurde. Es ist wohl der 1608 in Memhölz amtierende Pfarrer, über den ein Visitationsprotokoll aus dem gleichen Jahre vorliegt. In diesem Protokoll ist seine Herkunft aus der Diözese Augsburg vermerkt. Dementsprechend besaß Joh. Rees damals das Augsburger Brevier, sonst allerdings keinerlei Bücher. Er war 1608 auch erst seit 5 Wochen in Memhölz und las erst einmal in der Woche die Messe.

Rees stammt aus Mittelberg (wohl dem im Altlandkreis Kempten), hat 1567 sein Studium in Dillingen begonnen und wurde 1580 zum Priester geweiht. 1582 war er Pfarrer in Moosbach, 1586 - 1597 in Pfronten, dann bis 1600 in Rieden, Landkapitel Füssen. 1600 - 1604 wirkte er gar als Pfarrer in Tannheim/Tirol. Dann zog es ihn wieder ins Obere Allgäu, nach Memhölz (1608). 1613 - 1615 amtete er in Ottacker-Ried. Wann und weshalb er nach Tiefenbach ging, bleibt unbekannt. Johann Rees könnte theoretisch bis 1630 Pfarrer in Tiefenbach gewesen sein, doch bleibt dies reine Vermutung.

Erst 1630 beginnen wieder datierte Einträge in den Matrikeln und zwar unter dem Register der Verstorbenen, wo es heißt a Michaele Rieger sepulti sunt sequentes, also „Unter Michael Rieger sind folgende Verstorbene begraben worden”. 1631 werden vor ihm auch Ehen geschlossen. Er ist vielleicht nicht ordentlicher Pfarrer gewesen, denn er führt diesen Titel nirgends und verschwindet spurlos.

Noch im Jahre 1631 erscheint im Verzeichnis der Taufen ein Pfarrer namens Dionysius Brendlin, der als Möskirchiano bezeichnet wird. Er müßte demnach aus Meßkirch im Ablachtal, Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg, stammen.
Schon ab 1632 wird bei den Taufen der Pfarrer Joannes Albert(o) angeführt. Er ist vermutlich mit dem 1634 - 1635 als Fischinger Pfarrer genannten Johannes Albrecht identisch. Seine Spur verliert sich dann allerdings sogleich wieder.

Höchstes Lob vom Matrikelbuchverfasser erhält dann der 1633 im Taufverzeichnis genannte Christophorus Bach aus Wertach. Er wird als verehrungswürdig und hochgelehrt hervorgehoben. 1634 wurde er zum Priester geweiht, war 1635 - 1638 Pfarrer in Petersthal, 1636 - 1638 Pfarrer in Rettenberg, was im Eintrag erwähnt ist. Kurzzeitig (1651/52) war er Pfarrer in Agathazell, dann trat er 1652 in das eben gegründete Kapuzinerkloster in Immenstadt ein. Dies vermerkt der Verfasser des Matrikelbuches, Matthias Erb, ebenfalls im Eintrag, der also frühestens 1652 gemacht worden sein kann. In Immenstadt wirkte Simon von Rottach (so sein Klostername) 1665 - 1668 als Guardian. Gestorben ist er am 26. 6.1690 in Riedlingen. Ihn nennt auch das Buch der Rosenkranzbruderschaft von Oberstdorf als Tiefenbacher Pfarrer mit dem Magistertitel.

Im Jahre 1635 beginnen dann im Taufbuch Einträge unter Pfarrer Magnus Hartmann, aber schon auf der nächsten Seite folgt das Jahr 1638 und gleich 1639. Entweder waren keine Taufen überliefert oder es fanden tatsächlich kaum Taufen statt. Das wäre kein Wunder, denn schon 1634 häuften sich die Sterbefälle, und am 6. August 1635 wurde pfarramtlich der erste Pesttote registriert, es wird wohl nicht der erste tatsächliche gewesen sein. Bis in den September hinein dauerte das massenhafte Sterben an. Für 1636 gibt es ganze zwei Sterbefall-Einträge, dann besteht bis 1639 eine Lücke.

Für dieses Jahr, auch für 1642 und 1643 sind jeweils nur 2 Verstorbene eingetragen. Wen nimmt es da wunder, daß auch keine Taufen stattfanden oder registriert wurden? Es war eine grausame und schwere Zeit, in der sicher vieles drunter und drüber ging. Wie um die Lücken nicht allzu groß werden zu lassen, hat der spätere Pfarrer Zacharias Erb da seine eigene, am 6. Januar 1640 in Oberstdorf stattgefundene Taufe eingetragen. Pfarrer Magnus Hartmann kann nicht selbst an der Pest verstorben sein, denn er ist von 1644 - 1660 (oder nur 1651?) als Pfarrer in Legau bezeugt. Wo er in der Zwischenzeit verblieben ist, war bis jetzt nicht auszumachen.

Mit dem nächsten Pfarrer, Georg Tschan, am 4. 3.1641 proklamiert und am 10. 6. 1641 installiert, treffen endlich wieder konstanzische und ortseigene Tiefenbacher Quellen zusammen. Im Matrikelbuch wird er zwar nur unter den Hochzeiten 1641 einmal genannt (sub parocho Georgio Tschan), doch gibt uns die bischöflich-konstanzische Überlieferung hier Sicherheit. Dem Namen nach dürfte dieser Tschan am ehesten Graubündner gewesen sein. Dort wird Gian (Johannes) mit der Schreibung Tschan und ähnlich dem deutschen Lautsystem angepaßt.

Pfarrer Tiefenbach - Heft 36

Pfarrkirche St. Barbara, Wirkungsstätte der Tiefenbacher Pfarrherren.

Georg Tschan kann nicht lange in Tiefenbach geblieben sein, denn bereits am 5. September 1642 wird vom Grafen Hugo von Rothenfels als neuer Pfarrer präsentiert: Johann Georg Sattler. Im Taufverzeichnis der Pfarrmatrikel wird er (durch Verwechslung?) mit 1633 als Georg Lotter offenbar zu früh angesetzt. Er erscheint korrekt (wieder?) zweimal: 1642 und 1646, wobei er als Überlingono, also aus Überlingen stammend, bezeichnet wird. Daß er zweimal in Tiefenbach gewesen sein könnte, ist ganz unwahrscheinlich, vermutlich liegt nur ein nicht korrigierter, anfänglicher Irrtum des Matrikelbuchschreibers vor, der ja nachträglich alles zusammengestellt hat.

Nach seiner Resignation wird am 9. April 1649 Johannes Neßler als Pfarrer präsentiert, der dann Ende Juni auch investiert wurde. Von ihm findet sich weder in den Matrikelbüchern noch in der „Series parochorum” die geringste Spur. Nur im Verzeichnis der Annatensteuer scheint er auf, wo man seinen Namen aber ebensogut als Jo. Kessler oder Ressler lesen könnte.

Auf ihn folgte 1652 ein Nicolaus Bernardus aus der Diözese Brixen, präsentiert vom Grafen Hugo von Königsegg am 4.12.1652, am 21. Januar 1653 tatsächlich investiert’. Er war nicht der einzige, gewissermaßen „geistliche Gastarbeiter” in Tiefenbach. Bereits sein Nachfolger, Johannes Minetto, am 4. August 1653 präsentiert und am 13. September investiert, trägt einen typisch italienischen Namen und stammte auch aus der italienischen Diözese Como.

Er war rund 7 Jahre Pfarrer, muß aber Probleme gehabt haben, die wohl mit seiner Herkunft und der ihm vermutlich ganz fremden Umgebung zu tun hatten. Er konnte offenbar das Geld für die Annatengebühren (die „Ersten Früchte”) nur ratenweise und dann nicht vollständig aufbringen. Er „stotterte” als ersten Betrag 3 Gulden, 6 Kreuzer ab, später nochmals 1 Gulden, 50 Kreuzer(?) und stand noch lange nach seinem Tod im Jahre 1661 in den bischöflichen Restantenverzeichnissen, nämlich noch 1680 und 1681!. Über seinen Tod war man sich anscheinend im unklaren, denn der Verfasser der „Series parochorum” schreibt: Joanes Minetho Italus, de Fishen Rediens proprio uti fertur, sed aliud creditur, Equo Excussus, obiit. Er scheint also auf seinem Rückweg von Fischen tot aufgefunden worden zu sein, ohne daß man wußte, ob ihn der Tod auf dem Pferd ereilt oder ihn das Pferd abgeworfen hatte und er durch den Sturz zu Tode kam.

Noch im gleichen Jahr wurde Heinrich Gruber zu seinem Nachfolger als Pfarrer bestellt. Er überlebte das Jahr aber nicht, sondern erlag nach der „Series parochorum” in Fischen einem Schlaganfall (Apoplexia vi tactus in Fisken obiit). So blieb dem Grafen von Königsegg nichts anderes übrig, als einen neuen Kandidaten vorzuschlagen, es war Magister Adam Bickel aus Nüziders in Vorarlberg, der sich am 14. November 1661 in Immenstadt zum Examen stellte und seit 1662 in Tiefenbach als Vikar amtierte, wie die Hochzeitsliste des 1. Matrikelbuches zeigt.

Er mußte allerdings bis 1664 warten, ehe er offiziell zum Pfarrer ernannt und am 3. März 1665 investiert wurde’. Bickel hatte zur Studienvorbereitung das Lyzeum in Feldkirch besucht, dann in Graz studiert. Er war 1657 zum Baccalaureus, 1658 zum Magister der Philosophie promoviert worden. Sehr schnell verließ er Tiefenbach und wurde am 1.9.1665 zum Pfarrer von Fischen proklamiert, am 8.10. schon investiert. Offenbar hatte er sich glänzend bewährt und verstand es mit den Leuten, denn er blieb nun fast 30 Jahre lang bis 1693 Pfarrer von Fischen.

Tiefenbach erhielt sogleich noch 1665 mit Johann Jacob Hainzier (auch Heinzier geschrieben) einen Nachfolger von Rang’. Er stammte aus Immenstadt und wurde wohl schon 1666 in eine höhere Stellung berufen, unbekannt wohin. Er erscheint dann 1678 - 1681 als Propst von Oberstaufen, wohl nach dem Dekan die angesehenste Stellung im ganzen Dekanat. Dort verfolgte ihn aber das Pech. In seiner Propstei brach in der Nacht vom 10. auf 11. September 1680 ein Brand aus, der zum größten Staufner Brandunglück führte und bis auf 5 Häuser ganz Oberstaufen einäscherte. Der Propst wurde dazu verurteilt, innerhalb von 6 Jahren 600 Gulden Schadenersatz zu leisten. Er selbst wurde seines Amtes entbunden und gewissermaßen strafversetzt auf die Pfarrei Seifriedsberg.

Auf den frei resignierten Jacob Heinzier folgte schon 1666 als Vikar der gebürtige Oberstdorfer Zacharias Erb, der nach der Resignation seines Vorgängers im Jahre 1668 ordentlicher Pfarrer wurde. Ihm verdanken wir das für die Geschichte der Pfarrei ab dem 17. Jahrhundert wichtigste Werk, nämlich die Neufassung, man darf geradezu sagen die Schöpfung des ältesten Tiefenbacher Matrikelbuches. Wann er diese Leistung vollbrachte, ist nicht ganz klar, denn er schreibt im Taufbuch A me M. Zachario Erb Oberstorffiono quondam indigno p as tore in Tiieffebach, nunc imerito R(everen)dissimi praesulis in Stambs vicario ... parocho Wertacensi ...

Der 1640 geborene Oberstdorfer Erb hatte 1655 sein Studium in Dillingen begonnen, 1661 das Baccalaureat erworben und war 1663 zum Magister der Philosophie promoviert worden. Am 19. 9.1665 wurde er zum Priester geweiht. 1669 - 1675 war er Pfarrer in Wertach, wo er auch verstorben ist. In der Zeit zwischen 1669 und 1675 hat er also das für uns so wichtige Matrikelbuch von Tiefenbach erstellt. Warum und unter welchen Umständen? Das bleibt für uns im dunkeln. Zacharias Erb hat, wie oben schon ausgeführt, seinen eigenen Tauftag in den Tiefenbacher Matrikeln vermerkt. Der ist überprüfbar richtig! Erb war also nach seinem Studium in Dillingen und Priesterweihe am 19.9.1665 erst 26 Jahre alt, als er in Tiefenbach Pfarrvikar wurde, ging aber schon 1668 wieder ab.

Tiefenbach bekam kurzzeitig einen Vikar namens Georg Beck, der im Taufbuch erscheint und in der „Series parochorum" als Vikar für einige Monate bezeichnet wird. Am 22. August 1669 konnte dann Graf Leopold Wilhelm von Rothenfels wieder einen Pfarrer präsentieren, der bald auch investiert wurde, den gebürtigen Oberstdorfer Johann Titscher. Titscher hatte sich am Lyzeum in Feldkirch auf das 1663 in Dillingen begonnene Studium vorbereitet. Bereits 1664 wurde er Baccalaureus der Philosophie und “1666 Magister":[ Generalschematismus der Diözese Augsburg, Sn. 777, 951. Anton Ludewig, wie Anm. 17, Nr. 288. Matrikel Dillingen 1663,82. Stegmeyr, Catalogus promotionum (Typoskript im Ordinariatsarchiv Augsburg) 1663,18. Stegmeyr, Weiheregister S. 79.]. Diesen Titel führt er auch im Taufbuch. Nach einer kurzen Kaplanszeit in Oberstdorf war er nach Tiefenbach gekommen, das er zu unbekannter Zeit wieder verließ, spätestens jedoch 1681. In diesem Jahr wurde er Pfarrer in Riezlern im Walsertal und blieb es bis zu seinem Tode im Jahre 1703.

Fortsetzung folgt

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