Sakrale Kunst in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist verbrannt – gerettet – verschollen – neu geschaffen

von Leo Huber am 01.12.2013

Beim großen Brand am 5./6. Mai 1865, der den größten Teil von Oberstdorf vernichtete, stand auch die Pfarrkirche inmitten des Feuerinfernos. Viele wertvolle Kunstgegenstände und Ausstattungen wurden dabei vernichtet, aber einiges konnte auch gerettet werden. Dazu hat der Oberstdorfer Maler, Zeichner und Kunstkenner Franz Alois Schratt Jahrzehnte später, neben einer Liste der geretteten Objekte, auch Zeichnungen angefertigt. Diejenigen, die vernichtet wurden bzw. verschollen sind, hat er nach Angaben von Zeitzeugen nachgezeichnet. Ebenso einige, die sich heute in anderen Kirchen und Kapellen befinden.

Als Zeitzeugen dienten F. A. Schratt u. a. der Fischer Felix Haneberg von Hs.Nr. 174, geb. 1832, Franz Wolf, geb. 1823, der Kaufmann Theodor Remlein, seit 1858 in Oberstdorf ansässig und Johann Baptist Remlein, Primiziant am 15. 11. 1859. Ihnen und dem Künstler verdanken wir unschätzbare Dokumente zu Oberstdorfs Vergangenheit.

Des weiteren erstellte F. A. Schratt eine Liste der geretteten Gegenstände:

Baptist - Heft 63

Verzeichnis d. geretteten Sachen d. alten Kirche

I. die Sterbbücher samt Pfarrarchiv im Pfarrhof
II. die silberne Monstranz
III. der Wettersegen Kreuzpartikel
IV. 3 alte I. zum Teil reich in Gold bestickte Messgewänder (od. Rote)
V. 2 Kelche mit Patene u. altes Missele
VI. Mehrere Bildwerke als 2 Tabernakel Engel (Jauchen)
ein Auferstehungs Christus (Kornau)
2 Figuren Jesu Taufe v. Johannes vom Taufstein St. Anna mit Maria, 2 kolorierte Hl. Grab Engel
VII. Ein roter Baldachin Traghimmel
VIII. 4 seidene Kirchenfahnen samt Stangen (bis 1880
in Gebrauch)
IX. 3 messinge Ampeln und die Sanktusglocke
X. 1 silberne Tabernakelverzierung im Barockstyl
nebst sechs Altarleuchten
* Weniger wert waren 2 Laternen, 1 Todtenmeßbuch, der Opferstock und die Todten-Tumba mit Holzleuchter

Zu I. ist anzumerken, dass die Rettung der Matrikelbücher der Umsicht des damaligen Tiefenbacher Pfarrherrn, H. H. Pfr. Albert Riedel, zu verdanken ist. Dadurch wurde eine wichtige Grundlage zur Erforschung der Oberstdorfer Familiengeschichte der Nachwelt erhalten.

Baptist - Heft 63

Die Fresken wurden beim Brand vernichtet, die ehemalige Platzierung ist nicht bekannt.

Baptist - Heft 63
Baptist - Heft 63

Die große Glocke von 1866
Deren Vorgängerin war beim Brand geschmolzen.

Über das gesamte Geläut hat Eugen Thomma ausführlich berichtet in seinem Aufsatz „Die Glocken der kath. Pfarrkirche Oberstdorf”.
(Unser Oberstdorf, Heft 6 und 7, November 1984/Juni 1985)

Baptist - Heft 63
Baptist - Heft 63

Das Missionskreuz oder der „Wettersegen”

Als Andenken an eine 10-tägige Mission mit Bußpredigern im Jahr 1795 wurde das Kreuz an der Nordseite des Kirchturms aufgestellt.

Baptist - Heft 63

Der Korpus wurde beim Einsturz des brennenden Kirchturms nicht beschädigt und nach dem Neubau, mit neuem Dach versehen, am Turm wieder errichtet.

Baptist - Heft 63

Silberleuchter

Gerettet, Verbleib unbekannt.

Baptist - Heft 63

Barockmonstranz

Gerettet, heute noch in Gebrauch.

Baptist - Heft 63

„Wettersegen” Kreuzpartikel

Gerettet, heute noch in Gebrauch.

In der Chronik von Joseph Ignaz Math ist zu lesen, dass zum Wettersegen, von „Kreuz- Erfund” (3. 5.) bis „Kreuz-Erhöhung” (14. 9.), die Wandlungsglocke um 1 Uhr alle Tage geläutet wurde. Dies wurde 1804 verboten.

Baptist - Heft 63

Barockkelch

Gerettet, heute noch in Gebrauch.

Baptist - Heft 63

Auferstehungs-Christus

Dieser wurde, bis zum Verbot 1803, an Christi Himmelfahrt an einem Seil vom Altar im Chorraum aufgezogen. Bohrlöcher und Ösen an den Schultern und im Genick sind auf der Rückseite der Figur sichtbar. Die gerettete Statue wurde in die Kapelle in Kornau gebracht.

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Tabernakelengel

Von den zwei geretteten Engeln wurde einer in die Jauchen- Kapelle gebracht, der aber zur Zeit dort nicht vorhanden ist.

Baptist - Heft 63

Oberstdorfer Taufstein

1741 aus rotem Marmor entstanden, wurde beim Brand zerstört. F. A. Schratt beschreibt ihn als „derselbe wir der Taufstein in Schöllang”. Gerettet aber wurden die beiden Taufdeckelfiguren „Johannes tauft Jesus”. Leider sind die beiden Skulpturen heute nicht mehr auffindbar.

Baptist - Heft 63

Drehtabernakel

Diese eher seltene Art eines Tabernakels von 1699 wurde 1794 aus dem Oberstdorfer Altar ausgebaut und durch einen marmornen ersetzt, der 1.500 Gulden kostete.

1806 hat Dekan Judas Thaddäus Jäger den Drehtabernakel für 50 Gulden den Hirscheggern für ihre neuerbaute Kirche verkauft.

Baptist - Heft 63

Linker Seitenaltar in der 14 Nothelfer-Kapelle

Dieser Figuren-Altar, etwa um 1497 geschaffen, der ebenfalls beim Brand 1865 vernichtet wurde, stellte die Kreuzabnahme Jesu dar mit Veronika mit dem Schweißtuch, Maria, Magdalena und Nikodemus.

Die Figur des Josef von Arimathäa (links) wurde bereits 1854 entwendet und ist nach München gekommen.
Dieser Altar und ein weiterer rechter Seitenaltar waren 1640 von der Hindelanger Pfarrkirche übernommen worden (Petzet).

Baptist - Heft 63

Heiliges Grab

Heute in der Josefskapelle in Loretto.

Baptist - Heft 63

Chorraum

Fotografie datiert mit 1895.

*Besonderer Dank gebührt Herrn Max Berktold, Rankgasse, für wertvolle Hinweise und Überlassung der Schratt-Zeichnungen sowie Herrn Herbert Gruber für die Farbfotografien zu diesem Bericht.

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