Heini Klopfer – vom Skispringen zum Skifliegen

von Oskar Fischer am 01.12.2017

Im Januar 2018 werden zum sechsten Mal Skiflug-Weltmeisterschaften in Oberstdorf stattfinden. Eine Laune des Zufalls will es, dass Heini Klopfer eben in diesem Jahr hundert Jahre alt geworden wäre, leider aber vor genau fünfzig Jahren im November 1968 viel zu früh verstarb.

Wenn die besten Skispringer der Welt wieder über die Flugschanze in die Zimmeroy hinunterschweben, soll dies Anlass sein, Heini Klopfer als dem Ideengeber und Erbauer dieser einmaligen Sportstätte einige Gedanken und Erinnerungen zu widmen.

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Heini Klopfer und die Oberstdorfer Skisprungtradition

Skispringen stand als klassische Skisportdisziplin bereits auf dem Programm der ersten Olympischen Winterspiele 1924 in Chamonix. (Die alpinen Disziplinen dagegen wurden erst 1936 ins olympische Wettkampfangebot aufgenommen). Vielleicht mag das mit ein Grund dafür gewesen sein, dass das Skispringen gerade in Oberstdorf schon früh einen hohen Stellenwert hatte und die ersten Schanzen bereits vor und nach dem 1. Weltkrieg an der Halde und unterm Schattenberg entstanden sind. So machten Oberstdorfer Skispringer bereits zu jener Zeit zusehends von sich reden bei nationalen und internationalen Wettkämpfen. Hier sei der erste Oberstdorfer Olympiateilnehmer Franz Thannheimer genannt (1928 in St. Moritz), der bei einem Trainingssprung auf der Bernina-Roseg-Schanze in Pontresina sogar einen inoffiziellen Weltrekord mit 75 m erreichte.

Zu der Zeit taucht auch erstmals der Name Heini Klopfer auf. Beim Allgäuer Verbandsspringen am Dreikönigstag 1932, mit dem Sieger Franz Thannheimer, „fällt der erst 13-jährige Heini Klopfer durch seine bestechende Haltung besonders auf.” Vier Jahre später, beim Neujahrsspringen auf der neuen Olympiaschanze in Garmisch-Partenkirchen, belegt er Platz zwei bei starker internationaler Konkurrenz.

Gott sei Dank kamen 1945 die meisten der namhaften Oberstdorfer Skisportler wieder aus dem Krieg zurück. Nur wenige Monate nach Kriegsende ging von Heini Klopfer und seinem Springerkameraden Sepp Weiler die Initiative aus, den Skiclub neu zu aktivieren. Die abgetragene Schattenbergschanze wurde wieder aufgebaut und bereits am 1. Januar 1946 gab es ein Springen, das Sepp Weiler vor Heini Klopfer gewann. Bald gesellte sich zu diesen beiden als weiterer Spitzenspringer Toni Brutscher, der sich zusehends von seiner schweren Kriegsverletzung erholte. Damit stand das legendäre Oberstdorfer Springer-Trio, das in den Folgejahren den Skisprungsport in Deutschland und im gesamten Alpenraum entscheidend mitprägte.

Klopfer - Heft 71

Das legendäre Oberstdorfer Springertrio:
(v. li.)Toni Brutscher, Heini Klopfer und Sepp Weiler

Der Visionär und sein Erstlingswerk

Die aufkeimende Begeisterung und sportliche Erfolgswelle wurde jäh gestoppt durch den politisch begründeten Ausschluss von den Olympischen Winterspielen 1948 in St. Moritz sowie von weiteren internationalen Wettkämpfen. Besonders hart traf es unsere Springer, dass ihnen auch die damals weltgrößte Schanze in Planica/Jugoslawien verwehrt blieb, auf der der Schweizer Fritz Tschannen 1948 mit 120 Metern einen neuen Weltrekord aufstellte. Unsere Sportler fühlten sich zu Recht diskriminiert und aus dieser Enttäuschung heraus entstand die Idee, eine eigene Schanze zu bauen, eine größere und bessere als alle anderen bis dahin bestehenden.

Auf Initiative des Springer-Trios „Weiler-Klopfer-Brutscher” wurde mit dem Allgäuer und Bayerischen Skiverband beraten, wobei man überraschend feststellen musste, dass auch anderenorts bereits Begehrlichkeiten in derselben Richtung bestanden. In Ruhpolding, Baiersbronn und Bayrisch- Gmain dachte man ebenfalls an den Bau einer Großschanze. Nachdem Baiersbronn und Bayrisch-Gmain ihr Vorhaben zurückgezogen hatten, traf der BSV im Februar 1949 mit 19 zu 3 Stimmen eine Entscheidung zu Gunsten von Oberstdorf. Überdies wurde ein Zuschuss von 20.000 Mark in Aussicht gestellt. In einer SCO-Mitgliederversammlung am 25. Mai 1949 schließlich wurde der Bau einer Skiflugschanze endgültig beschlossen.

Bei Heini Klopfer, Architekt von Beruf, liefen von nun an die Fäden zusammen, denn er besaß sowohl die fachsportliche als auch die berufliche Kompetenz, konnte gewissermaßen sein Hobby mit dem Beruf verbinden. Ein ganz entscheidender Planungsinhalt war die Standortfrage, wobei Heini Klopfer nicht von vorneherein auf Oberstdorf festgelegt war. Bis hinüber ins Tannheimer Tal führten seine Erkundungsfahrten und auch unmittelbar nördlich vor Oberstdorf hatte er bereits einen geeigneten Schanzenhang im Auge. Dass die Wahl dann doch sehr schnell und endgültig auf den Standort in der Zimmeroy fiel, dazu gibt es folgende kleine Anekdote, die mir Heini Klopfers Tochter Andrea erzählte:

Bei einer beschaulichen Wanderung mit Frau Inge und seiner Schwiegermutter „Oma Düll” ins Stillachtal musste eine Pause eingelegt werden, weil sich eine der Damen eine Blase gelaufen hatte. Bis das kleine Malheur behoben war, ließ Heini seinen Blick über den bewaldeten Hang hinauf zum Freiberg schweifen und meinte plötzlich: „Jetzt hab ich’s. Da muss sie hin!”

Die entscheidenden Argumente für diesen Standort waren die günstigen topografischen Gegebenheiten, die windgeschützte Situierung zwischen dem Waldbestand zu beiden Seiten und die Ausrichtung nach Südosten, was bei Sonneneinstrahlung eine ideale Thermik am Aufsprunghang versprach. An Liveübertragungen fürs Fernsehen unter Flutlicht dachte damals noch niemand.

Wie in diversen Chroniken und Medienbeiträgen zu lesen, waren die Baumaßnahmen mit 60 bis 80.000 Mark kalkuliert. Auch unser Springertrio setzte sich kreativ für die Beschaffung der Mittel ein. Kreuz und quer reisten sie durch Deutschland und organisierten Werbeveranstaltungen, wobei Toni Brutscher als brillanter Harmonikaspieler für Stimmung sorgte und mit dem Verkauf von Halstüchern und originellen Souvenirs Geld gesammelt wurde. Unterstützt wurden sie dabei auch von Sepps Schwager Rudi Gehring, ebenfalls Skispringer, der seinerzeit für 1860 München startete und von 1941 bis 1948 den Weltrekord mit 118 m innehatte.

Die bautechnischen Planungen und Umsetzungen leistete Heini Klopfer zusammen mit seinem Mentor und Freund Willi Huber, in dessen Architekturbüro er damals angestellt war. In nur fünfmonatiger Bauzeit entstand die neue Riesenschanze mit dem 40 Meter hohen Anlaufturm aus Holz. Rückblickend eine bewundernswerte Gemeinschaftsleistung vieler einheimischer Handwerker sowie auch ehrenamtlicher Helfer aus Oberstdorf und dem ganzen Allgäu. Sogar die amerikanische Militärregierung leistete einen Beitrag mit der Bereitstellung einer Schubraupe.

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Unermüdlich überwacht Heini Klopfer den Fortgang der Bauarbeiten an der Riesenschanze im Herbst 1949

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Die von der amerikanischen Militärregierung zur Verfügung gestellte Schubraupe war eine unschätzbare Hilfe bei den umfangreichen Erdarbeiten

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Die Großbaustelle im Oktober 1949. Mit einem Materialaufzug werden die Bauteile für den Anlaufturm nach oben transportiert

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Auch Sepp Weiler beobachtete laufend den Baufortschritt an der neuen Flugschanze

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Der riesige Anlaufturm mit 40 Metern Höhe wird im November 1949 von der Oberstdorfer Zimmerei Alfons Huber aufgerichtet

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Toni Brutscher und Sepp Weiler an der „Baustelle Deutsche Skiflugschanze”

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Benefiziat Georg Zehter und sein evangelischer Mitbruder, Pfarrer Gabriel, segnen die neue Sportstätte

Heini Klopfer ließ es sich nicht nehmen, auf „seiner” Schanze als erster über den Bakken zu gehen. Am 2. Februar 1950, in Anwesenheit nur einiger weniger Insider, gab SCO-Vorsitzender Alois „Liese” Schedler die Schanze frei und Heini Klopfer landete sicher bei 90 Metern. Er verbesserte sich danach noch auf 107 Meter und seine Kameraden Sepp Weiler und Toni Brutscher erreichten 115 bzw. 112 Meter.

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Nach den gelungenen ersten Flugversuchen am 2. Februar 1950 kredenzt Ski- Club-Vorstand Liese Schedler ein Fläschchen Sekt.

V. li.: Rudi Gehring, Heini Klopfer, Liese Schedler, Sepp Weiler und Toni Brutscher

Das große Werk war vollendet und Heini Klopfer als der geistige Vater und Planer spricht mit Überzeugung aus, was ihn bewegt:

„Wir Sportler wollen keine Sensation! Man muss aber verstehen, wenn wir uns diese Anlage gewünscht haben. Von Planica sind wir ausgeschlossen. Sollen wir nicht auch versuchen können, große und größte Weiten zu erreichen? Wir deutschen Skispringer glauben ein Recht zu haben, eine solche Anlage zu bauen. Dazu rufen wir alle, die kommen wollen.”

Das sporthistorische Ereignis griff seinerzeit auch unser Mundartdichter Hans Seeweg auf. Aus seinem Büchlein „Müettr-Schbroch a schine Schbroch“ ein kurzer Auszug:

Und vu dear jünge Schpringarwelle
will ih öü a wink vrzelle,
denn die sind allad heachr üe,
und händ zmol – a Flugschonz büe.
Heini isch als eerschta gschprünge,
hot khereg mit de Hände gschwünge,
hot mit de Schi – it litzl gschwonzet,
und am Üslöüf dünda – tonzet.
Druf isch dr Sepp und Done ra,
und luschteg ibr hündert na

Die erste Skiflugwoche 1950

Sie war Lohn und Bestätigung zugleich für Heini Klopfer. Mit diesem ersten Wintersportgroßereignis auf deutschem Boden nach dem verheerenden Weltkrieg wurde auch ein großer und bedeutender Schritt in der Entwicklung dieses faszinierenden Sportes vollzogen, nämlich vom Skispringen hin zum Skifliegen.

Gleich am ersten Tag sprang der Österreicher Willi Gantschnigg mit 124 Metern einen neuen Weltrekord. Sepp Weiler steigerte die Bestmarke zwei Tage später auf 127 Meter und schließlich nahm Dan Netzell den neuen Weltrekord mit 135 Metern mit nach Schweden. Zur ersten Flugwoche kamen ca. 170.000 Zuschauer, allein am Abschlusstag sollen es 80.000 gewesen sein. Fernsehübertragungen gab es zwar noch nicht, aber Wochenschauen, Tageszeitungen und Illustrierte berichteten in teilweise spektakulärer Aufmachung über die „fliegenden Menschen von Oberstdorf”.

Und auch hier liefen die Fäden wieder zusammen bei Heini Klopfer. Als Sprunghügelreferent des Deutschen Skiverbandes und Schanzenkonstrukteur hatte er die „Oberleitung am Hügel” und war zudem aktiver Wettkampfteilnehmer – aus heutiger Sicht undenkbar! Nach einer interessanten Analyse über die „Durchschnittsweite der fünf weitesten Flüge” lagen unsere drei Oberstdorfer Springerlegenden Sepp Weiler (1. Platz mit 127,2 m), Toni Brutscher (4. Platz mit 122,4 m) und Heini Klopfer (10. Platz mit 113,2 m) alle im Spitzenfeld.

Aus Sicht der FIS war die neue Flugschanze illegal, denn seit 1936 bestand ein Beschluss, Schanzen mit einem Kritischen Punkt von über 80 Metern zu verbieten. Die bereits seit den Dreißigerjahren bestehende erste Großschanze in Planica war lediglich als eine Art „Skisprung-Versuchsschanze” geduldet. Diese Sichtweise erklärt auch, warum der Deutsche Skiverband das Projekt in Oberstdorf anfänglich sehr reserviert beobachtete und auch keinerlei Hilfen oder gar Zuschüsse gewährte. Erst 1951 wurde der Beschluss von 1936 aufgehoben; nunmehr waren Schanzen mit einem Kritischen Punkt von maximal 120 Metern erlaubt. Auch vermeidet die FIS bis heute konsequent, offizielle Weltrekorde im Skifliegen zu führen mit der Begründung, dass rein von Rekorden bestimmte Entwicklungen den ethischen Grundsätzen des Sportes widersprechen und zum unkalkulierbaren Risiko werden könnten.

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Über die alte Zimmeroy-Brücke führte der einzige Zugang zur Flugschanze. Sogar durch die Stillach wateten die Zuschauer in ihrer grenzenlosen Begeisterung

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Der Experte am Schanzentisch überließ nichts dem Zufall

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Professionelle Verkehrsregelung an der Brutscher-Kreuzung

Bei der nächstfolgenden Skiflugwoche 1951 erreichte der junge Finne Tauno Luiro 139 Meter. Diese Bestweite sollte dann 10 Jahre bestand haben. „Um neue Weltrekorde zu fliegen, reiste die Weltelite nach Oberstdorf. 370.000 Zuschauer erlebten die Flieger ohne Flügel und viele Weltrekorde allein bei den ersten drei Skiflugwochen bis 1952.”

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Mitte der Fünfzigerjahre wurde mit Max Bolkart aus dem ursprünglichen Springer-Trio ein Quartett. Max Bolkart konnte als einziger Oberstdorfer die Vierschanzentournee gewinnen. V. li.: Sepp Weiler, Heini Klopfer, Toni Brutscher, Max Bolkart

Der weltweit anerkannte Experte

Mit den in der breiten Sportöffentlichkeit so positiv aufgenommenen Ereignissen um das Skifliegen in Oberstdorf eröffneten sich für Heini Klopfer neue persönliche und berufliche Möglichkeiten. Rasch erkannte er diese Chance und so profilierte er sich in kürzester Zeit zum führenden Schanzenkonstrukteur weltweit. Er wurde in die nationalen und internationalen Fachgremien berufen und hatte jahrelang den Vorsitz im Subkomitee für Sprungschanzen in der FIS inne. (Seit 2012 übrigens ist mit dem Fischinger Hans-Martin Renn wieder ein Allgäuer auf dieser Position). Besondere Wertschätzung genoss Heini Klopfer beim damaligen FIS- Präsidenten Marc Hodler, der immer gerne nach Oberstdorf kam, gerade auch wegen seines „alten Freundes” Heini Klopfer, wie er mir persönlich erzählte.

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Heini Klopfer im Olympia-Anorak von 1952 (Oslo)

Weit über 200 Schanzenanlagen sind auf dem Reißbrett in Klopfers Architekturbüro in der Lorettostraße entstanden oder den aktuellen Erfordernissen angepasst worden, darunter auch die Olympiaschanzen von Squaw Valley, Seefeld/Innsbruck, Grenoble, Sapporo und Lake Placid. Zu Gute kamen ihm dabei seine persönlichen Erfahrungen als Spitzensportler, ein überzeugender Vorteil gegenüber den reinen Theoretikern. So erkannte er, dass durch eine Absenkung des Schanzentisches mit mehr Gefälle, verbunden mit einer entsprechenden Profiländerung des Aufsprunghanges, eine flachere Flugkurve und damit deutlich mehr Sicherheit erreicht wird. Ein hoher Luftstand mit erheblicher Beschleunigung in der letzten Phase des Sprunges und dementsprechend ein extrem hoher Landedruck waren bis dahin die objektiven Gefahren und Risiken gerade auf großen Schanzen. Aus sportfachlicher Sicht liegt in dieser Erkenntnis eigentlich das größte Verdienst von Heini Klopfer, denn damit vollzog sich auch die sportphysiologische Weiterentwicklung vom eher aktiven und unruhigen Springen hin zum aerodynamischen Fliegen. Dass wir heute ein so hohes Maß an Ästhetik und zugleich an Sicherheit im Skispringen bestaunen können, dazu hat gerade Heini Klopfer mit seinen Erkenntnissen und Initiativen vor über 50 Jahren ganz wesentlich beigetragen.

Heini Klopfer blieben selbstverständlich die immer noch bestehenden Vorbehalte dem Skifliegen gegenüber nicht verborgen. Vor allem die Skandinavier, gewissermaßen als Hüter der nordischen Skisporttradition, beobachteten die Entwicklung in den Alpenländern sehr kritisch und nahmen entsprechend Einfluss in den FIS-Gremien. Heini Klopfer erkannte, dass das Skifliegen eine politische Lobby brauchte, um seine Position in der FIS zu sichern. So gab er anlässlich der Skiflugwoche 1962 am Kulm den Anstoß, eine Interessengemeinschaft der Skiflugorte Kulm, Oberstdorf und Planica – kurz KOP – zu gründen. Das große Ziel der neuen Organisation war, das Skifliegen zu einer regulären Wettkampfdisziplin weiter zu entwickeln bis hin zu offiziellen Weltmeisterschaften.

Leider blieb es Heini Klopfer versagt, die Verwirklichung dieses Ziels selbst noch zu erleben. Der große Pionier des Skifliegens und Gründer der KOP verstarb im November 1968.

Der FIS-Kongress 1971 in Opatija (Jugoslawien) beschloss schließlich die Einführung von Skiflug-Weltmeisterschaften und vergab die ersten Welttitelkämpfe 1972 nach Planica und 1973 nach Oberstdorf.

Unterwegs in der Welt – daheim im Faltenbach

Heini Klopfer ist am 3. April 1918 in Immenstadt geboren und wuchs droben im Faltenbach unter der Schattenbergschanze auf. Nach dem Abitur an der Oberrealschule Oberstdorf und dem Kriegseinsatz in Russland absolvierte er ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Darmstadt.

Er war von jung auf sportbegeistert, kontaktfreudig und den alltäglichen Freuden durchaus zugetan. Am Gallustag 1947 heiratete er seine Frau Inge, die aus Essen stammte. Vielleicht auch deshalb legte er Wert darauf, dass seine beiden Töchter Andrea und Claudia hochdeutsch sprachen, obwohl er selbst die einheimische Mundart pflegte. Auch wenn ihm beruflich und als internationalem Sportfunktionär die Welt offen stand, war ihm der jährliche Familienurlaub im beschaulichen Nonnenhorn am Bodensee besonders wichtig. Hier fand er beim Wasserskifahren und vor allem bei seinem zweiten Hobby, dem Kleinbild-Filmen, Erholung zwischen den vielen Terminen und den oft strapaziösen Reisen. Und einem guten Glas Whiskey war er auch nicht abgeneigt. Was seiner Tochter Andrea besonders in Erinnerung geblieben ist: „Von jeder Reise gab’s ein Mitbringsel; und meiner Schwester und mir hat er immer jeder eine Karte geschrieben.” Treffend charakterisiert ihn Hannelore Fuchs-Aumann, seine langjährige Mitarbeiterin: „Heini war ein großartiger Mensch. Er war zwar in der ganzen Welt zu Hause, aber seinen Faltenbach hat er nie vergessen.”

Klopfer - Heft 71

Heini Klopfer bei seinem zweiten Hobby. Wann immer die karg bemessene Freizeit es zuließ, war die Schmalfilmkamera im Einsatz

Beruflich war Heini Klopfer bis Mitte der Fünfzigerjahre im Architekturbüro von Willi Huber angestellt. 1956 machte er sich dann in der Lorettostraße selbstständig, wobei es für ihn zunehmend eine Herausforderung wurde, das Alltagsgeschäft als Architekt und das Engagement als international gefragter Schanzenexperte unter einen Hut zu bringen. Geschäftlicher Erfolg war ihm dabei nicht so wichtig; so manches „Plänle” oder fachlichen Ratschlag leistete er für ein schlichtes Dankeschön.

Beim Eröffnungsspringen der 17. VierSchanzen-Tournee 1968 wurde Heini Klopfer als Wettkampfleiter und Experte schmerzlich vermisst. Sieben Wochen vorher war er einem Herzinfarkt erlegen. Der langjährige Sportredakteur der Allgäuer Zeitung, Kurt Reich, sei hier zitiert:

„Noch einmal wurde klar, wie sehr er in internationalen Springerkreisen beliebt und geachtet war. Am Vortag des Springens versammelten sich die Springer aller teilnehmenden Nationen unter Führung seines alten Sprunggefährten Sepp Bradl (Österreich) am Grabe Heini Klopfers. Eine weitere Ehrung wurde dem Verstorbenen dadurch zuteil, dass die Flugschanze im Stillachtal, die 1949 von ihm erbaut wurde, von nun an seinen Namen als Heini-Klopfer-Flugschanze tragen wird. Während des Springens wurde eine Gedenkminute eingelegt und in kurzen Worten noch einmal das Werk dieses Mannes gewürdigt.”

Klopfer - Heft 71

Bei aller Weltläufigkeit blieb er der heimatverbundene und kontaktfreudige Oberstdorfer

Klopfer - Heft 71

Das imposante Bild der alten Skiflugschanze

So bleibt mir zu wünschen, dass die vor uns liegende Skiflug-Weltmeisterschaft 2018 zum einmaligen Sporterlebnis für Skispringer und Zuschauer im Sinne unseres unvergessenen Heini Klopfer wird.

Quellen:
100 Jahre SC 1906 Oberstdorf, Herausgeber: Ski-Club 1906 Oberstdorf
„skiflug-wm ‘73 oberstdorf”, Herausgeber: Organisationskomitee der 2. Skiflugweltmeisterschaften Oberstdorf
Internet: Sepp Weiler_Erinnerungen.pdf
Hans Seeweg „Müettr-Schbroch a schine Schbroch”, Herausgeber: Verschönerungsverein Oberstdorf
DER SPIEGEL, Nr. 13/1967
Die Zeit, 10. 02. 1967, W. Wünsche: „Wo liegt die Grenze beim Skiflug?”
Wikipedia – Heini Klopfer
Allgäuer Zeitung vom 30.12.1968

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